Und keiner traut sich – nach dem Schock kommen die wirklich wichtigen Hinweise
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 03. Dezember 2004 18:00 Uhr
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Ja, da sitzen Sie alle – der Ölpreis fällt, die amerikanischen Märkte steigen und steigen und hier traut sich kaum jemand in den Markt. Das hat zwar auch etwas mit dem hohen Kurs des Euro zu tun, der natürlich die Exportwirtschaft belastet, doch das ist nicht der einzige Grund.
Ich habe heute mit einigen Tradern telefoniert: Offenbar traut hier niemand niemandem, besonders nicht unserer alten Miss Dax. Zugegeben, sie ist bekannt dafür, etwas verschroben zu sein. Ihre Zeichen sind so uneindeutig wie das Wetter, ihre Zuverlässigkeit verlor sie schon in ihrer Kindheit. Und trotzdem hat sie viele, viele Liebhaber, die nicht von ihr loskommen, die immer wieder ihr ganzes Geld, ihr Leben und ihre gute Laune auf sie verwetten ...
Und diese Liebhaber sitzen nun wie Hasen vor der Schlange und warten auf ein Zeichen, ein eindeutiges Zeichen. Dabei wissen wir doch, wenn die Zeichen eindeutig werden, wird Miss Dax alles tun, um sich hinter dem Schleier der Unnahbarkeit zu verstecken.
Die Unsicherheit ist groß, besonders vor den heutigen Zahlen. Aber Sie wissen, wenn die Unsicherheit groß ist, dann ist noch genug Geld außen vor, das Miss Dax ihren Liebhabern noch auf die ein oder andere Weise abknöpfen will.
Nun denken Sie nicht, ich würde nicht warten. Oh, doch! Auch ich warte, dass die Zeichen klarer werden, dass ich meine Positionen ausbauen kann. Ich habe auf gute Intel-Zahlen gewartet, die gekommen sind, und auf ein gutes Statement der Fed, das auch kam, auf einen ISM-Index und natürlich auf die heutigen Arbeitsmarktdaten ...
Aber das Warten wird sich lohnen: Mit dieser Woche sind die wichtigsten Konjunkturzahlen erst einmal durch. Danach wird sich die ganze Meute der Investoren, Trader und Institutionellen auf die Unternehmens-Ergebnisse zum 4. Quartal positionieren und damit auf das Jahresende.
Und da hat Intel nett vorgelegt. Es wird nun darauf ankommen, was die meisten Institutionellen denken, wie ihre Research-Abteilungen die Lage der meisten US-Unternehmen einschätzen. Nahezu unerheblich ist, was die Wirtschaft macht.
In diesem Zusammenhang sollten Sie daran denken, dass der Dollar sehr gefallen ist, und dass die weltweit aufgestellten US-Unternehmen ihre im Ausland, also in fremden Währungen, gemachten Gewinne und Umsätze in Dollar umrechnen! Das bedeutet, der schwache Dollar wird die Gewinne der US-Unternehmen besser aussehen lassen, als sie eigentlich sind. Und allein darauf könnte man sich schon positionieren.
Natürlich bleibt die alte und einzig immer richtige Börsenweisheit bestehen: "Die Märkte können steigen, die Märkte können fallen."
Aber diesmal werden sie uns damit etwas verraten. Vergessen Sie also die heutigen US-Konjunkturdaten, diese sind nicht wirklich wichtig. Achten Sie jedoch darauf, wie die Märkte auf diese Zahlen reagieren. Besonders interessant wird es, wenn sie anders reagieren, als man das eigentlich erwarten sollte.
Ein Beispiel: Der Arbeitsmarktbericht ist deutlich schlechter als erwartet ausgefallen (die genauen Zahlen siehe unter "US-Konjunkturdaten"). Wenn nun auch noch der ISM-Dienstleistungsindex schlechter ausfällt und die Märkte im späten Handel und am Montag unerwartet steigen, dann ist das ein klares Zeichen dafür, dass sich größere Hände positionieren und zwar auf die Berichtssaison zum 4. Quartal.
Wenn das nicht passiert, dann sollte man hingegen seine bullishe Einstellung zumindest kurzfristig überdenken.
Das gilt im Übrigen grundsätzlich: Immer wenn Sie sich an den Märkten wundern, wenn irgendetwas geschieht, was eigentlich nicht so sein sollte, ist das ein sehr guter Hinweise auf zumeist höchst lukrative Anlagemöglichkeiten.
Also ich bin gespannt und nach wie vor tendenziell eher bullish.
Aber unter uns, sozusagen in Klammern: (Der Arbeitsmarktbericht war schon verdammt schlecht ... Der ganze konjunkturelle Aufschwung in den USA schafft auch dort keine wirklich nachhaltige Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. Das ist ein schlechtes Zeichen und passt zu meiner Prognose der langen Seitwärtsbewegung und den bald wieder fallenden Kursen – aber, es wird spannend, ob wir vorher nicht doch noch das Allzeithoch im Dow erreichen!!!)
Zum Markt:
Der Dax verharrte vor den Zahlen in einer Range von wenigen Punkten – Stillstand. Alles wartete auf die Arbeitsmarktdaten. Als die Zahlen dann veröffentlich wurden, brach der Dax deutlich geschockt ein – einzig der Nasdaq Future blieb mit 9-10 Punkten, ca. 0,6 % im Plus. Beachtlich, aber dafür ist natürlich Intel verantwortlich – ist das schon der erste Hinweis?