Turbos: Das sollten Sie bei Währungs-Scheinen beachten!
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 14. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Heutiges Thema: Berechnung des Wertes von „Turbos". Trockene Materie, für Zertifikate-Trader aber notwendig und deshalb Pflichtlektüre. (Also nicht einnicken, da hinten! Es sei denn, Sie traden nicht mit Zertifikaten, dann können Sie auch weiter essen.)
Trader´s Daily-Leser Dan M. schrieb mir und schilderte ein Problem:
„Heute komme ich auch mal nicht mehr weiter mit einem Knock-Out-Schein. Ich habe mir einen KO-Call im Währungspaar EUR/AUD (WKN SFL4BX) ausgeguckt und scheitere bisher daran, diesen zu berechnen - ich möchte wissen, was der kostet, wenn der AUD bei 1,80 steht. Stand er ja heute schon mal; es müssen so um die 5,40 sein. Ich ziehe also von den 1,80 den Basispreis von 1,7031 ab und komme auf 0,0969, mal 100 wegen des Bezugsverhältnisses = 9,69. Das ist aber meilenweit entfernt vom tatsächlichen Kurs, der heute erreicht wurde. Habe ich da was übersehen, oder sind Währungs-Scheine anderen Berechnungsgesetzen unterworfen?"
Meine Antwort:
Der Leser fängt mit der Berechnung durchaus richtig an: Er nimmt den Zielkurs des Basiswertes - das sind 1,80 - und zieht den Basispreis von 1,7031 ab.
Das ergibt 0,0969. Bezugsverhältnis ist 1:100. Hier wird also mit Faktor 100 multipliziert, und das ergibt die von Leser genannten 9,69.
Der Schein steht weit darunter (bei aktuell rund 4,47 Euro).
Wie kann das sein?
Hier der Grund:
Der Leser hat richtig gerechnet - aber in der falschen Einheit. Denn das Ergebnis „9,69" sind nicht Euro, sondern australische Dollar.
Denn mit Einheiten sieht es so aus: 1,80 AUD (= australische Dollar) minus 1,7031 AUD = 0,0969 AUD. Multipliziert mit 100 ergibt 9,69 AUD.
Dies muss dann noch in Euro umgerechnet werden. Bei einem vom Leser anvisierten Kurs von 1,80 (AUD pro Euro!) ergeben 9,69 AUD einen Wert von 5,38 Euro.
Und da haben wir den Zielkurs des Scheins. In etwa da sollte der Schein stehen, wenn der AUD bei 1,80 steht. (Aktuell steht er bei rund 1,78). In etwa deshalb, weil es bei den KO-Scheinen minimale Abzüge wegen der Finanzierungskosten des Emittenten gibt. Da geht es um einige Prozentpunkte pro Jahr, auf kurze Sicht ist so etwas vernachlässigbar.
Fazit: Auf die Einheit kommt es an. Die Berechnung des inneren Wertes ist bei Währungs-Scheinen auch nicht anders als bei „anderen Scheinen". Es gibt indes einen Arbeitsschritt mehr: Die Umrechnung des errechneten Wertes in die Währung, in der der Schein notiert.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
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