Über den Mann, dem wir das arabische Zahlensystem in Europa verdanken

Jürgen Nowacki in Investoren Wissen zum Thema Chartanalyse
vom


Kleiner Exkurs zu Leonardo da Pisa oder auch Sohn des Bonacci, heute bekannt unter dem Namen Fibonacci. Er lebte um 1180 in Pisa und zählt zu den bedeutendsten Mathematikern des Mittelalters. Der Sohn des Kaufmanns Bonacci bereiste Nordafrika und Arabien und erlernte nicht nur das Rechnen mit den neun indo-arabischen Ziffern, sondern lernte auch die Null kennen. In Europa wurde zu dieser Zeit noch mit römischen Ziffern gerechnet, mit denen keine höhere Mathematik möglich war - ein echter Hemmschuh für die Entwicklung der Wissenschaften in der damaligen Zeit. In seinem Hauptwerk „Liber Abbaci" (1202) stellte Fibonacci der lateinisch sprechenden Welt die Vorzüge der neun indo-arabischen Ziffern unter Verwendung der Null vor und etablierte das noch heute verwendete Zahlensystem im mittelalterlichen Europa.


 

Der goldene Schnitt, auch nützlich an der Börse

Wenn Sie sich mit Architektur oder Fotografie befassen, werden Sie den goldenen Schnitt kennen. Streckenverhältnisse im Goldenen Schnitt werden seit der griechischen Antike als Inbegriff von Ästhetik und Harmonie angesehen. Sie werden als ideale Proportionen in Kunst und Architektur angewendet, kommen aber auch in der Natur vor. Der Goldene Schnitt zeichnet sich durch eine Reihe besonderer mathematischer Eigenschaften aus, die sich in der Technischen Analyse gut verwerten lassen. Merken wir uns heute die Retracement Levels 61,80 Prozent und 38,20 Prozent. Es lässt sich oft beobachten, dass eine Kursbewegung in der ersten Phase um 38,20 Prozent korrigiert, bevor der ursprüngliche Trend fortgesetzt wird. Sollte diese Gegenbewegung aber so groß werden, dass sogar 61,80 Prozent nachhaltig überlaufen werden, ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Startpunkt des Trendanfangs (altes Hoch oder Tief) angesteuert wird.

Ich möchte Ihnen heute einen aktuellen Chart zeigen, um eine Frage zu beantworten, die mir Leser in den letzten Wochen gestellt haben. Sie lautet: Wann ist die Kurskorrektur in den Emerging Marktes (China, Brasilien und Indien) vorbei?

Erinnern wir uns: Diese Länder haben aufgrund Ihres starken Wirtschaftswachstums frühzeitig angefangen, aufkeimende Inflation mit steigenden Zinsen zu bekämpfen. Das hat die Aktienmärkte belastet und korrigieren lassen. Viele Anleger, die in Fonds der Emerging Marktes investiert haben, betrachten mit Sorge die fallenden Kurse der von den Medien hoch gelobten BRIC-Länder, also der Wachstumsmärkte Brasilien, Russland, Indien und China. Sie verlieren nun langsam die Geduld und überlegen auszusteigen.

 

Indiens Aktienmarkt und meine Prognose nach der Fibonacci-Methode

Der BSE, der Index der Bombay Stock Exchange, befindet sich seit November letzten Jahres in einer Korrektur (blaue Trendlinie, fallend). Die Strecke, die der Kurs entlang der großen blauen Trendlinie zwischen Juni 2010 (15.963 Punkte) und dem Hochpunkt im November 2010 (21.000 Punkte) zurückgelegt hat, wird - ausgehend vom Hochpunkt - in die Bereiche 61,80 Prozent und 38,20 Prozent aufgeteilt. Das Kursniveau (graue Linien), das einer Korrektur der Aufwärtsbewegung um 61,80 Prozent entspricht, liegt bei 17.936 Punkten und die Marke, die einen Rückgang um 38,20 Prozent markiert, liegt bei 19.150 Punkten. Da der Kurs den vorherigen Anstieg von oben kommend korrigiert, lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit vermuten, dass die erste Unterstützung (gelb) im Bereich von 19.150 Punkten liegen sollte. Und tatsächlich läuft der BSE zweimal an diese Unterstützungslinie heran, bevor die nächste Korrekturschwelle (gelb,lang) bei 17.900 angesteuert wurde. Aus dieser Linie und dem April Hoch bei 18.000 sowie dem Juni Hoch bei 17.750 ergibt sich eine Unterstützungszone (gelb, lang) die ungefähr 500 Punkte breit ist. Das ist unsere Orientierung bei der folgenden Prognose. 

 

BSE, Indian Bombay Stock Exchange 30 Sensex Index im Tageschart (Schlusskurs 08.02.2011: 17.775 Punkte)

BSE, Indian Bombay Stock Exchange 30 Sensex Index im Tageschart

Unterer Chartbereich: Relative Stärke zum S&P500 stark fallend

Prognose: Die Emerging Markets zählen nach wie vor zu den attraktivsten Wachstumsregionen der Welt. Die Zinserhöhungen kamen frühzeitig, um die heimischen Volkswirtschaften gegen Inflation zu schützen. Das belastet die Aktienmärkte bis zu dem Punkt, an dem für Anleger offensichtlich wird, dass die Aktien gemessen am zukünftigen Ertragspotenzial zu stark gefallen sind und dass von einer Unterbewertung gesprochen werden kann. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist jetzt beim 61,80-Prozent-Fibonacci-Retracement der Punkt erreicht, an dem sich die Emerging Markets wieder erholen werden. Die Charts von Brasilien und China zeigen starke Parallelen, weswegen ich diese Märkte jetzt in meinem Fazit zusammenfasse. Sollte das Unterstützungsniveau bei 61,80 Prozent (+/- 1bis 2 %) wider Erwarten nicht halten und nachhaltig nach unten durchbrochen werden, ist - egal was die Medien berichten - von einer Trendwende auszugehen. Zur Zeit aber stehen die Chancen gut, sowohl für Neueinsteiger als auch für Anleger, die Ihre Position verbilligen und nachkaufen wollen.

 

Jürgen Nowacki

Chefredakteur Target Trader

 


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Kommentar von Karl Bremer

Die Bedeutung von Herrn Bonacci haben Sie sehr gut dargestellt. Die Einführung der arabischen Zahlen gelang nur, weil ihn Kaiser Fiedrich II., der in Palermo residierte, unterstützte und das arabische Zahlensystem in seinem Reich durchsetzte.

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Antwort von Juergen Nowacki:

tja der Erfolg hat, wie so oft, viele Väter vielen Dank für den Hinweis :-)