...und die Ethanolfrage
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 22. April 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
| U.S. Mais Markt Statistik (in Milliarden Scheffel) | |||||||||
| Ende des Erntejahres | 2002 | 2003
| 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 |
| Produktion | 9.50 | 8.97 | 10.09 | 11.81 | 11.11 | 10.53 | 13.04e | 12.10e | 12.37e |
| Gesamtverbrauch | 9.81 | 9.49 | 10.23 | 10.66 | 11.27 | 11.21 | 12.74e | 12.04e | 12.45e |
| Verbrauch durch die Ethanolindustrie | na | 1.00 | 1.17 | 1.32 | 1.60 | 2.12 | 3.03e | 3.70e | 4.10e |
| Endbestände | 1.60 | 1.09 | .96 | 2.11 | 1.97 | 1.30 | 1.62e | 1.70e | 1.72e |
| Stocks to Use ratio | .16 | .11 | .09 | .20 | .17 | .12 | .13e | .14e | .14e |
Was sagt uns die Statistik nun?
Die USDA hat am 9.April ihre Schätzung für die US-Endbestände 08/09 um 0,04 Milliarden Scheffel auf 1,7 Milliarden Scheffel nach unten revidiert. Das ergibt eine relativ komfortable stocks to use ratio von 14.
Allerdings prognostiziert die USDA für 08/09 weltweit Endbestände von 143 Millionen Tonnen. Das ergibt eine stocks to use ratio von 19.
Zwar prognostiziert die USDA einen Rückgang der Produktion für 08/09 gegenüber dem Vorjahr, aber auch einen Rückgang des Gesamtverbrauchs.
Dies ist ein Knackpunkt: während die USDA die aktuelle Wirtschaftslage für ihre Prognosen nutzt und dementsprechend aufgrund der weltweiten Konjunkturabschwächung einen Rückgang des Verbrauchs prognostiziert, gehen einige Analysten davon aus, dass der Maisverbrauch durchaus bald wieder anziehen könnte - sofern der Fleischkonsum wieder steigt. Also mit anderen Worten sofern sich die konjunkturelle Lage wieder verbessert.
Exporte
Allerdings unterschätzen Viele wohl doch die rückläufige Nachfrage aus Übersee. Die USDA prognostiziert für das Erntejahr 2008/09 einen Export-Rückgang von 30%. Das erscheint fast schon optimistisch, denn aktuell sind die Exporte sogar um 37% rückläufig gegenüber dem Vorjahr.
Der wahre Knackpunkt ist aber die Ethanolfrage
Wie Sie mit Sicherheit alle wissen wird in den USA dem Sprit aus Mais gewonnenes Ethanol beigefügt. Aktuell wird sogar darüber gesprochen, den Anteil des Mais-Ethanols im Kraftstoffgemisch zu erhöhen.
Wie Sie sehen prognostiziert die USDA auch einen deutlichen Anstieg des Mais-Verbrauchs durch die Ethanolindustrie.
Und so ist die Ethanolgeschichte auch Dreh-und Angelpunkt und gegenwärtig einer der wichtigsten Faktoren zur Unterstützung der Maispreisentwicklung.
Doch mittlerweile kommt immer stärker die Frage auf...
...ob die Nutzung von Mais zur Ethanolgewinnung tatsächlich der richtige Weg sein kann. Wie Sie sicher wissen, bin ich noch nie ein Freund der Mais-Ethanol-Herstellung gewesen. Dafür gibt es vielfältige Gründe: angefangen dabei, dass es grundsätzlich deutlich günstigere Möglichkeiten zur Biosprit-Gewinnung gibt, bis dahin, dass es keine Lösung sein kann, wenn Essen in den Tank gekippt wird, während der Umweltschutzaspekt sowieso flach fällt, weil anderswo Wälder gerodet werden um das Getreidedefizit auf dem Weltmarkt "auszugleichen".
Und vergessen Sie bitte nicht, dass in den USA die Mais-Ethanol-Produktion noch immer subventioniert wird. Im Angesicht des größten Haushaltsdefizits seit dem II.Weltkrieg, sollten sich die US-Amerikaner in meinen Augen langsam Gedanken darüber machen, was passiert wenn die staatliche Unterstützung für Mais wegfallen sollte - und vor allem was es für die Maispreise bedeutet, wenn Mais irgendwann nicht mehr zur Ethanolherstellung genutzt wird.
So long liebe Leser...meine letzten Worte mögen jetzt fast schon ideologisch klingen...doch ich möchte Ihnen sagen, dass es gute Gründe dafür gibt sich derartige Gedanken zu machen...denn aktuell wird in Kalifornien der so genannte Low Carbon Fuel Standard diskutiert, über den morgen entschieden wird und der, sollte er angenommen werden, der US-Ethanolindustrie so gar nicht in den Kram passen will...um was es dabei konkret geht und welche Auswirkungen dies auf die US-Ethanolindustrie haben könnte- damit wollen wir uns morgen beschäftigen....bis morgen also
Ihre Miriam Kraus