TUI leidet unter Reisemüdigkeit – Kein Kauf bei Tourismusbranche
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 28. November 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Die Anschläge am 11. September, wie auch die gesamte wirtschaftliche Situation hatten die Reisebranche in eine schwere Krise geworfen. TUI hatte darauf hin ein umfangreiches Sparprogramm beschlossen. Zusammen mit dem starken Europageschäft und einer besseren Kapazitätssteuerung konnten diese Maßnahmen nun TUI trotz der Tourismuskrise wieder ins positive Terrain zurückbringen.
Deutlich zeigt sich die Krise beim Konzernumsatz von TUI. Dieser ging um 7,5 % auf 6,83 Mrd. Euro zurück. Trotzdem konnte durch oben genannte Faktoren der operative Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5 % auf 509 Mio € gesteigert werden. Die Erwartungen der Analysten wurden damit leicht übertroffen. Der Reingewinn lag mit 287 Mio € sogar 10 % höher als im Vorjahr. Bereinigt man dieses Ergebnis um die Verkäufe des Vorjahres, bleibt ein Minus von 1,6 %.
So sollen auch die bis Jahresende geplanten Verkäufe die Rückgänge größtenteils ausgleichen. TUI hat angekündigt, 14.000 Wohnungen, zahlreiche Grundstücke und die Beteiligung an Ruhrgas zu veräußern.
Auch wenn das dritte Quartal deutlich besser ausgefallen ist, die ersten neun Monate dieses Jahres zeigen, wie schlecht das Jahr bisher für TUI gelaufen ist. Der Umsatz ging in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,2 % auf 9,9 Mrd € zurück, das Ergebnis fiel um 24,8 % auf 626 Mio €.
Beim Ausblick für 2002 erwartet TUI in der Touristikbranche ein "unter den gegebenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zufrieden stellendes Ergebnis." 2003 wird als "Herausforderung" gesehen. Mit anderen Worten: es wird schwer.
Wie Sie vielleicht wissen, rate ich von Investitionen in der Reisebranche ab. Sollten weitere Anschläge folgen, könnte die aktuelle Reisemüdigkeit in einen "Reiseboykott" münden. Ich hatte heute morgen ein Gespräch mit einer sehr reisefreudigen Bekannten. Sie meinte zu den Anschlägen lapidar: "Sicherheit gibt es nirgendwo." Und wollte sich nicht von solchen politischen Ereignissen von ihre Reiselust abbringen lassen. Ich befürchte jedoch, dieser Mut, den ich durchaus bewundere, ist in unserer Gesellschaft eher selten. Die meisten werden sich ihre Reiseziele und Reiseplanung genau überlegen. Angesichts der wirtschaftlichen Lage könnten sich viele sogar dazu entschließen, gar nicht mehr zu verreisen. Andere werden das Reiseland Deutschland neu entdecken ... Bei TUI drängt sich zur Zeit also kein Kauf auf.