Umerziehung des amerikanischen Verbrauchers
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. Juli 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Am Freitagmorgen hatte ich nicht viel Zeit zu schreiben... vielleicht war es aber auch Freitagabend.
Ich weiß es nicht. Aber kürzlich habe ich vor Zuhörern bei einem Investmentsymposium versprochen, dass ich bis zu diesem Tag einige Antworten bereitstellen würde. Doch dann habe ich zuerst anderen Rednern zugehört... und gehofft, dass mir etwas einfallen würde.
Was soll das alles bedeuten? Wie kommt es, dass sich Öl zurückzieht? Warum steigen die Aktien der Banken? Wie können die Vereinigten Staaten noch aus dieser Schuldenfalle herauskommen?
Und der Bürgerkrieg" zwischen Inflation und Deflation? Wie wird der enden? Mit einem Anfall von Hyperinflation? Oder mit einem Winseln fallender Preise, mit Konkursen und Rezessionen?
Bislang gehe ich nur davon aus, dass - wie bei jedem Bürgerkrieg - die Zivilisten zu Opfern werden. Sie zuerst von höheren Verbraucherpreisen betroffen... und dann von den fallenden Werten der Anlagepreisen befallen.
Der Lebensstandard sinkt auf Werte, die wir schon seit vierzig Jahren nicht mehr gesehen haben.
Ich habe schon viele Male darüber geschrieben, dass die Löhne in den Vereinigten Staaten schon seit sehr langer Zeit nicht mehr gestiegen sind. Die jüngsten Zahlen zu diesem Thema zeigen, dass es seit 1968 keinen echten Anstieg mehr gegeben hat. Seither kam auf jeden Cent, um den die Stundenlöhne angestiegen sind, auch ein Cent Verbraucherpreisinflation.
Nur die Reichen sind gut davon gekommen, heißt es. Sie haben Anlagewerte besessen. Und deren Werte sind in die Höhe geschossen. Aber wenn man die Aktienkurse ... oder die Hauspreise... danach betrachtet, wie viele Gallonen Benzin man von dem Geld kaufen kann, dann stellt man fest, dass die Reichen" nicht so reich sind, wie sie meinen. Mit dem Dow konnte man 1968 2.200 Gallonen Benzin kaufen. Heute, bei einem Preis von 4,10 Dollar pro Gallone, entspricht der Dow 2.200 Gallonen Benzin.
Sicher, effektiv ist der Dow nach 1968 gefallen.Vielleicht wird er das gleiche auch heute tun.
"Nun, Sie wirken deswegen nicht besonders niedergeschlagen", sagte ein Lokalreporter, der ein Interview führte. Um genau zu sein, sieht es so aus, als wären Sie sogar guter Laune."
"Warum sollte ich denn in schlechter Stimmung sein?", fragte ich. Die meisten Leute stehen heute nicht wesentlich besser da als zu der Zeit, als ich noch 19 Jahre alt war. Es ist ganz klar, irgendetwas funktioniert hier nicht richtig. Wenn die Leute reicher werden, dann werden sie Dinge anders machen müssen - dann werden sie zum Beispiel aufhören müssen, zu versuchen, reich werden zu wollen, indem sie Geld ausgeben."
Die Verbraucherwirtschaft funktioniert nicht. Sie hat noch nie funktioniert. Kurt Riechebächer hatte Recht, als er das vor langer Zeit sagte. Er ruhe in Frieden. Die einzige Möglichkeit, zuverlässig reicher zu werden, besteht in der altmodischen Art - man muss weniger ausgeben, als man einnimmt.
Ich weiß, dass das für viele meiner Zuhörer ein Schock sein wird, aber es stimmt. Ich möchte sie dringend dazu auffordern, es einmal auszuprobieren, geben Sie weniger aus, als sie verdienen. Dann haben sie bald mehr Geld. Es ist wie Zauberei... oder so etwas...
Abgesehen davon bin ich in guter Stimmung, weil alles so läuft, wie es laufen sollte. Wenn die Leute zu viel Geld ausgeben... wenn die Spekulanten zu rücksichtslos Geld aufs Spiel setzen... Wenn Regierungen zu viel Geld und zu viele Kredite unter das Volk bringen - dann muss das Konsequenzen haben.
