Über Regelwidrigkeit und Psychofallen
Georg Pröbstl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 15. Februar 2007 17:00 Uhr
ENL5454
Lieber Leser,
Börsianer sind erstaunt: Vor wenigen Tagen knackte der MDAX fast mühelos die magische Kursgrenze von 10.000 Punkten. Wenigstens dort hatten viele Profis ein vorläufiges Ende des Aufwärtsschubs oder wenigstens eine Verschnaufpause erwartet. Auch der SDAX ging fast ohne Zögern über die 6.000 Index-Zähler. Und der DAX lauert schon seit Tagen ganz knapp unter der 7.000er-Hürde. Wahrscheinlich lassen die deutschen Blue Chips diesen Wert, denn wir übrigens zuletzt im November 2000 gesehen hatten, schon in kürze hinter sich. Damit sind viele Prognosen der Marktbeobachter und Analysten über den Börsenverlauf 2007 und seine möglichen Höchststände bereits nach wenigen Wochen Makulatur. Selbst Charttechniker sind verblüfft. Vor kurzem bezeichneten Investmentbanker die Entwicklung im DAX sogar als „regelwidrig“.
Das ist doch das schöne an der Börse! Der breite Markt lässt sich eben nicht vorschreiben, wie es mit ihm weiter gehen soll. Da nützen dann auch die niedlichen und fast schon verwissenschaftlichten Chartkonstruktionen und –Muster nichts. Gerade die Indizes hängen von so vielen Einzelentscheidungen der Investoren, Daten der Konjunktur, der Zinsfront und nicht zuletzt auch der Politik ab – was sollen da charttechnische „Dreiecke“, „W-Formationen“ oder was auch immer für Konstrukte?
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Ja, wenn es keine Regeln gibt, was soll ich denn jetzt machen?
Ich kann Sie beruhigen. Wir haben schon ein paar Dinge, an denen wir uns festhalten können. Da sind zum einen die Fundamentaldaten. Wie uns Value-Investor Georg Geiger vor einigen Tagen erklärte, lassen sich damit zwar nicht Punktestände in den Indizes prognostizieren, sehr wohl aber, was eine Aktie in etwa wert ist. Sie brauchen dann einfach nur etwas Geduld, bis eine unterbewertete Aktie diesen Wert im Laufe der Zeit erreicht.
Neben diesen Fundamentaldaten ist aber ein anderer Punkt ganz entscheidend. Und gerade bei der aktuellen Rallye wichtig: Die Psychologie und die Psychofallen. Denn Anleger tappen immer wieder in die gleichen Fallen. Ganz besonders gerne, wenn die Kurse von einem Hoch zum nächsten laufen. Ich möchte ich Ihnen deshalb noch einmal kurz ein paar akute und chronische Psychoprobleme der Anleger aufzählen:
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