Über ein närrisch olympisches Wochenende
Cindy Bach in Insider Daily
vom 15. Februar 2010, 14:30 Uhr
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fernab von Börse und Wirtschaftsgeschehen gab es am Wochenende jede Menge Sport und Feierei. Karneval und Olympiaauftakt waren die dominierenden Themen, so auch bei mir. Und deshalb wage ich heute einfach mal den Exkurs in andere thematische Gefilde. Dazu stelle ich zunächst einmal eine Frage in den Raum: Wie schafft man es als Mutter eines elf Monate alten Sohnes Karneval und Winterspiele terminlich unter einen Hut zu bringen, ohne das Kind zu vernachlässigen und dennoch ausgiebig allen Leidenschaften zu frönen? Ich habe es an diesem Wochenende ausprobiert. Und meine Erkenntnis heute lautet: Mit guter Organisation und erfolgreicher Verdrängung von Schlafmangel ist alles machbar.
Ich will Ihnen kurz schildern, wie so ein Wochenende aussieht. Am Donnerstag freut sich Frau bereits seit dem Morgengrauen auf die abendliche Weiberfastnachtsparty mit geschätzten 400 anderen weiblichen Narritäten, um am Abend, kurz vor dem Start ins Vergnügen, noch einmal an ihre Grenzen gebracht zu werden. Grund: Der Sohn möchte heute unter keinen Umständen von seinem Vater gefüttert, gewaschen und ins Bett gebracht werden.
Was sonst unter großen Lachattacken wie von selbst über die Bühne geht, wird für Papa zur Tortur und für die bereits kostümierte Mama zur zeitlichen Zerreißprobe. Denn das Kind schreit und will einfach nur noch eines: seine Mama. Diese kramt all ihr Improvisationstalent aus der Schublade und schafft es Nahrungszufuhr und Körperhygiene des Kleinen in Rekordzeit abzuhandeln, ohne dass das Kind merkt, dass sie eigentlich längst mit einem Sektglas schunkeln will. Anschließend singt sie das Einschlaflied in doppelter Geschwindigkeit, packt das Kind mit schönstem Zauberlachen ins Bettchen und drückt zu guter Letzt dem Herzallerliebsten mit einem kurzen "Ich bin gestresst-Seufzer" das angeschaltete Babyphone in die Hand, bevor man einen letzten Blick in den Spiegel wirft. Auf geht´s.
Gegen ein Uhr ist Frau beschwipst und bester Laune wieder zuhause angekommen. Meine Freundinnen und ich haben für unsere Kostüme zum Thema "20 Jahre Mauerfall" den ersten Preis bekommen. Die Freude war groß, der Sekt lecker. Mann und Kind sind im Land der Träume und Frau folgt diesem Beispiel auf dem Fuße, denn sie weiß: Ihr kleiner Sonnenschein ist ein Frühaufsteher. Und da macht er erst Recht heute keine Ausnahme. Pünktlich um 5:30 Uhr weckt eine helle Stimme die noch etwas angeschlagene Mama aus den Feierträumen. Der Kopf fühlt sich zwar noch etwas würfelförmig an, doch innerhalb kürzester Zeit schafft es das gut gelaunte Kind, auch mich anzustecken. Der Freitag läuft trotz nur viereinhalb Stunden Schlaf bestens.
