Übernahmeschlacht im Uransektor
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 21. Oktober 2011, 17:00 Uhr
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Wie sehen das eigentlich die großen Rohstoffproduzenten, die immer wieder ein recht guter Seismograph für die wirtschaftliche Entwicklung sind? Sie betonen zwar auch, dass sie notfalls bereit seien, die Förderung herunterzufahren, wenn es wieder schlimm wird und zu echten Nachfrageeinbrüchen kommt. Bisher gibt es aber noch recht wenige Anzeichen dafür, außer dass die Preise einiger Rohstoffe schon wieder in Regionen gefallen sind, wo die Produktion kaum noch Gewinn abwirft. Das liegt aber zum jetzigen Zeitpunkt noch mehr an der Auflösung von Investitionspositionen als an einem echten Absacken der Nachfrage.
Im Gegensatz zu 2008 haben auch viele Vorstände von Rohstoffunternehmen aus der Erfahrung gelernt und nicht nur Pläne in der Schublade, wie sie im Worst Case die Kosten minimieren und die Produktion herunterfahren wollen. Zudem sitzen vor allem die produzierenden und damit hohe Gewinne abwerfenden Firmen auf hohen Bargeldbeständen. Aber auch viele Explorationsvorhaben sind auf Monate oder gar Jahre hinaus finanziert, denn clevere Vorstände haben die hohen Kurse ihrer Unternehmen genutzt, um günstig an neues Geld zu kommen. Denn sie erinnerten sich noch mit Schrecken an das Jahr 2008, als selbst für die besten Vorhaben kaum noch Gelder zu bekommen waren.
Und nun kommt es im Rohstoffsektor, wie es kommen musste: Sobald die Kurse der Kleinen ordentlich gefallen sind (und das sind sie schon sehr frühzeitig vor dem Einbruch des restlichen Marktes, denn die Anleger haben ja ihre Lektion gelernt und diese Aktien zuerst abgestoßen), fangen die Großen an, ihr Geld zusammen zu kratzen und zu investieren. Und so deuten sich zuletzt nicht nur bei der im jüngsten Nebenwerte Daily erwähnten SGL Carbon, sondern auch bei so manchen Rohstoffunternehmen Preiskämpfe um die Perlen an.
In der vergangenen Woche war es die Walter Energy, um die sich angeblich Anglo American, BHP Biliton und Vale bemühen sollen. Der Produzent von Kohle und Erdgas besitzt interessante Projekte. Und sowohl Kohle als auch Erdgas gehören allen Prognosen zufolge zu den Gewinnern der Energiedebatten weltweit. Zudem kann die Stahlnachfrage sich zwar kurzfristig abschwächen, aber die vielen Infrastrukturprojekte rund um den Globus werden weiterhin große Mengen an Stahl benötigen, der ohne Kohle nicht produziert werden kann.
Interessante Neuigkeiten kamen gestern aber auch aus Kanada: Um den Uran-Explorer Hathor Exploration scheint sich die nächste Bieterschlacht abzuzeichnen. Nachdem im Gefolge des Fukushima-Desasters der ganze Uransektor samt den Futurepreisen unter Druck kam, zeigt sich inzwischen, dass auch hier die Befürchtungen übertrieben waren. Gerade Asien kann (und will) nicht auf den Ausbau der Atomenergie verzichten. Daher sorgen sich auch bei diesem Rohstoff die Großen um ihren Nachschub, wenn bestehende Vorkommen ausgebeutet sind.
Es gibt zwar viele niedriggradige Vorkommen weltweit, die in der Entwicklung sind. Aber bei tiefen Uranpreisen kommen diese schnell in Schwierigkeiten, noch Gewinn abzuwerfen. Da kommt solch eine Premiumlagerstätte wie diejenige von Hathor gerade recht. So hohe Urangehalte wie im Athabasca Bassin Kanadas gibt es weltweit nur ganz wenige. Das wissen die Großen ganz genau und sind darauf besonders scharf. Und so zeichnet sich ab, dass in der Schlacht um Hathor zwischen Cameco und Rio Tinto noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Ich rechne damit, dass es noch ein höheres Gebot geben könnte, als es jetzt schon vorliegt.
Natürlich soll das keine Empfehlung sein. Sie wissen ja, dass ich solche in einem Daily nicht aussprechen darf. Aber es ist eine Anregung, sich wieder mit einem besonders hart abgestraften Bereich der Rohstoff-Nebenwerte zu beschäftigen. Aktuelle Empfehlungen finden sich wie immer in den Premium-Briefen des Investor Verlags.
Herzliche Grüße, ein erholsames Herbstwochenende mit herrlichem Wetter wünscht Ihnen
Ihre Daniela Knauer