Trotz Schuldenkrise - steigende Kurse
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Dax 30
vom 6. Februar 2012, 08:30 Uhr
ENL5454
Verkehrte Welt an den Börsen? Die Hiobsbotschaften an den Finanzmärkten im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise Europas nehmen kein Ende. Immer größere Summen zur Griechenlandrettung werden benötigt. Die Zahl der Experten, die einen Euro-Austritt Griechenlands für wahrscheinlich halten, nimmt weiter zu. Auch Portugal sehen manche Beobachter schon als Kandidaten, der vielleicht wieder die nationale Währung einführen muss.
Der Euro ist also noch lange nicht aus der Schusslinie und belastet gemeinsam mit den trüben Konjunkturaussichten die Hoffnungen auf nachhaltig steigende Kurse. Der Misston zog sich bereits im Jahr 2011 durch die Schlagzeilen. 2012 wurde bereits als Krisenjahr definiert, in dem das Wachstum am Boden liegen wird und Kursrückschläge zu verkraften seien. Doch die Börsen Europas zeigen einen ganz anderen Trend.
DAX besser als erwartet
Der DAX legte seit Jahresbeginn um fast 15 Prozent zu und der Dow Jones kratzt an der Höchstmarke des vergangenen Jahres. Für den DAX sagten viele Bankexperten einen Punktestand von durchschnittlich 6573 für das Ende 2012 voraus. Mehr trauten sie dem Leitindex der Deutschen Börse nicht zu. Diese Marke ist heute schon erreicht.
Selbst die Athener Börse, die im Vorjahr den weltweit größten Kursverlust verbuchte, verzeichnet inzwischen wieder Kursgewinne. Zusätzlich fallen die Renditen für europäische Staatsanleihen. Wie passt das zusammen?
Negativ-Ereignisse frühzeitig eingepreist
Der Börsenkurs bildet immer die Zukunftserwartung ab. Negative und positive Ereignisse werden bereits vor deren Eintritt eingepreist. Die Finanzmarktkrise befindet sich nunmehr in ihrem vierten Jahr. Die Schuldenproblematik ist seit über einem Jahr ein Dauerbrenner in den Schlagzeilen, die Konjunkturaussichten werden durch rechtzeitige Korrekturen auf ein realistisches Fundament gesetzt und drohende Herabstufungen durch die Ratingagenturen bereits Wochen vorher angekündigt.
Kurz: Die Börsenkurse drücken die Zukunftserwartungen aus, schlechte Nachrichten wurden bereits im vergangenen Jahr mit hohen Kursabschlägen eingepreist. Den Euro gibt es trotz aller Untergangsszenarien immer noch, die Weltwirtschaft wächst weiter, wenn auch auf niedrigem Niveau.
Sparanstrengungen werden honoriert
Zusätzlich werden die Sparbemühungen, die auch durch Regierungswechsel an Glaubwürdigkeit gewannen, honoriert. Der EU ist es Ernst mit dem Fiskalpakt und wird von einem starken Deutschland der europäischen Mitte geführt. Gleichzeitig sinkt die Glaubwürdigkeit der Ratingagenturen angesichts ihrer schlechten Prognosequalität in der Vergangenheit.
Manchmal sollte man also einfach die aktuellen Börsenkurse nachschlagen, um einen Blick in die Zukunft zu erhaschen. Gleichwohl ist eine kurzzeitige Überhitzung auf dem aktuellen Kursniveau relativ wahrscheinlich. Die stark gestiegenen Kurse in den vergangenen Tagen gingen mit eher sinkenden Handelsvolumina einher. Ein Warnzeichen!