Ukrnafta - größter Ölproduzent der Ukraine

in Traders Daily zum Thema Rohöl | Erdöl
vom


Trader´s Daily-Leser Helmut M. schrieb mir:

"Ich habe vor kurzem eine Dividendenzahlung der Ukrnafta mit dem Vermerk ´ex Dividende 22.6.2005´erhalten. Sind solche späte Dividendenauszahlungen normal? Gewöhnlich werden doch solche Zahlungen viel früher vorgenommen. Könnten Sie hier - wie in vielen anderen Fällen - etwas Licht ins Dunkel in diese Sache bringen?"

Meine Antwort:



Ukrnafta, hatte ich selber auf einer Watchlist mit ukrainischen Aktien. Dem Markt und auch dem Land traute ich eine Zeit lang einiges an Potenzial zu...doch dann war es mir zu heikel, auf einzelne Unternehmen zu setzen. "Märkte statt Einzeltitel", so meine Devise.

Das Unternehmen ist jedenfalls das fünftgrößte der Ukraine, mit einem Jahresumsatz von umgerechnet gut 2 Mrd. Euro. Führender Öl- und Gas-Produzent der Ukraine mit gut 29.000 Beschäftigten. Streubesitz zum Zeitpunkt des letzten Jahresberichtes knapp 50%.

Ukrnafta produzierte laut eigenen Angaben 2010 etwa 2,49 Mio. Tonnen Öl - was 70% der gesamten Öl-Produktion der Ukraine entsprach. Also keine "Luftnummer", sondern ein Unternehmen der Rohstoff-Wirtschaft, mit realen Werten. Vor diesem Hintergrund beobachtete ich im letzten Jahr aufmerksam den Kurs der Aktie, denn der hatte sich halbiert (von gut 400 auf gut 200 Euro). ADRs der Aktie werden auch in Frankfurt gehandelt.

Die jüngsten vorliegenden 9-Monats-Zahlen waren auch nicht verkehrt. Insgesamt steigende operative Gewinne - was dem Öl-Geschäft zu verdanken war. Mit Gas machten die Ukrainer Minus. Da kenne ich mich aber auch nicht im Detail aus, mit möglichen Lieferschwierigkeiten wegen Pipeline-Kosten-Streitigkeiten etc.

Doch konkret zur Frage des Lesers. In solchen Fällen rate ich dazu, möglichst nah an der Quelle zu suchen. Sprich: Nicht erst in irgendwelchen Foren schauen, sondern direkt auf der Internetseite des Unternehmens. Und erste Anlaufstelle hier ist zum Beispiel in der Rubrik "Investors" der letzte Jahresbericht. Für 2011 gibt es erst die 9-Monats-Zahlen...den letzten vollständigen Jahresbericht gibt es für 2010.

Den habe ich mir angesehen. Und auch den für 2009 und 2008 überflogen. Gibt es auch in Englisch.

Ergebnis: Ich habe keinerlei Angaben darüber gefunden, dass eine Dividendenzahlung für 2005 "nachgeholt" wird.

Natürlich kann ich auch was übersehen haben, denke aber nicht. (Wenn ich das denken würde, hätte ich nochmal genau geschaut.) Mögliche Erklärung: Wenn der Leser die Aktien in Frankfurt gekauft hat, dann hat er streng genommen keine Aktien gekauft.

Denn bei ausländischen Unternehmen ist es durchaus üblich, dass "ADRs" gehandelt werden. Das sind eigentlich eine Art Hinterlegungsscheine. Eine Depotbank hat die Aktien bei sich hinterlegt, und der Käufer eines "ADR" (steht für "American Depositary Receipt") kauft das Recht auf eine bei dieser Depotbank hinterlegte Aktie. Diese "ADRs" werden dann wie Aktien gehandelt und entwickeln sich deshalb naturgemäß auch parallel zum eigentlichen Aktienkurs. (Währungseffekt beachten!)

Ich könnte mir vorstellen, dass da bei der Zuordnung etwas schief gelaufen ist. Das Unternehmen schüttet eine Dividende aus...die Depotbank (der ADRs) leitet diese dann weiter. Ich weiß nicht, bei welcher Depotbank der Leser ist. Vielleicht hat diese ein paar Probleme gehabt, die Dividendenzahlung zu erhalten. Hat sich vielleicht auch nicht groß bemüht. Nun, ein paar Jahre später, ist der eigentlich ausbezahlte Betrag auf irgendeinem Konto aufgetaucht und nachträglich gutgeschrieben worden.

Das sind nur Überlegungen Ihres Autors, denn eine andere Erklärung sehe ich nicht und habe dazu auch nichts in den Papieren gefunden.

Mein Rat an den Leser: Direkt bei der Depotbank nachfragen! Vielleicht können die etwas zur Aufhellung beitragen. Unabhängig davon: Eine Dividendenzahlung nimmt man doch gerne in Empfang, wie generell Zahlungen. Insofern ist das ja grundsätzlich kein Ärgernis.

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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Kommentar von Thomas Gangl

Andere Länder, andere Sitten. Wirklich sehr interessant, was ich in der professionellen Kursdatenbank Telekurs, welche viele Banken mit Wertschriftendaten verorgt gefunden habe. Tatsächlich wurde den ADR am 11.07.2011 eine Dividende von USD 18.611192 (brutto) resp. USD 15.799513 (netto) für das ex-Datum 22.07.2005 bezahlt. Allgemein, auch bei den ukrinischen Titeln von Ukrnafta sind späte Dividenzahlungen festzustellen. So wurden 2010 in mehreren Tranchen Dividenden für 06-09 ausbezahlt. Den Grund und ob weitere "alte" Dividenden hängig sind konnte ich allerdings nicht herausfinden. Also nur ein wenig Licht ins Dunkel. Freundliche Grüsse Thomas

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