Ein freier Markt ist kein System, das dazu entwickelt wurde, den Menschen zu einem kostenlosen Mittagessen zu verhelfen. Der freie Markt wurde entwickelt, damit die Menschen besser werden - indem er sie belohnt, wenn sie das Richtige tun und indem er sie straft, wenn sie das Falsche tun.
In den vergangenen 20 Jahren - mindestens - haben die Leute Sachen gemacht, die die alten Wirtschaftler als moralisches Scheitern" bezeichnet hätten. D.h., dass sie mehr ausgegeben haben, als sie eingenommen haben. Jetzt werden sie dafür bestraft. Sie werden umerzogen. Und sie werden am Ende ärmer sein... aber auch weiser."
Offen gestanden wäre ich lieber dümmer und reicher, aber die Märkte lassen einem hier keine Wahl. Sie bringen die Idioten um ihr Geld. Und das ist genau das, was sie gerade tun. Weswegen sollte ich also unglücklich sein?"
Haben Sie Mitleid mit dem armen Gesellen mit seinem großen Haus in der Vorstadt... weit entfernt vom zivilisierten Leben... und einer großen Hypothek, einem großen, Benzin schluckenden Fahrzeug, das er braucht, um seine Wege zurückzulegen. Er muss noch viel lernen. Er muss sich verkleinern... er muss sich einschränken...und weniger Geld ausgeben.
Aber auch dieser Geselle steht am Ende besser da. Er wird in der Lage sein, etwas Geld zu sparen... etwas Wohlstand aufzubauen... und große Unabhängigkeit zu erlangen - anstatt sich gegenüber seinem Geländewagen zu versklaven, sowie gegenüber seinem Haus, seinem Hypothekenunternehmen und seinen Schnellstraßen.
Das ist eine ganz elendige Art zu leben. Er lebt in einem Cartoon" sagte James Kunstler in seiner Rede beim Symposium. Dann zeigte er ein Photo. Es ist ein Haus, das auf einer Seite keine Fenster hat. Es ist kein richtiges Haus, es ist ein Cartoon haus. Und jetzt sehen Sie sich die Veranda an, sie ist 50 Zentimeter breit."
Er hätte auch über die Fensterläden sprechen können. Ein typisches Haus in den Vorstädten hat keine echten Fensterläden. Es hat Cartoonfensterläden, die aus Plastik hergestellt sind und an die Wand gedübelt werden. Er kann sie nicht dazu nutzen, die Sonne oder die Kälte draußen zu halten. Sie sind nur dazu da, dass der Besitzer des Hauses so tun kann, als habe er ein Haus mit Fensterläden.
Mr. Kunstler ist ein Kritiker der Vorstädte. Man bekommt fast den Eindruck, dass er sich über Benzin für vier Dollar die Gallone freut - es bedeutet, dass das Projekt Vorstadt" vorbei sei, sagt er. Anderthalb Billionen Dollar in Kapital sind verloren", fährt er fort, und bezieht sich damit auf Geld, das dafür ausgegeben wurde, die Vorstädte zu errichten, die heute, bei einem Benzinpreis von mehr als vier Dollar keinen Zweck mehr erfüllen.
Und so können Sie erkennen, liebe Leser, dass wir am Ende alle besser dastehen werden. Wenn die Phase der Cartoons vorbei ist - mit den trügerischen Häusern, den trügerischen Profiten, dem trügerischen Fortschritt und dem trügerischen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes - dann können die Leute endlich wieder anfangen zu sparen... und vielleicht werden die Löhne dann auch wieder anfangen zu steigen.
***
Lehrjahre sind keine Herrenjahre
Und das ist ein Brief, der mir von einer sehr geschätzten Leserin geschickt wurde, die ich am vergangenen Dienstag kennen lernte.
"Vor ungefähr fünf Jahren habe ich meine Schwester besucht, die nach Neuseeland gezogen ist. Ein Nachbar kam vorbei, und er erzählte mir Geschichten von den Solomoninseln und einer Goldmine, die er dort habe. Joe, ein hart arbeitender, langsam sprechender Träumer sagte: Honiara, ist ein schrecklicher Ort an den Sie wohl nie reisen wollen werden. Nun, ich bin eine allein stehende amerikanische Frau und ich habe sofort gedacht, dass das genau der Ort ist, an den ich reisen will.' Bis heute weiß ich nicht, was da in mich gefahren ist. Ich habe etwas nachgeforscht und dann eine Mail an Doug Casey geschickt, nachdem ich einen Artikel gelesen hatte, den er über Vanuatu geschrieben hatte. Ich fragte ihn zu den Solomoninseln und er sagte mir, sie seien absolut korrupt." Nach fünf Jahren auf den Solomons bin ich mir ziemlich sicher, dass er auch stärkere Ausdrücke hätte finden können.
