...und die USA!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 18. Juli 2011, 20:30 Uhr
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Und auch die USA verdienen heute mein Mitleid.
Da ist zum einen der arme US-Häuptling, dem seine Mitpolitiker die kalte Schulter zeigen. Oder anders gefragt: was ist eigentlich aus Obamas großartigem Ultimatum geworden? Hatte er nicht schon für Samstag eine Antwort zur schwebenden Frage nach Sparpaket und Schuldenobergrenzen-Anhebung gefordert? Die kam aber nicht und so kann man sich auch fragen, was ein Ultimatum eigentlich wert ist, wenn man so gar nichts hat, womit man drohen könnte. Denn augenscheinlich wollen sich die Damen und Herren vom Kongress, so gar nicht von der schlimmsten anzunehmenden Drohung, der Zahlungsunfähigkeit der Regierung, beeindrucken lassen. Welch Coolness, oder vielleicht ist es auch einfach nur sture Verbohrtheit, gekoppelt mit grenzenloser Selbstüberschätzung.
Na ja, die üblichen US-Politspielchen eben.
Allerdings haben sich die Demokraten- und Republikaner-Häuptlinge im Senat zusammengesetzt und debattieren offenbar über einen neuen Plan, nachdem die alleinige Befugnis, die Schuldenobergrenze anzuheben, dem Präsidenten zukommen soll.
Hmmm...nicht unclever....sollte der Plan tatsächlich Realität werden, dann hebt Häuptling Obama fröhlich die Schuldenobergrenze an, trägt dann aber auch ganz allein die Verantwortung dafür, während sich an der miesen Schuldenlage des Landes nichts ändern wird. Na ja, ganz ehrlich, auch mit Sparpaket würde sich nicht viel ändern, außer, dass die Konjunktur wohl einen Zusatzdämpfer erhält.
Deshalb erhält Häuptling Obama heute mein Mitleid dafür, dass er der Häuptling der Amerikaner ist. Mal ehrlich, wer will das schon, da könnte man auch gleich Häuptling eines europäischen Stammes werden. ;-)
Mitleid für die Rating-Heinis unter Berücksichtigung eines triefenden Sarkasmus
Ach ja, die armen Rating-Heinis von Moody's. Denen fehlt es auch an schlagender Durchsetzungskraft, zumindest in den USA. Da drohen sie seit Tagen damit, den Amis ihr Top-Rating weg zu nehmen und doch werden auch sie von den Kongressianern ignoriert. Auch ihre Ultimaten verstreichen wirkungslos, was wohl daran liegen mag, dass sie das Kriegsbeil nicht finden können. Oder anders gesagt: was hilft es schon, mit der Abstufung zu drohen, wenn doch niemand davon ausgeht, dass diese jemals durchgeführt wird?
Glücklicherweise sind sie in Europa ja weniger zimperlich zugange, so dass sie nur im Angesicht der USA zu zahnlosen Waschlappen verkommen, während sie Europa ja schon mehrmals in die Peripherie gebissen haben.
Na ja, in ihrer bemitleidenswerten Hilflosigkeit haben sie sich jetzt an Häuptling Obama persönlich gewandt. Dem raten sie nun, die Schuldenobergrenze ganz abzuschaffen, auf dass die US-Regierungen ganz ohne Kontrolle für immer ihre Schulden vermehren können. (nun ja, so ganz unüblich ist das Verfahren ohne Schuldenobergrenze auszukommen, international betrachtet, ja nicht...ob es allerdings zwingend nachahmenswert ist, steht auf einem anderen Blatt, mal ganz abgesehen davon, dass US-Regierungen nun nicht gerade für ihre große Sparsamkeit bekannt sind.)
Da sage mal einer die Heinis besäßen keine Weitsicht. Während sie im vergangenen Jahr noch die Sparpläne der angeschlagenen europäischen Regierungen gut geheißen hatten, haben sie sich inzwischen offenbar um entschieden und plädieren jetzt stattdessen für das "große Geld ausgeben". Ob sie das auch für die Euro-Staaten gelten lassen?
Ehrliches Mitleid...
...verdienen auch in den USA nur die Bürger, welche die Konsequenzen jahrzehntelanger verfehlter Notenbank- und Finanzpolitik, aber auch Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik (ich weiß, das mögen nur wenige so sehen und generell halte ich angemessene Studiengebühren durchaus für einen Leistungsanreiz, aber welche Lehre kann ein Student, der sein Studium mit Schulden in Höhe von 200.000 USD beendet schon ziehen, außer, dass es völlig normal und in Ordnung ist, einfach alles über Schulden zu finanzieren...eine Lehre, die aber leider auch der Rest der ach so zukunftsorientierten, aber leider von der sofortigen Konsumbedürfnis-Befriedigung geprägten Gesellschaft gezogen hat.) tragen müssen.
So long liebe Leser...damit verabschiede ich mich für heute und bleibe weiterhin gespannt, was den Volksvertretern, hier wie auch in Übersee, noch so alles einfallen mag, um uns zu erheitern...ach noch was Interessantes: auch die chinesische Rating-Agentur Dagong droht jetzt übrigens die US-Bonität abzusenken...allerdings: Dagong hatte die USA schon im letzten November von AA auf A+ abgestuft...erscheint mir jedenfalls realistischer, als das Rating der Ami-Agenturen...bis morgen und liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Grandberg (18.07. 2011 21:07 Uhr):
Sie haben Recht Frau Kraus!!! Arbeit und Selbstbeherrschung bringt auch Erfolg!!! Gie amerikanische Häuptlinge sollen sehen wie sie fertig werden!!! Gruss, Grandberg
Antworten - Kommentar von Dieter Hinnerkort (19.07. 2011 10:05 Uhr):
Moin Moin warum gibt die EZB den Staaten der EU nicht für 1,25 % pa direkt Darlehn, die dann wg Zinsersparnis (BRD 35 mrd pa) bequem zurückgezahlt werden könnten ? Griechenland wäre Musterknabe nach Maastrich-Kriterien ! Warum wird das Geld den großen Banken ausgereicht, damit sie sich die Taschen mit dem Zinsaufschlag (rund 5 - 12 % !?) füllen ??? Mit Unverständnis Dieter Hinnerkort
Antworten - Kommentar von Hans Franck (19.07. 2011 10:55 Uhr):
Wie so oft: Ich finde, sehr treffend! Man könnte schmunzeln, wenn alles nicht so traurig wär. Vielleicht schafft es die Kriese vom kleinlichen Gezerre abzulassen und die EU voranzubringen, auch, wenn dabei nicht alle mitmachen wollen. Kleinstaaterei halte ich für nicht zukunftsfähig.
Antworten - Kommentar von Thomas Wagner (19.07. 2011 11:14 Uhr):
;-) es wird so kommen wie Kollege Steinbrück sagt, nur ist die Frage wann und wie .............. Default Griechenland .. Besten Gruss Wagner
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