Überaus schlechte Nachrichten ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 16. August 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Auch in der letzten Woche ging die Talfahrt am deutschen Aktienmarkt weiter.Im Wochenvergleich verlor der deutsche Leitindex erneut gut zwei Prozent. Charttechnisch betrachtet befindet sich der Dax nach dem Unterschreiten der bisherigen Jahrestiefs im Niemandsland. Ein weiterer Absturz in den kommenden Wochen bis in den Bereich von 3200–3300 ist sicherlich nicht unwahrscheinlich.
Der gegenwärtige Zustand der deutschen Volkswirtschaft ist weiterhin als sehr, sehr kritisch einzustufen. So sind zum Beispiel im Juli die Steuereinnahmen dramatisch eingebrochen. Die Summe aller Steuereinnahmen fiel um knapp zehn Prozent. Noch schlimmer war die Situation beim Bund, wo ein rekordverdächtiger Rückgang von knapp 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen war. Vor dem Hintergrund dieser katastrophalen Entwicklung kann wohl von einem Neuverschuldungsrekord in diesem Jahr ausgegangen werden. Weiters vermeldete das Kraftfahrtbundesamt im Juli für den deutschen Automarkt nichts Positives. Die Zahl der neu zugelassenen Pkw ging im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent auf 267620 zurück. Im Vergleich zum Vormonat war der Einbruch mit 14 Prozent noch stärker. In den ersten sieben Monaten wurden verglichen mit dem Vorjahr insgesamt 2,2 Prozent weniger Personenkraftwagen zugelassen.
Gewiss mag der anhaltend hohe Öl- bzw. Benzinpreis mit für diesen Negativtrend verantwortlich sein. Sicherlich auch die weiter schwache Kaufkraft breiter Bevölkerungskreise. Neuesten Umfragen zufolgen sollen mittlerweile bereits ein Viertel der deutschen Verbraucher in Schwierigkeiten sein, ihre Zahlungsverpflichtungen ordnungsgemäß zu erfüllen. Offen gestanden kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass sich dieser Trend in Bälde gestoppt werden kann. Nicht zuletzt die aktuelle Protestwelle gegen die Arbeitsmarktreformen könnte zu einer weiteren massiven politisch-wirtschaftlichen Destabilisierung des einstigen Wirtschaftswunderlandes beitragen.
Auch jenseits des Atlantiks waren die Nachrichten der vergangenen Tage alles andere als gut. So wurden etliche Milliarden $ Marktkapitalisierung bei Tech-Giganten wie Cisco Systems bzw. Hewlett Packard nach eher verhaltenen Ausblicken auf die künftige Geschäftsentwicklung vernichtet.
Die technische Verfassung, vor allem der High-Tech-Aktien des Nasdaq, ist weiterhin alles andere als "bullish" einzustufen. Nicht zuletzt deswegen, weil auch das fundamentale Bewertungsniveau weiterhin extrem hoch ist, gerade vor dem Hintergrund einer nachlassenden Gewinnwachstumsdynamik. Fast schon müßig zu erwähnen, dass das US-Handelsbilanzdefizit im Juni erneut aufgrund eines massiven Anstiegs bei den Importen auf ein Rekordhoch von 55,8 Milliarden $ gestiegen ist.
Im Zuge dieser Daten gab auch der US-Dollar gegenüber der europäischen Einheitswährung wieder nach. In den nächsten Tagen dürfte es spannend werden, ob der Euro die Widerstandszone um 1,24 US-Dollar nach oben hin verlassen kann.
Sollte dies der Fall sein, dürfte auch der Goldpreis wieder über die 400-US-Dollar Marke klettern. Noch immer verharrt der Preis des gelben Edelmetalls in einer Seitwartsspanne zwischen 370 und 430 $.
Für Anleger im Euroland wurde die Feinunze in der vergangenen Woche wieder etwas günstiger. Gerade auch vor dem Hintergrund der Vermögenssicherung sollte das gegenwärtige Preisniveau auch zum physischen Goldkauf genutzt werden.