"Ich kam Ende 2003, nur fünf Monate nachdem die Australier dort wieder für Gesetz und Ordnung gesorgt hatten, auf den Solomons an. Nun, ich sollte das auf Gesetz beschränken, denn eine Ordnung gibt es dort immer noch nicht. Ich hatte zwei Koffer und große Hoffnungen, die fast sofort zerschlagen wurden. Der Nachbar Joe, so stellte sich heraus, hatte keine Goldmine und die Insel war alles andere als gastfreundlich. Ich verbrachte acht Wochen in den schlimmsten Hotel, in dem ich je untergebracht war. Entschlossen zu bleiben, kaufte ich ein Stück Land, dass über das Meer blickt. Auf dem Stück Land stand ein altes, verwahrlostes Kolonialgebäude. Ich suchte nach irgendeiner Möglichkeit, Geld zu verdienen und dachte, dass es hier viel Gold geben würde. Als ich mich in den Prozess einarbeitete fing ich an, viele der Phrasen zu verstehen, die ich während meines gesamten Lebens immer wieder gehört habe, aber ich kam nie zu dem, was man als Bestehen des Säuretests' bezeichnet. Ach, habe ich gedacht, als ich das erste Mal Nitritsäure über etwas goss, was Gold sein sollte, sich aber als Messing herausstellte. Es wurde grün und kochte auf wie ein Hexenkessel. Es gab ungefähr 10 mögliche Goldverkäufer im Raum und wir haben uns alle in Richtung Türen aufgemacht um dem scheußlichen Gestank zu entkommen. Ich sah hinüber zu seinem kleinen Dorfbewohner, der dieses Gold' verkaufen wollte. Ich sagte: Das ist kein Gold' und er sagte: die Säure lügt'. Ich hatte Räumlichkeiten eingerichtet um Gold zu kaufen und hatte das Badezimmer für meine Angestellten und die Goldverkäufer eingerichtet. Als der Mann mit den wilden Haaren aus der Goldregion auf dem Boden ein solches Durcheinander machte, war ich wütend. Dann stellte ich fest, dass viele von ihnen noch nie eine Toilette gesehen hatten und noch weniger daran gewohnt waren, eine zu benutzen. Haben Sie schon einmal eine Grafik erstellen müssen, darüber, wie man eine Toilette benutzt? Nun, ich habe es getan. Auch das hat ziemlich gut funktioniert."
Nachdem ich einige Kilo abgelagerten Goldes gesammelt hatte, versuchte ich, es zu schmelzen. Ich erhielt einen alten Ofen von einem australischen Bauernfänger und habe ihn an Gas angeschlossen. Niemand hat mir gesagt, dass ich einen bestimmten Regler brauche, um das Gerät heiß genug zu bekommen. Ich habe dummerweise das gesamte Flux (Borax und Soda-Asche) zusammen mit dem Gold hinein gegeben, ehe ich feststellen musste, dass es nicht schmolz. Ich schaffte es, die Hitze auf 650 Grad zu bekommen und produzierte damit etwas, das genauso wie ein Meteorit aussah. Ich habe das Ding dafür verantwortlich gemacht und brachte den Klumpen zu einer kleinen Raffinerie außerhalb Brisbanes. Es war eine sehr peinliche Erfahrung. Sie haben mich mit so viel Verachtung angesehen und waren ziemlich gerne bereit, meinen Meteor zu schmelzen und mir einen Bericht zu geben, der deutlich unter dem lag, was es hätte sein sollen. Sie hatten mit ihrer Einschätzung recht, dass mir der Unterschied nicht auffallen würde, ich war so dumm wie ein Zaunpfosten."
