Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.
Michael Vaupel in Traders Daily
vom
Überraschende Töne von Alan "Spekulationsblasen" Greenspan bzw. "Old Greeny"! Ich hatte Sie ja im gestrigen Trader's Daily darauf hingewiesen, dass er eine Rede halten würde (er sprach vor dem US-Kongress). Wie üblich hatte ich hier nicht viel (inhaltlich und von den Auswirkungen auf die Märkte her) erwartet. Denn Alan Greenspan spricht a) selbst für Volkswirte meist völlig unverständlich und b) muss das, was er sagt, sowieso nicht seiner wirklichen Ansicht entsprechen.
Doch diesmal hat er sich überraschend klar und allgemein verständlich geäußert – und da das auch die Devisenhändler verstehen konnten, sackte der Dollar umgehend durch. Der Kurs des von mir empfohlenen EUR/US$-Powercalls (ISIN: DE0009609735) gewann knapp 5 %. Was hatte Greenspan gesagt? Übersetzt Folgendes:
"Die (amerikanische) Haushaltslage hat sich zwar jüngst ein wenig verbessert, die langfristigen Aussichten für den Bundesetat aber sind nach wie vor beunruhigend." Klare Worte. Weiter forderte Greenspan eine strikte Begrenzung der öffentlichen Ausgaben und Reformen (nun gut, hierzulande mittlerweile leider zum fast nichts sagenden Wort geworden) der Sozialversicherungssysteme.
Wow! Ich bin überrascht. Denn Greenspan prangert genau das an, was er mit verschuldet hat. Seine Politik des extrem leichten Geldes hat das Schuldenmachen geradezu aufgedrängt. Und immer wieder hat er den US-Konsumenten als "Stütze der Wirtschaft" bezeichnet, der einfach noch mehr konsumieren müsse – was ihm durch leichte Kredite und Hypotheken mehr als erleichtert wurde. Präsident Bush hat diese Politik begleitet und unterstützt, durch eine Ausgabenexplosion der öffentlichen Hand: Das US-Haushaltsdefizit wird dieses Haushaltsjahr (Ende 30.09.) mit voraussichtlich satten 422 Milliarden Dollar so hoch WIE NIE ZUVOR ausfallen! Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es zu Jahresbeginn noch auf 521 Milliarden Dollar geschätzt worden war. Der bisherige Höchstwert war im letzten Jahr erreicht worden, mit 375 Milliarden Dollar.
Damit ist das amerikanische Haushaltsdefizit größer als die GESAMTEN Haushalte aller skandinavischen Staaten zusammen. Mit anderen Worten: Alle Jahresausgaben dieser Wohlfahrtsstaaten zusammengenommen sind geringer als der Betrag, den die USA pro Jahr an neuen Schulden machen.
Im Grunde haben dieses Schuldenmachen und die Politik des leichten Geldes nicht zu einem gesunden Wirtschaftsaufschwung geführt. Denn ein gesunder Wirtschaftsaufschwung kommt durch Investitionen und eine Konsumerhöhung aus ERSPARTEN Mitteln zustande (nicht durch neue Kredite).
Mein Fazit: Mit dem EUR/US$-Powercall sehe ich uns weiterhin sehr gut positioniert! Der Dollar sollte eher steigen als fallen. Auch gegenüber dem "Anti-Dollar", dem Gold. Und – das hätte ich fast vergessen: Auch gegenüber dem Silber!
Gerade das Silberpreis wird derzeit wieder sehr, sehr interessant. Sie wissen ja, dass ich aus fundamentaler Sicht bekennender Silber-Fan bin. Beim letzten Kursanstieg hatte ich jedoch Gewinnmitnahmen beim von mir empfohlenen Silber-Schein empfohlen – denn beim Silber gibt es immer wieder recht kräftige Korrekturen. Wie in den letzten Tagen. Die haben dazu geführt, dass der Silberpreis jetzt wieder ein sehr attraktives Niveau erreicht hat (zum Eingehen einer LONG-Position). Ich bleibe an diesem Thema natürlich dran!
Beste Grüße,
Michael Vaupel
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