TUI: Wird der Verlierer wieder zum Gewinner?
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 8. September 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
die Würfel sind gefallen: Kali+Salz wird den DAX ab dem 22. September den DAX mit seiner Anwesenheit beglücken, der Reisekonzern TUI, der aus dem ehemaligen Traditionskonzern Preussag hervorging, steigt in den MDAX ab. Anders als bei Continental ist es unter den gegenwärtigen Umständen kaum denkbar, dass das Unternehmen unter dem aktuellen Namen und in der jetzigen Form wieder in die Eliteklasse zurückkehrt. Zu groß sind die Bestrebungen der Anteilseigner, allen voran Rendite orientierter Finanzinvestoren, TUI in seine Einzelteile zu zerlegen und so noch einen zusätzlichen Gewinn herauszuholen. Doch was sich wie ein trauriges Ende für den Reise- und Logistikkonzern anhört, kann für die Aktionäre noch zu einer attraktiven Schlussofferte werden.
Der Machtkampfzwischen dem norwegischen Investor John Fredriksen und dem russischen Stahlmagnaten Alexej Mordaschow hat zwar den Ausschluß des Traditionskonzern aus dem DAX beschleunigt, hat aber auf der anderen Seite den Charme einer Bieterschlacht. Denn Fredrisken besitzt offziell 12 Prozent der umlaufenden Aktien,während Mordaschow rund 10 Prozent sein Eigen nennen kann. Die Reduzierung des so genannten Free Floats, also der frei umlaufenden Aktien, ist ein wichtiges Kriterium für die DAX-Mitgliedschaft, das TUI nicht mehr erfülle konnte. Analysten glauben, dass Fredriksen über verwandte Investoren wie britische Pensionfonds sogar auf einen Anteil von bis zu 30 Prozent an dem Unternehmen kommt. Bei dem Wettbewerb um TUI geht es für die beiden Investorenim Wesentlichen um die Neuausrichtung des Konzern nach dem Verkauf der Schifffahrttochter Hapag Lloyd. Während es Fredriksen, der den Verkaufsprozeß durch die Neuordnung der Machtverhältnisse erst erzwungen hat, um die rasche Steigerung des Unternehmenswertes geht, will Mordaschow mit Hilfe des bekannten Namens TUI den russischen Reisemarkt erobern.
Die technische Reaktion der Aktie entspricht zurzeit voll und ganz den Mustern bisheriger Absteiger aus dem DAX. Nachdem sich die Wahrscheinlichkeit eines Abstiegs stark erhöht hat, baute sich durch den Verkauf größerer Aktienpakete von DAX-orientierten Fonds und Investmentgesellschaften immer mehr Druck auf den Aktienkurs auf. Seit Anfang Juli summieren sich die Verluste auf 20 Prozent. Möglicherweise testet der Markt nochmal den im Januar dieses Jahres verzeichneten Tiefpunkt bei rund 12 Euro. Von dort könnte die Aktie dann eine Erholungsrallye starten, denn zur Nachbildung des MDAX werden sich dann wieder einige Investoren die Aktie in ihr Portfolio legen müssen. Der Vollzug des Hapag Lloyd-Verkaufs sollte dann wieder etwas mehr Aufwärtsdynamik in den Aktienkurs bringen.