"Es hat mich nicht zu viel gekostet, eine andere Raffinerie auszuprobieren um einen Referenzpunkt zu haben. Was für ein Schock, die Jungs von der ersten Raffinerie hatten mich abgezogen. Als nächstes war da ein finanziell kluger Chinese, dem es überhaupt nicht gefiel, dass eine blonde Amerikanerin Gold kauft, das er bislang gekauft und aus dem Land geschmuggelt hatte. Sie haben die Immigrationsbehörde bestochen, damit sich mich bei meiner nächsten Reise zurück zu den Solomons aufhalten würde, nachdem ich das Gold weggebracht habe. Das ist immer noch die einzige Möglichkeit: das Gold selbst zu transportieren. Ich kann Ihnen sagen, dass es am Flughafen eine ziemliche Szene gegeben hat, Ich wollte eine schwere Gussform aus meiner Tasche holen, um damit dem Angestellten eins über zu braten. Ich hatte sie gekauft, um das Gold hineinzugießen, das ich in meiner Handtasche hatte. Ich wollte sie nicht zu meinem Gepäck packen, weil sie die Taschen zu schwer gemacht hätte. Er hat mir grob gedroht, dass ich entweder in den Knast oder zurück ins Flugzeug gehen sollte und ich drohte ihm mit dem Tod. Am Ende habe ich ein bisschen mehr als der Chinese bezahlt. Wir sind heute gute Freunde, er und der Mann von der Einwanderung, er stellt immer sicher, dass ich anständig behandelt werde, wenn ich in das Land ein- oder ausreise. Vielleicht weil er weiß, dass ich eine todbringende Waffe in meiner Tasche trage."
"Und dann war da auch noch die australische Bundespolizei, oder, um gerecht zu sein, nur der Typ, der zu dieser Zeit die Verantwortung hatte. ER war überzeugt, dass ich Drogengeld mit mir führte oder ein Pirat war, oder dass ich zumindest jemand war, der gegenüber den Gesetzen in Amerika kein Lamm gewesen ist. Es hat mir viel Arbeit gemacht, das wieder gerade zu rücken. Ich will ihnen die Details ersparen, sie sind zu scheußlich. Ich musste sogar das schöne alte Haus, mit der wunderbaren Aussicht, in das beste kleine Restaurant im Ort verwandeln. Die Australier liebten es, auch wenn ich strikt ablehnte, ein Spiegelei, rote Beete oder Ananas in einen Cheeseburger zu packen! Das Restaurant gab mir genug Glaubwürdigkeit, dass ich mit Gold weiter machen konnte. Ich habe auch all Steuern und Gebühren bezahlt, was mich auf den Solomons zur einzigen meiner Art machte."
"Nun, das war vor fünf langen Jahren: Mein Unternehmen ist heute gereift und ja, ich habe viel Geld verdient. Und dann habe ich angefangen ihren Newsletter zu lesen und mich ernsthaft für Wirtschaft zu interessieren. Ich habe auch ihre Bücher gekauft, das letzte hat mir am besten gefallen. Ich habe gelernt, wann man Gold verkauft und wann man es besser hält. Gegenwärtig kaufe ich im Monat ungefähr 10 Kilo abgelagerten Goldes und schmelze es in ganz ansehnliche Goldbarren und verschiffe diese an die Prägeanstalt in Perth. Ich kann Körnchen Messing vom anderen Ende des Raumes aus erkennen und bin heute ein angesehenes Mitglied einer ziemlich zweifelhaften Gesellschaft. Nun, vielleicht sollte ich sagen, dass sie zumindest alle meinen Namen kennen, er lautet Pamela."
Seit vielen Jahren wollte ich eines Ihrer Symposien in Amerika besuchen. Ich habe im letzten Jahr dafür bezahlt, musste dann aber absagen. In diesem Jahr habe ich endlich einen großartigen Manager aus Neuseeland, und das hat mir etwas freie Zeit verschafft, doch auch wenn ich es bis hierher geschafft habe, wurde, gerade ehe ich das Flugzeug stieg, eine Insel auf den Solomons verkauft, mit einem wunderschönen, kleinen Ressort, das nicht mehr in Betrieb ist. Also war ich bei diesem Symposium, hatte aber nicht so viel Geld, wie ich dachte, um es zu investieren, stattdessen aber eine Insel. Ich fühlte mich ein bisschen so wie Hans im Glück, als er eine Kuh verkaufte und dafür die Zauberbohnen erhielt. Ich hoffe nur, dass am Ende daraus etwas gutes wird, genauso wie aus den Bohnen von Hans."
Das ist eine Geschichte über Dummheit und Mut.. Manchmal, wenn die Mischung stimmt, passieren ganz erstaunliche Dinge. Ich hatte einfach viel Glück, denn ich lebe an einem Ort, an dem auch alles ziemlich schief hätte laufen können."
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