Überraschungen bei Öl und US-Einzelhandel
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 14. Dezember 2006 07:30 Uhr
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Ich bin Ihnen noch den aktuellen Stand des deutschen ZEW-Schwarzseher-Index schuldig, der gestern im Zuge der Notenbank-Entscheidung unterging. Wir sahen erstmals seit Monaten wieder einen Anstieg – von extrem negativ zu ziemlich negativ, will heißen von –28,5 im November auf –19 im Dezember. Damit wurden zwar die Prognosen übertroffen, die im Schnitt ein Niveau von –25 erwarteten, aber das war auch schon alles.
Die Aktien- und Anleihemärkte haben diese Zahl definitiv nicht zur Kenntnis genommen, da sie – egal, wie weit sie im Minus liegt – kaum die wirkliche Lage und zukünftigen Möglichkeiten der deutschen Wirtschaft wiederspiegelt ... ansonsten würden wir mitten in einer Rezession stecken, ohne es bislang bemerkt zu haben.
Weitaus interessanter werden die in Kürze anstehenden Zahlen zum ifo-Index sein, bei dem im Gegensatz zu den von ZEW befragten Finanzexperten die Unternehmen selbst über die aktuelle Lage und die Erwartungen für die kommenden sechs Monate befragt werden.
US-Einzelhandel verbessert – aber nicht genug
Um 14:30 Uhr wurden gestern die mit Unruhe erwarteten US-Einzelhandelsumsätze für November veröffentlicht. Wenngleich die Daten klar über den Vormonatswerten und den Prognosen lagen, war die Reaktion der Märkte nur verhalten positiv. Das mag vor allem daran liegen, dass der Sprung im November letzten Jahres mit über fünf Prozent ein Vielfaches stärker ausfiel und man sich nun weniger auf die Vergangenheit denn auf das aktuell laufende Weihnachtsgeschäft konzentriert.
Die Daten im Einzelnen: Die Gesamtrate der Einzelhandelsumsätze stieg im November um 1,0%. Die Prognosen lagen bei +0,2% bis +0,4%, der Vormonatswert wurde von –0,4% auf –0,1% nach oben korrigiert. Für die Kernrate ohne den volatilen Kfz-Bereich lag die Steigerung sogar bei +1,1% (Prognose +0,3% bis +0,5%) nach leicht nach oben korrigierten –0,3% im Oktober.
Lagerbestände des US-Handels steigen weiter
Wenn diese doch eher positiven Einzelhandelsdaten verhalten aufgenommen wurden waren die Investoren doch bereit, auf negative Daten deutlicher zu reagieren. Die Lagerbestände des US-Handels waren im Oktober in Relation zu den Verkäufen auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren gestiegen. Die Lagerbestände stiegen um 0,4%, während die Verkaufsraten zugleich um -0,2% fielen. Die Ratio von Lagerbestandszuwachs zu Verkäufen liegt mittlerweile bei 1,31, d.h. die Lagerbestände wachsen 1,3mal schneller als die Verkäufe ... keine gute Vorgabe für die kommenden Monate.
Rohölvorräte überraschend deutlich gesunken
Den Abschluss bildeten am Mittwoch die wöchentlichen US-Lagerbestände für Rohöl und Ölprodukte. Hier gab es die nächste Überraschung:
Die Rohöl-Vorräte fielen in der abgelaufenen Kalenderwoche – trotz des warmen Wetters auch in den USA - überraschend deutlich um –4,23 Millionen Barrel (Prognose –1,3 Millionen). Auch Benzin- und Heizölbestände blieben hinter den Erwartungen zurück. So gingen die Benzinvorräte leicht um –0,17 Millionen Barrel zurück (Prognose +1,0 Millionen), die Heizölvorräte fielen um -0,45 Millionen Barrel (Prognose –0,25 Millionen).
Der Ölpreis reagierte mit Aufschlägen, die den Kurs jedoch nicht aus der bisherigen Bodenbildungs-Spanne zwischen 58 und 63 US-Dollar pro Barrel hinaus katapultieren konnten. Das war allerdings auch nicht zu erwarten, da die Trader bereits auf heute blickten:
OPEC-Sitzung könnte spannend werden
Heute wird die OPEC (Organization of the Petrol-Exporting Countries) - ausgerechnet in Nigeria - zusammentreffen und über mögliche Kürzungen der Fördermengen beraten. Dabei ist zwar klar, dass die übliche Uneinigkeit wie so oft dazu führen wird, dass einzelne Staaten vorher beschlossene Maßnahmen danach nach eigenem Gutdünken torpedieren, aber man rechnet mit einem psychologischen Effekt beim Ölpreis, wenn Förderkürzungen tatsächlich durchgehen sollten.
Nun ist es zwar so, dass dergleichen selten zu steigenden Kursen führt, wenn sich alles und jeder bereits im Vorfeld darauf positioniert – denn wenn „alle“ schon vorher long gehen, wer sollte es dann tun, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen – aber das muss schlicht abgewartet werden. Aktuell sieht die Lage wie folgt aus:
Der Ölpreis hat sich knapp unterhalb der oberen Begrenzung der Seitwärtsrange zwischen 58 und 63 Dollar festgesetzt. Damit ist, sofern heute eine greifbare Reaktion auf mögliche Förderkürzungen erfolgt, natürlich ein blitzschneller Ausbruch nach oben in Richtung 67 Dollar möglich. Aber: Wenn tatsächlich schon viele Akteure im Vorfeld auf eine solche Aufwärtsreaktion gesetzt haben sollten kann der Schuss schnell nach hinten losgehen – und dann wären 58 Dollar das nächste Kursziel. Zwischen diesen zwei Alternativen dürfte sich der Markt morgen entscheiden müssen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Aktienmärkte.
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