Und es geht weiter
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 14. Januar 2003 18:00 Uhr
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Zumindest erst einmal heute morgen im Dax. Besonders im Blickpunkt: Die Deutsche Telekom hat es endlich wieder über ihren Ausgabepreis geschafft. Der lag umgerechnet bei 14,32 €. (das heutige Hoch lag bei 14,47 €) Die vielen langfristig investierten Kleinanleger, die diese Baisse durchgehalten haben, können nun wieder etwas aufatmen. Das Tal der Tränen scheint durchschritten. Nichts desto Trotz, auch eine Deutsche Telekom kann noch einmal weit unter diese Marke fallen. Allerdings glaube ich nicht, dass die Deutsche Telekom wieder bis auf die Jahrestiefs von 2002 zurückfallen wird. Auch wenn da noch einige Analysten ganz anderer Ansicht sind.
Was macht der Markt heute? Keine Ahnung – im Moment steigt er. Gut genau das war zu erwarten. Aber obwohl die Charts und auch andere Indikatoren darauf hingewiesen haben, es verwundert mich immer noch. Eigentlich sollte es fallen. Doch meine Verwunderung ist nicht relevant. Es gibt unter Tradern eine sehr alte und überlebenswichtige Weisheit: Stelle Dich nie gegen den Markt! Der Markt hat immer Recht. Ich habe auch schon in einem Interview gelesen: Unterwerfe dich dem Markt, er gibt die Richtung vor nicht du (frei zitiert). Also Kurz: Der Markt ist alles, Du bist Nichts.
Auch wenn es sich krass anhört, im Prinzip ist es so. Ich habe schon alle möglichen emotionalen Reaktionen bei Tradern erlebt, wenn der Markt gegen die investierte Richtung läuft. Das geht von Wut, Hass, Verzweiflung bis zur Depression. Viele Reaktionen beinhalten eine Schuldverschiebung, denn natürlich ist der Markt schuld oder der Ölpreis, Alan Greenspan, die Zinsen oder das Wetter. Nur auf keinen Fall man selber. Auch sehr schön sind Formulierungen wie: "Der Markt hat etwas gegen mich". Hat er nicht, er interessiert sich nicht mal für den Trader, kein bisschen.
Die Gefährlichste aller emotionalen Reaktionen ist jedoch: Trotz! "Pah soll der Markt doch machen was er will, ich bleib investiert" Wie absurd Trotz ist, wird deutlich, wenn man an den obigen Satz einfach noch ein wenig weiterdenkt: "Der Markt wird schon sehen was er davon hat.". Nein, wird er nicht. Dem Markt sind seine Teilnehmer völlig egal, ob sie arm, reich oder verrückt werden. Das Schlimme am Trotz ist jedoch seine selbstzerstörerische Komponente. Ich musste in meinem Leben einmal miterleben, wie genau diese Art von Trotz eine mir bekannte Traderin so langsam in den sicheren Ruin trieb. Da half kein Argumentieren.
Der Markt steigt. Der Markt hat Recht. Aber es bleibt die Frage: wie lange noch! Gerade während ich das hier schreibe hat der Dax innerhalb von einer Stunde wieder einen Großteil seiner Gewinne abgegeben. Aber auch das ist in den letzten Tagen ein sich wiederholendes Bild. Der Dax läuft in eine Richtung und um 13.30 Uhr, wenn die Amis so langsam in den Tag starten, geht's heftigst in die andere Richtung. Ein deutliches Zeichen dafür, wie viele zurzeit ständig "falsch" liegen. Die dadurch entstehende Volatilität ist für einen Daytrader natürlich ein Paradies.
Heute Abend meldet nachbörslich Intel. Mit großer Spannung werden diese Zahlen erwartet. Dabei wird bereits damit gerechnet, dass Intels Zahlen etwas besser liegen als die erwarteten 14 US-Cent Gewinn je Aktie. Je nachdem wie viel besser Intels Zahlen sein werden, könnte der Markt weiteren Rückenwind erhalten.
Und noch einmal Irakkrieg: In letzter Zeit mehren sich wieder die Stimmen, die das Vorgehen von Amerika kritisieren und einen Irakkrieg verhindern wollen. Wobei – ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Amerika einen solchen Aufwand betreibt, um sich dann wieder sang und klanglos zurückzuziehen, zu viel Geld ist bereits investiert.
Heute hat der Chef der Uno-Waffeninspektoren, Hans Blix, ebenfalls vor einem Krieg gewarnt und mehr Zeit für die Inspektoren gefordert. Die Inspektoren sehen sich durch den Aufmarsch britischer und amerikanischer Soldaten zunehmend unter Zeitdruck gesetzt. Zudem sei sich Blix nicht einmal sicher, ob er seine Arbeit im Irak zu Ende führen könne. Dabei betonte Blix, dass ein Irakkrieg vermutlich mehr als 100 Mrd $ kosten werde. Auch warnte er vor den Kriegsschäden und rechnet bei einem Krieg mit vielen Verletzen und Toten.