Über Haushaltsüberschüsse, den Euro und Bolko Hoffmann
Von Georg Pröbstl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 23. August 2007 17:00 Uhr
ENL5454
Lieber Leser,
heute möchte ich einmal kurz auf „die Zahl des Tages“ eingehen. Für mich ist das der Finanzierungssaldo des deutschen Staates. Wie Vater Staat heute meldet, erwirtschafteten die öffentlichen Kassen, also Bund, Länder, Kommunen und Sozialkassen in den ersten 6 Monaten 2007 einen Überschuss in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Das letzte mal gab es ein Plus im Haushalt im ersten Halbjahr 2000. Für das Gesamtjahr rechnen die Experten, beispielsweise vom Kieler Institut für Weltwirtschaft IfW, mit einem Haushaltsüberschuss der Republik in Höhe von 2 bis 3 Milliarden Euro.
Sie erinnern sich: Vor 2 Jahren wollten uns die Mächtigen der Europäischen Union noch wegen der Schuldenmacherei unserer Politiker und dem damit zusammenhängenden Verstoß gegen die Maastricht-Kriterien (Verschuldungsobergrenze 3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt) am liebsten eine saftige Geldstrafe aufbrummen.
Die heutige Überschuss-Meldung dürfte dem Aktienmarkt eigentlich weiter auf die Sprünge helfen. Denn um so weniger Schulden der Staat macht, um so niedriger ist die Kreditnachfrage der öffentlichen Kassen. Und eine niedrigere Nachfrage führt normalerweise zu fallenden Preisen, der Zinsanstieg bei Anleihen sollte gebremst werden. Und wenn die Renditen bei Festverzinslichen niedriger ausfallen, profitieren davon normalerweise eben Aktien.
Hier gab es heute prompt eine Meldung. Danach senkt der Bund seine Rendite für Finanzierungsschätze von 4,00/4,10 auf 3,75/3,85 Prozent.
Von dieser guten Nachricht an der Schulden- und Kreditfront zeigt sich die Europäische Zentralbank wohl unbeeindruckt. Auch die jüngsten Verwerfungen durch die US-Hypothekenkrise werden die Euro-Banker um ihren Präsidenten Jean-Claude Trichet wahrscheinlich nicht davon abhalten, den Leitzins in Euroland im September anzuheben.
[Fortsetzung weiter unten]