Typische Abwärtsbewegung
Tom Firley in Investors Daily
vom 11. November 2011, 18:00 Uhr
ENL5454
sicherlich gäbe es heute genug zu berichten über neue griechische und italienische Regierungsspitzen. Und sicherlich könnte dabei die ein oder andere hitzige Frage gestellt werden... dennoch bleiben wir heute vor dem Wochenende kühl, knüpfen an den gestrigen Investors daily an und schauen uns mit eben dieser Eigenschaft ein mögliches Dax-Szenario an.
Klammer auf
(Europa ist momentan in weltweitem Munde... und interessant finde ich, dass der wichtigste Mann der Welt, also Barack Obama, jüngst feststellen konnte, dass es ziemlich viele Institutionen gäbe in Europa. Diese amerikanische Erkenntnis finde ich fast noch bemerkenswerter als seine Forderung nach harter europäischer Arbeit, was die Schuldenkrise betrifft. Wer im Glashaus sitzt... ach lassen wir das. Und schauen wir uns stattdessen den nackten Dax-Chart an)
Klammer zu
Gestern stellte ich Ihnen eine mögliche, positive Dax-Entwicklung dar, die dem Dax Raum für eine kleine Jahresend-Rally ließ (bis etwa 6.200 bis 6.500 Punkte). Falls den Europäern, mithin den Deutschen, eine kleine politische Verschnaufpause gegönnt werden würde, erscheint die Möglichkeit nicht allzu abstrus.
Rezession?
Allerdings müssen wir uns auch mit der anderen, der negativen Seite beschäftigen... zumal einige kluge europäische Köpfen schon jetzt das Schreckgespenst „Rezession" bzw. Wachstumsrückgang auspacken.
Manchmal sehen wir schärfer, wenn wir unschärfer hinschauen... Schauen wir uns den Dax daher langfristig als Monats-Chart an:
Dax langfristig als Monats-Chart
In den seltensten Fällen läuft eine Abwärtsbewegung „in einem Rutsch" ab; sowohl kurzfristiger als auch langfristiger Natur.
Typische Abwärtsbewegung
Ganz links habe ich Ihnen eine typische Abwärtsbewegung blau eingekreist. Zuerst geht es steil runter, dann folgt eine Rally und danach geht es - fies wie Miss Börse sein kann - noch einmal ein gutes Stück runter. Solche Bewegungen finden sich, wie gesagt, immer wieder, in allen Zeithorizonten (auf Monats-, Wochen-, Tages-, Stunden- oder Minuten-Basis).
2000 - 2003
Aus langfristiger Sicht sehen wir solch eine Bewegung in den Jahren 2000 - 2003. Noch geblendet von der Technologie- und Internet-Hype wollten es zahlreiche Anleger im Jahre 2000 nicht für möglich halten, dass Aktien oder Indizes auch mal nachhaltig fallen können. Ende 2001 schien der Spuk dann vor bei zu sein (Aufwärtsbewegung), so hofften zumindest einige Börsenneulinge, die erst Ende der 90er an die Börsen geschwemmt wurden und ihr Glück versuchten... Aber ab März 2002 ging es dann erst so richtig los und der Dax fiel ins Bodenlose, bis auf 2.202 Punkte.
2008 - 2009
Zugegeben, in dieser Phase sieht man die Bewegung „runter, rauf, runter" nicht allzu deutlich, da die erste Bewegung (resultierend aus dem US-Finanzkrisen-Schock) vergleichsweise gering ausfiel. Allerdings kann ich mich auch hier recht gut daran erinnern, dass in der darauf folgenden Aufwärtsphase von März bis Mai 2008 zahlreiche Börsenexperten (regierende Politiker sowieso...) darauf hinwiesen, dass das amerikanische Finanz-Chaos nicht nach Europa bzw. Deutschland rüber schwappen würde.
Nebenbei bemerkt: Der Investors daily-Redakteur Tom Firley dagegen traute dem Braten nicht und wies bereits damals auf eine ungemütliche Abwärtsbewegung hin.
Nun, offensichtlich haben sich die Experten damals geirrt, denn kurz danach nahm die Abwärts-Bewegung so richtig Fahrt auf (der Lehman-Brothers-Schock gab dann den letzten entscheidenden Kick nach unten).
Und heute?
Sie sehen im Chart wieder eine klare Abwärtsbewegung (von April bis September, Dax fiel bis au 5.500 Punkte) und die Oktober-Rally.
Falls uns tatsächlich erneut eine dreistufige Abwärtsbewegung erwartet, dürfte diese weit bis unter 5.500 Punkte führen. Es ist müßig nun ein genaues Kursziel für diesen Fall vorauszusagen, aber 4.000 Zähler wären durchaus „im Rahmen" dieser Baisse. Es kommt einfach darauf an, mit welchen Umsätzen diese Abwärtsbewegung begleitet werden würde. Dreh- und Angelpunkt wäre zunächst, wie erwähnt, das Niveau um 5.500 Punkte. Natürlich: Das Ganze muss nicht eintreten, aber es gut zu wissen, dass eine weitere Abwärtsbewegung noch nicht abgeschrieben werden kann.
Fazit: Wir bewegen uns politisch, finanz-politisch und wirtschaftlich auf zunehmend dünneren Eis. Daher spricht wenig dafür, jetzt massiv in (europäische oder amerikanische) Schwergewichte unter den Blue-Chip-Aktien einzusteigen. Anderseits spricht aber auch nichts dagegen, wie schon oft beschrieben, einen Fuß in manche Werte zu bekommen. Gekoppelt mit einer konsequenten Stopp-Strategie sollte hierbei nicht allzu viel anbrennen (eine weitere Idee finden Sie auch im nächsten Beitrag von Brian Hunt).
Viel Erfolg an der Börse, ein schönes Wochenende
Ihr
Tom Firley
PS: Per heute scheint der Dax die Positiv-Variante zu spielen. Warten wir es ab, ob die 6.000 tatsächlich nachhaltig geknackt werden, ohne dass diese Marke innerhalb von zwei Tage wieder unterboten wird...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Werner Karnitz (12.11. 2011 14:17 Uhr):
Nun lieber Herr Firley,da machen Sie mal den Leuten keine Angst.Es gibt zu 2003 und 2009 einen ganz wesentlichen Unterschied.Beiden Crashs lief ein langer Abwärtstrendkanal des Dax voraus.Wir haben hingegen seit dem Tief ca.5000 Anfang Sept.,das auch noch mit dem 61,8% Fibonacci-Retracement zusammen fällt,einen eindeutigen Aufwärtstrendkanal.Wenn dieser Kanal nach unten durchbrochen wird,bleibt für Sie immer noch Zeit, Ihre Warnsignale zu funken. Mit freundlichen Grüssen Werner Karnitz
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