Erstaunlich, was so alles in ein Wochenende passt
Auch am kommenden Morgen sitze ich mit meinem Sohn um diese Uhrzeit bereits wieder auf dem Sofa im Wohnzimmer. Der kleine Mann hat aktuell nun mal 5:30 Uhr als seine Lieblings-Aufwachzeit festgelegt. Und Mama gewöhnt sich an alles. Und heute fällt mir das auch nicht schwer. Denn es ist Olympia-Time. Wir sitzen also da und schauen uns zu morgendlichem Milch-Getreide-Brei mit Obst die Zusammenfassung der soeben zuende gegangenen Eröffnungsfeier in Vancouver an. Ich bin begeistert. Heute Abend schaue ich Biathlon. Doch zuvor muss ich noch putzen, kochen, Kind bespaßen, Utensilien für den Karnevals-Umzug am nächsten Tag zusammen suchen, meine Eltern filmen, wie sie sich als Prinzenpaar-Gefolge zum Obst machen, Kinderbetreuung für diese Zeit organisieren und zwischendurch ein offenes Ohr für meinen Liebsten haben, weil wir aktuell Wohnung ausbauen und der Rohbau in die heiße Phase geht. Was soll ich sagen. Geschafft habe ich alles: Auch das Sprint-Rennen der Biathlon-Damen um 21.45 Uhr beginne ich noch mit voller Euphorie und offenen Augen. Doch dass Magdalena Neuner ihren zweiten Platz behält, erfahre ich erst am nächsten Morgen, um 5:30 Uhr in der Zusammenfassung. Denn irgendwas hat irgendwann meine Augen einfach zufallen lassen.
Dann der Sonntag: Meine Freundinnen und ich haben beschlossen, unsere prämierten Kostüme auch auf dem großen Karnevalsumzug unseres Ortes zu präsentieren. Mit Bollerwagen, Glühwein und "süßer Wurfware" machen wir uns gegen 13.30 Uhr auf den Weg. Kind und Mann bleiben leider zurück, da der Sohn seinen wohlverdienten Mittagsschlaf just zu dieser Zeit abhält. Die beiden werden uns dann vom Gehweg aus bewundern und zujubeln.
Der Umzug dauert gefühlte zwei Stunden. Papa und Kind haben gejubelt. Wir Frauen haben gefeiert. Und nun geht das Kind zu seinen Großeltern. Denn Mama und Papa wollen für etwa zwei Stunden mal zusammen Karneval feiern. Gegen 18 Uhr holen wir den Spross gut gelaunt bei Oma und Opa ab, um unser allabendliches Bettgeh-Ritual durchzuführen. Mit leicht schwerer Zunge wird das Gute-Nacht-Lied diesmal in "Halftime" gesungen, bevor wir "großen Feierer" den Abend auf dem Sofa mit Olympia ausklingen lassen. Die Herren im Biathlon scheinen so fertig zu sein wie wir. Leider sind sie von Medaillen so weit entfernt, wie wir von einem erholten Sonntagabend-Gefühl.
Zwar ist heute noch nicht Aschermittwoch. Doch wir haben heute morgen beschlossen, dass Karneval für uns damit zu Ende ist. Genug Tulli und Helau. Der Alltag hat uns wieder. Und Olympia-Gucken ist ohne Karneval auch deutlich entspannter. Und ab morgen lesen Sie an dieser Stelle auch wieder das Neueste aus Börse und Wirtschaft. Bis dahin, einen schönen Rosenmontag.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (15.02. 2010 18:30 Uhr):
Sehr geehrte Frau Cindy Bach! Mit Freuden habe ich Ihren heutigen Beitrag gelesen. Als eine neue Fassung von lang vergangener Zeiten. Denn mein Sohn wird bald 30. Der Unterschied in meinem Fall war nur, dass der Ehemann nie Anwesend war. Ausser Wihnachten. Also habe ich alles alleine meistern müssen. Aber das vergeht sehr schnell, und man vergisst es für immer (fast). Sie haben schon einige Male für Ihre Beiträge keine Anlagenthemen gewählt. Ist auch mal für die Leser erfrischend. Ich würde Ihnen raten, diese Beiträge mal in einem Buch herauszugeben. Wirklich! Sie haben einen mitreissenden Stil, so dass man sich als Mitspieler fühlt. Ich gratuliere Ihnen und wünsche Ihnen auch weiterhin viel Erfolg. Mit freundlichen Grüßen
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