Tschechien als Vorbild?
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 1. Oktober 2009, 07:30 Uhr
ENL5462
Vor der Bundestagswahl führte die Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) eine Umfrage unter Deutschlands Mittelständlern (beteiligt waren insgesamt 205 Firmen mit einem Mindestjahresumsatz von zehn Millionen Euro) zum Thema Deutsches Steuersystem aus Sicht des Mittelstands" durch.
Fatalistische Erwartungshaltung
Im Ergebnis rechnet die große Mehrheit der befragten Unternehmer sowohl für Unternehmen wie auch für Privatpersonen mit einer steigenden Steuerbelastung nach der Bundestagswahl. Unter anderem wird von zwei Dritteln der Mittelständler erwartet, dass die neue Bundesregierung die steuerlichen Abzugsmöglichkeiten beschränkt. Fast genau so viele Entscheider rechnen neben der Anhebung des Spitzensteuersatzes mit einer Mehrwertsteuererhöhung. Nur acht Prozent der Befragten glauben an Steuersenkungen. PwC-Vorstandsmitglied Winkeljohann spricht in diesem Kontext gar von einer völlig desillusionierten, ja beinahe schon fatalistischen Erwartungshaltung.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, einzig fraglich scheint, ab wann die steuerlichen Daumenschrauben noch weiter angezogen werden. Einiges deutet auf das Jahr 2011 hin.
Warten auf radikale Vereinfachung des deutschen Steuerrechts
Noch fatalistischer sehen die deutschen Mittelständler allerdings die Komplexität des deutschen Steuersystems. Gerade einmal vier Prozent der Unternehmer glauben daran, dass die Regierung nach der Wahl das Steuersystem radikal vereinfachen und transparenter gestalten werde. Das Gegenteil werde wohl leider der Fall sein. Fast 60 Prozent sprechen der Politik gar das Interesse an einfacheren Steuerregeln ab. 92 Prozent der Unternehmer befürworten indes eine radikale Vereinfachung des Steuersystems, welches im übrigen unnötig viel Geld kostet. Auch beim Thema Rechtssicherheit", vor allem im Zusammenhang mit langfristiger Planbarkeit, besteht Anlass zur Kritik.
Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit
Höchst interessant ist auch, dass das deutsche Steuersystem für mehr als ein Drittel der Mittelständler mittlerweile gar gravierende Nachteile mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit bringt. Und immerhin zehn Prozent erwägen deswegen gar die Verlagerung von Unternehmensteilen ins Ausland. Am Ende des Tages ist es aber wohl weniger realistisch, dass die verantwortlichen Politiker endlich aufwachen und einen Befreiungsschlag wagen. Anscheinend ist der Leidensdruck immer noch viel zu gering.
Tschechien als Vorbild?
Umso wahrscheinlicher ist aber, dass der Steuerwürgegriff im bestehenden System noch weiter verfeinert" wird. Möglicherweise wird ja das Nachbarland Tschechien zum Vorbild genommen. Dort wurde jüngst ein Sparpaket für das Jahr 2010 auf den Weg gebracht, welches unter anderem die Erhöhung der beiden Mehrwertsteuersätze (um jeweils einen Prozent-Punkt) und der Verbrauchssteuern für alkoholische Getränke und Treibstoff vorsieht. Pikanterweise kommt noch hinzu, dass Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst um vier Prozent gekürzt werden. So viel zum Thema unaufhaltsame Deflation der Realeinkommen.
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Manfred Rummel (01.10. 2009 10:13 Uhr):
Die vor Jahren von unseren Politikern großkotzig angekündigte Steuerverein-fachung, die "auf einem Bierdeckel Platz hat" ist nie angegangen worden. Das Gegenteil ist der Fall. Inzwischen ist die BRD das am höchsten besteuerte Land der Welt, aber was kümmert das die an den Fleischtrögen sitzenden Politiker. Weiterhin werden jährlich Milliarden u.a. ins Ausland verschleudert, zu Lasten der Deutschen
Antworten
weitere Ausgaben von
Kapitalschutz Akte
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Mittwoch, 08. Februar 2012
Dienstag, 07. Februar 2012
Montag, 06. Februar 2012
alle AusgabenSicheres Geld
Der exklusive Börsendienst, der Ihr Vermögen zuverlässig schützt
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Sicheres Geld
Artikel weiterempfehlen