ÜDie alten und die neuen Medien – Teil 1
Alex Chinn in Traders Daily
vom 14. August 2006 12:00 Uhr
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Machen Sie einen kleinen Ausflug mit mir. Wir reisen rückwärts in die Zeit vor Hurrikan Katrina und Brangelina, als die „Desperate Housewives“ noch lediglich verzweifelte Schauspielerinnen waren und die einzige häusliche Verfolgung, über die man sich Gedanken machte war, ob die Expartner einen belästigten. Erinnern Sie sich noch an diese Tage?
Noch vor wenigen Jahren gab es „The Media“. Diese kühne, kapitalisierte Gruppe hatte die Aufgabe, den nachrichtenhungrigen Massen eine Perspektive zu liefern. Sicher, die Botschaft war nicht immer die gleiche, aber die Nachrichten waren immer gleich. Fox News and CNN haben die gleiche Nachricht vielleicht anders überliefert, aber die Chronologie der Ereignisse wurde wie ein Gospel akzeptiert. Es war, als hätte „The Media“ geschlossen entschieden, welche Geschichten sich für den öffentlichen Konsum eigneten und welche nicht. Vogelgrippe? Ist einen Beitrag in den Nachrichten wert. Polizeikorruption? Das sollten wir uns für die Spielfilme aufheben, Jungs.
Und dann ist etwas Seltsames passiert – die Blogger betraten die Bildfläche. Sie waren einfache Leute, die etwas zu sagen hatten und das brennende Gefühl, dass es nirgendwo anders gesagt wurde. Sie standen nicht notwendigerweise im Widerspruch mit den Nachrichten selbst, sondern mit dem System der Nachrichten. Sie waren ein Aufschrei gegen die Großpackungen von Informationen, ernstlich ihren Bemühungen entgegengestellt.
Der Aufstieg der Widersacher
Blogger konnten, fast wie durch ein Mandat, nicht die gleichen Geschichten erzählen, die man in der Zeitung oder in der Flimmerkiste gesehen hatte. Sie schrieben um eine Gegendarstellung zu liefern, die bitter nötig war, um die Lücken zu füllen, die sie im kollektiven Bewusstsein erkannten. Irgendwer musste die Stimme für die Ernüchterten erheben, für die, denen die Geschichten unter der Schädeldecke brannten und die mit einem Eifer, dem nicht zu entkommen war, sicher stellten, dass alle es erfahren würden.
Deswegen ist es bei bestimmten Bloggern auch üblich, dass sie führende Persönlichkeiten von Bewegungen werden, die sich mit einem einzigen Thema befassen und leidenschaftlich und kämpferisch über alle Dinge berichten, die mit dem gewählten Thema zu tun haben. Die Spezialisierung unterscheidet sie von den üblichen Nachrichten, dem Menu der Appetitanreger und der vorausgewählten Nachrichtenhäppchen.
Anfangs hat man sie als Dilettanten und Unruhestifter links liegen gelassen. Aber nach und nach ist die breite Masse dahinter gekommen – und die Blogger erwirkten nicht nur Glaubwürdigkeit, weil sie über ihre Geschichten berichteten, sie wurden selbst zu einer Geschichte. In einem Beitrag namens Twilight Zone berichtete The Media über die Medien.
Nachrichtensprecher lesen laut aus ihren Lieblingsartikeln der Blogger vor – oft bestreiten sie ganze Nachrichtenbeiträge, indem sie einfach aus dem Blog vorlesen, der sich damit auseinandersetzt. Schließlich muss man, um als Blogger ernst genommen zu werden, seine Hausaufgaben gemacht haben. Die Glaubwürdigkeit von CNN resultiert hingegen aus einem Logo und einem Kommentar. Glaubwürdigkeit in der Blogsphäre erzielt man, indem man etwas sagt oder herausfindet, das bislang noch niemandem aufgefallen ist.
Zwei Seiten der gleichen Medaille
Und dann, ausgerechnet als die natürliche Ordnung zwischen den alten und den neuen Medien geklärt schien, passierte es. Die beiden schlossen sich zusammen und wurden zu einer Lawine der Nachrichten. Bloggers bewarben sich um Referenzen der Medien, nahmen Politiker auf Pressekonferenzen in die Zange, lieferten Kolumnen für große Zeitschriften – und der Untergrund wurde zum Mainstream. Es ist ein Thema, das es immer wieder in der Popkultur gegeben hat, obwohl man es normalerweise eher in Filmen und in der Musik findet.
In diesem Fall wurde sehr bald akzeptiert, dass man, um auf dem Laufenden zu bleiben, zwei Geschichten lesen musste. Die der amerikanischen Presseagentur und die der Blogger. Sie wurden zu zwei Seiten der gleichen Medaille und der Effekt einer jeden wurde durch den Vergleich noch vergrößert. Nach einer kurzen Phase der Unruhen waren die Nachrichten wieder Nachrichten, sie waren einfach nur streitsüchtiger. Anstelle von Hannity und Colmes gab es Hannity und den jungen Typen mit den hochgestellten Haaren und dem Lippenpiercing.
Wie wird man zum Journalisten?
Heute haben wir den Fall von Josh Wolf. Josh war einer der Pioniere der neuen Medien. Er hatte auf seiner Website Videoblogs verwendet und setzte sich dafür ein, die Medien demokratischer zu gestalten – sie zu einem Handwerkszeug der Bevölkerung, geschaffen von der Bevölkerung zu machen. Aus Nachrichten wird Geschichte, und wie schon zuvor gesagt wurde, ist es vermutlich das größte Privileg der Macht, das zu schreiben, was Geschichte werden wird. Josh wollte, dass die Bevölkerung selbst darüber entscheiden kann, was zu ihrer Geschichte werden soll.
Heute sitzt Josh in einer Gefängniszelle in Dublin, Kalifornien. Im vergangenen Jahr, als er Videos der Proteste gegen die G8 Konferenz in San Francisco aufzeichnete, hat er einige Aufnahmen gemacht, auf denen im Hintergrund zu sehen ist, wie einige der Protestierenden ein Polizeiauto in Flammen aufgehen lassen.
Die Bundesbehörden verlangten, dass er die nicht gesendeten Aufnahmen an sie übergeben soll, damit sie sie verwenden können, die Demonstranten zu finden, die die Brandstiftung begangen haben. Sie meinen, es sei eine Angelegenheit des Bundes, weil die Polizeidienststelle in San Francisco einen kleinen Bruchteil des Einsatzwagens mit dem Anti-Terror Geld des Bundes bezahlt hat.
Wolf sagt hingegen, er sei ein unabhängiger Journalist und daher von den Schutzgesetzen Kaliforniens geschützt. Das Gesetz schützt alle unveröffentlichten Materialien und vertraulichten Quellen eines Journalisten. Der Richter hat das Argument in diesem Fall abgelehnt und Wolf der Missachtung der Würde des Gerichts beschuldigt.
Wolf zeigt, genauso wie einige andere in der letzten Zeit, dass Blogger heut einen Teil der Medienlandschaft ausmachen. Jeder, der seine Meinung oder seine Interpretationen niederschreibt, Ereignisse dokumentiert und sie dann verbreitet, erfüllt eine wichtige Rolle, und vermutlich auch eine, die dieses Land zu dem hat werden lassen, was es heute ist. Jeder kann in die Medienbranche gehen. Man muss nur etwas zu sagen haben und jemanden der bereit ist, zuzuhören.