Und noch ein Nachtrag zur Deflation
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 26. November 2002 18:00 Uhr
ENL5462
Ups. Ich glaube, ich lag falsch. Deflation ist doch kein Problem. Wieso ich das auf einmal weiß? Nun, es stand in der Zeitung.
"Unwahrscheinlich", sagte Michael Moskow, Präsident der lokalen Fed in Chicago. Das Risiko einer Deflation sei "extrem klein", fügte Ben Bernanke von der gleichen Institution hinzu. "Außerordentlich entfernt", stimmte der oberste Fed-Vorsitzende, Alan Greenspan, mit ein.
Die offiziellen amerikanischen Zentralbanker scheinen sich einig zu sein: Deflation ist nichts, über das man sich Sorgen machen muss. Aber warum hat die Fed dann vor kurzem die Leitzinsen um überraschend starke 50 Basispunkte gesenkt?
Ach das ... nun ... das war nur eine Versicherung gegen einen "schwachen Punkt" in der Wirtschaft – so Bernanke in einer Rede.
Die Fed-Offiziellen scheinen alle das gleiche Skript gehabt zu haben. Nur einen oder zwei Tage vorher hatte auch Alan Greenspan davon gesprochen, dass die Wirtschaft "einen schwachen Punkt" getroffen hätte.
Währenddessen hat eine von der Fed in Auftrag gegebene Umfrage unter 35 prominenten Volkswirten gezeigt, dass die Erwartungen für das wirtschaftliche Wachstum zurückgehen. Die Ökonomen glaubten einmal, dass im 4. Quartal ein Wachstum von 2,6 % drin wäre. Aber bei der letzten Umfrage halbierten sie diese Prognose. Und für das gesamte nächste Jahr erwarten sie "nur" 2,6 % Wachstum.
Natürlich könnten sie falsch liegen – nach oben oder nach unten. Aber jetzt, wo eine Deflation von den Fed-Offiziellen gleich dreimal verneint worden ist, scheint sie fast unabwendbar zu kommen. Die Japanisierung der US-Wirtschaft impliziert laut Stephen Roach, dass die Wachstumsraten gefährlich niedrig werden.
Die Finanzpresse hat das japanische Beispiel schließlich doch aufgegriffen. Fed-Offizielle werden jetzt routinemäßig gefragt: "Nun, wie kam es, dass die Japaner eine Deflation nicht vermeiden konnten? Und wird sich die Fed besser als die japanische Zentralbank verhalten?"
Bernanke wartete nicht auf diese Frage. Er gab die Antwort bereits vorher: Die Japaner hätten Deflation vermeiden können, wenn sie höhere Inflationsraten angestrebt hätten, so seine Einschätzung. Und weiter: "Machen Sie sich keine Sorgen darüber, dass die USA den gleichen Weg gehen werden. Sogar wenn wir die Zinsen auf Null senken [die realen Zinsen sind teilweise schon unter Null], gibt es noch jede Menge anderer Dinge, die die Zentralbank tun kann. Geld drucken, zum Beispiel. Ausreichende Injektionen von Geld werden eine Deflation immer umkehren."
Bernanke fährt fort: "In den 1930ern beendete Roosevelt die Deflation, indem er den Dollar gegenüber dem Gold um 40 % abwertete." Er hätte hinzufügen können, dass die Deflation erst nach der größten Depression der amerikanischen Geschichte endete, nachdem 10.000 Banken dicht gemacht hatten und einer von drei Arbeitern den Job verloren hatte.
Ist es nicht beruhigend zu hören, dass die Fed die Deflation besiegen kann, indem sie den Dollar und die US-Wirtschaft zerstört?
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