Trügerische Ruhe?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 24. September 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
wieder ist ein Tag vergangenen und noch immer reden sie nur...die da drüben auf der anderen Seite des großen Teichs.
Gut, wenn es nach Ben und Henry ginge, dann hätten sie schon längst gehandelt, aber es geht nicht nach Ben und Henry...stattdessen geht es jetzt um die Abgeordneten und Senatoren aus den US-Bundesstaaten. Hier geht es um die Farmer aus Illinois und die Cowboys aus Texas. Und da es nun einmal keine Finanz- und Wirtschaftsfachleute sind die hier nun reden, sind sie ganz und gar nicht bereit mal einfach eben so schnell nachdem zu handeln was Ben und Henry ihnen da vorschlagen.
Das ganze ist ihnen zu abgehoben. Was gehen uns Interbankenraten und diese Schnösel von der Wall Street an!", mag da so manch einer denken.
Ich verstehe das...für einen Plan dessen Sinn und Ergebnis ich nicht verstünde, würde ich auch nicht einfach mal so 700 Milliarden USD locker machen.
Nur hilft es leider nichts wenn ich die Haltung der Volksvertreter aus Virginia und Alabama rein menschlich durchaus nachvollziehen kann.
Und es hilft schon dreimal nicht zur Lösung der Finanzkrise.
Ben und Henry wissen das! Sie wissen, dass es jetzt darauf ankommt schnell zu handeln. Sie wissen welch grausamen Effekt die unendlichen Diskussionen der US-amerikanischen Volksvertreter über das Für und Wider dieser ganzen Rettungsaktionen auf die Stabilität des Finanzsystems haben.
Denn dieses ist keineswegs schon so stabil wie es den Anschein haben mag. Obwohl viele glauben der Markt hätte sich beruhigt, wie es ein republikanischer Volksvertreter aus Virginia beschreibt.
Doch von Beruhigung kann keine Rede sein - vielleicht eher zwischenzeitliche Erschöpfung. In diesem Zusammenhang sollte man bisweilen auch einmal den Blick von den Aktienmärkten auf das Geschehen an den Finanzmärkten richten.
Denn Tatsache ist, dass mittlerweile der Interbankenmarkt fast zum Erliegen" gekommen ist. Ganz betont in Anführungszeichen, denn Geld fließt noch, nur dass es jetzt nicht mehr von einer Bank zur nächsten fließt sondern von den Zentralbanken. Die Zentralbanken sind praktisch dabei den Interbankenmarkt zu ersetzen. Libor ist nebenbei bemerkt mittlerweile um 22 Basispunkte auf 3,43 % gestiegen.
Tatsache ist (und das sollten sich die Damen und Herren im US-Kongress bewusst machen), dass dieses undurchschaubare Interbankensystem keine Sache von Großunternehmen, sondern mittlerweile eine von Staaten geworden ist.
Es geht hier auch nicht darum es als ungerecht zu empfinden, wenn faktisch insolvente Privatunternehmen, die aufgrund ihrer eigenen Fehler gescheitert sind vom Staat gerettet werden. Es geht hier um die Aufrechterhaltung eines Finanzsystems, welchem wir uns nun einmal verschrieben haben. Ob das grundsätzlich klug war steht da aktuell gar nicht mehr zu Debatte.