Trügerische Hoffnung auf die Wende
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. April 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin, lieber Leser!
Die Sirenengesänge derer, die das Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise ausrufen, werden nahezu täglich lauter. Höchst interessant ist, dass das Ende der Krise bereits ausgerufen wird, ehe diese erst richtig begonnen hat.
US-Verantwortliche demonstrativ optimistisch
Hinzu kommt, dass sich in den USA der Chef der Notenbank, Ben S. Bernanke, zusammen mit Präsident Obama aus der Deckung wagen und öffentlich Optimismus verbreiten. Mr Bernanke zufolge gebe es vorläufige Anzeichen", dass sich der Absturz verlangsamen würde. Obama sah bereits erste Zeichen des wirtschaftlichen Fortschritts". Gleichzeitig räumte er aber auch ein, dass wir noch in keiner Weise aus dem Gröbsten heraus seien".
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, aller Sirenengesänge zum Trotz räumt selbst der US-Präsident ein, dass das Gröbste noch nicht überstanden sei. Müßig zu erwähnen, dass eine wirkliche Erholung nach dem Platzen eines über Jahrzehnte angewachsenen historisch einmaligen Schulden-Ballons Jahre, wenn nicht Jahrzehnte auf sich warten lassen wird.
Dauerkrise als Normalität?
Insofern verwundert es nicht, wenn der russische Finanzminister erst jüngst vor schwierigen außenwirtschaftlichen Bedingungen in den nächsten zehn, zwanzig oder 50 Jahren" warnte. Die US-Rezession in den 90er-Jahren dauerte nur acht Monate, die Wirtschaft habe aber 92 Monate gebraucht, um sich zu erholen. Kudrin zufolge wird die aktuelle US-Rezession mindestens 16 Monate dauern. Eine Erholung werde sich über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte hinziehen.
Pausen im Abschwung
Ähnlich skeptisch äußerte sich jüngst auch Wirtschaftsnobelpreisträger Krugman. Er warnte sogar davor, vorschnell das Ende der Rezession auszurufen. Sehr spannend ist auch, dass Mr Krugman darauf hinweist, dass es auch in der Depression der 30er-Jahre einige Pausen im Abschwung gegeben habe. Auch der gegenwärtige Anstieg an den Aktienmärkten sei kein überzeugendes Signal für eine wirkliche Trendwende.
Bärenmarktrallies zwischen 1929-1932
In der Tat kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass es auch im großen Bärenmarkt zwischen 1929 und 1932 insgesamt sechs Rallye-Versuche gab. In fünf Fällen waren sogar mehr als zwanzig Prozent in den Anstiegswellen zu verdienen. Äußerst tückisch waren auch die sechs Abschwungphasen, in denen die Investoren JEWEILS mehr als 35 Prozent verloren. Und, last but not least gab es ja noch die ultimative Kapitulationsphase, die den Dow Jones 1932 in vier Monaten von 89 auf 41 Punkte absacken und damit den Gesamt-Verlust des Bärenmarkts auf 89,2 Prozent anschwellen ließ.
Müßig zu erwähnen, dass ein solcher Gesamt-Verlust im aktuellen Bärenmarkt einen Zusammenbruch des Dow Jones auf 1532 Punkte bedeuten würde.
Verglichen mit einem derart dramatischen Szenario sind die Prognosen von Bill Bonner bzw. Martin Weiss ja wahrlich optimistisch...