Trotz der steilen Berg- und Talfahrt wurden keinem übel
Till Kleinlein in CFX Trader Kolumne
vom 29. September 2010, 08:30 Uhr
sieht man sich nur die Schlussstände der großen Aktienindizes an, könnte man meinen, am gestrigen Handelstag war Däumchendrehen angesagt. Weit gefehlt, denn die Marktteilnehmer wurden auf eine steile Berg- und Talfahrt mitgenommen. Sicher wurde dem einen oder anderen Börsianer dabei schlecht, denn die Bergbahn geriet kurzzeitig in Not als das US-Verbrauchervertrauen bekannt gegeben wurde. Dieses ging unerwartet stark zurück und riss die Aktienindizes damit in die Tiefe. Die Bergwacht musste dann aber nicht ausrücken, da wichtige Unterstützungszonen den Bullen doch noch die nötige Stabilität gaben - beim Dax etwa die 6.200er-Marke -, um sich wieder zu fangen. Die bullisch eingestellten Marktteilnehmer nutzten dann die Gunst der Stunde und sammelten Aktien billig und im großen Stil ein. Die Märkte sollen oben bleiben! So könnte die extrem starke Gegenbewegung am Nachmittag auch interpretiert werden. Die Bullen lassen sich derzeit auch von Nackenschlägen nicht aus dem Konzept bringen. Vielen Marktteilnehmern wurde trotz der steilen Bergfahrt nicht übel, denn die US-Indizes konnten in der Nähe ihrer Tageshochs schließen.
Für mein gestriges Experiment, die amerikanische Handelssession statt der deutschen zu traden war interessant, aber nur zum Teil erfolgreich. Schuster, bleib bei deinen Leisten! Diese Redewendung bewahrheitete sich, denn es dauert eben seine Zeit, bis man mit einem Handelsinstrument so weit vertraut ist, dass man es auch intraday handeln kann. Sicher habe ich früher sehr häufig den S&P 500 getradet, denn der US-Markt hat seine Vorteile -, schließlich orientieren sich alle anderen Börsen der Welt an ihm. Doch ist dies eben schon eine Weile her und bei den Aktienindizes bevorzuge ich seit langem den heimischen Dax, da dieser einfach besser zu meinen bevorzugten Arbeitszeiten, und damit meinem Familienleben passt. Die anderen getätigten Trades bestätigen die vorherige These, denn die beiden EUR/USD-Trades konnten einen respektablen Gewinn einfahren - beim S&P 500 musste ich einen Verlust hinnehmen. In Summe überwiegt aber das Positive und die Abwechslung hat gut getan.
Der Kurzüberblick:
| Dax: | -0,04% |
| Dow Jones: | +0,43% |
| S&P 500: | +0,07% |
| Nasdaq: | +0,07% |
| EUR/USD: | +0,05% |
| Gold: | +0,95% |
| Silber: | +1,07% |
| Öl (Sorte Brent): | +0,64% |
Trading-Chancen des Tages
Wie jeden Morgen setze ich mich auch heute mit dem Dax und dem Währungspaar EUR/USD auseinander. Dies ist meine ganz private Watchlist mit potenziellen Trades, welche kurzfristig ausgerichtet sind.
Dax (DAX.I): der Friedhof der Chancen
Die Marktteilnehmer durchlebten gestern ein Wechselbad der Gefühle. Zweimal wurde der Dax bis auf 6.200 Punkte abverkauft, um dann wieder kräftig hochgekauft zu werden. Aufgrund meines Wall Street-Experiments war ich beim Dax leider nicht aktiv. Wäre gestern besser gewesen, denn der deutsche Leitindex hat sich besser an Unterstützungs- und Widerstandslinien gehalten als seine amerikanischen Vorbilder.
Heute morgen wird der Dax nur etwa 15 Punkte unterhalb der 6.300er-Marke gesehen. Dem Widerstand, der gestern nicht nachhaltig geknackt werden konnte. Sollte es heute gelingen, kaufe ich den Dax. Zumindest eine Teil-Gewinnmitnahme am nahen Widerstand bei 6.319/20 Zählern nehme ich dann vor. Wird auch diese Hürde genommen, so ist die massive Kurs-Barriere, die bei 6.340 Punkten beginnt, das Ziel. Hier steige ich dann endgültig aus, falls sich die Bullen auf diesem hohen Kurs-Niveau wie gewohnt ängstlich zeigen - was sagen die Candlesticks? Tauchen beispielsweise lange Dochte im Minuten/ 5-Minuten-Chart auf? Ziehen sich die Bullen zurück, so quittiere ich dieses Verhalten mit einem Short-Einstieg. Gleiches gilt, wenn zwar diese Hürde genommen wird, aber an einem der später auftauchenden Widerstände (spätestens am Jahreshoch bei 6.382) dies zu erkennen ist. Schließlich ging dem Dax schon einige Male zwischen 6.342 und 6.382 Punkten die Luft aus, obwohl die Ampeln auf Grün standen. Man könnte diese breite Kurs-Zone daher auch als Friedhof der verpassten Bullen-Chancen bezeichnen.
Wird schon bei 6.300 Punkten der Rückwärtsgang gesucht oder aber fällt der Dax nach zuvor deutlich höheren Notierungen wieder unter die 6.300er-Marke zurück, so setze ich auf die Bären. Entscheidend könnte dann sein, wie sich der deutsche Leitindex an der 200er-Durchschnittslinie (lila Linie) verhält. Fängt diese, wie schon am gestrigen Abend, den fallenden Dax wieder auf, so eröffne ich eine Long-Position (und decke zuvor Short-Positionen ein). Der Bruch der 200er-Linie lässt mich an Short-Positionen festhalten bzw. neue Short-Positionen eröffnen.
Gestriges Ergebnis: kein Trade, da nicht gehandelt
Dax - 30-Minuten-Chart
Dax (DAX.I): Der Dax wurde gestern zwischen 6.200 und 6.300 Punkten wild hin und her geschickt.
Weiterhin gilt:
Bei allen Dax-Trades ist zu beachten, dass diese möglichst eng abgesichert werden. Für mich bedeutet das ein maximaler Verlust von 25 Punkten pro Trade, den ich bereit bin zu erleiden.
