Trötenalarm zu Karneval
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 14. Februar 2007 18:00 Uhr
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Ja, das Spiel geht weiter: Ein neues Hoch im Dax, Einbruch, die Kurse fangen sich und dann wieder ein neues Hoch. Wir kennen das, mir fehlt immer noch eine dynamische Entwicklung. Doch wen wundert es bei all der Unsicherheit, die immer noch im Markt ist: Es bilden sich überall neue "Tröten".
Definition:
„Tröten“ sind Broadening Formationen, die sich nur in den zwei Wochen um den Rosenmontag herum bilden und ansonsten hier in den letzten Wochen Trompeten genannt wurden:
Dieses Mal handelt es sich um eine nahezu perfekt symmetrische Tröte – passend zum Karneval – da soll noch jemand sagen, der Börsengott sei kein Jeck.
Sie merken also auch an den Charts, wir bewegen uns hier in Köln mit riesigen Schritten auf die Hochphase der närrischen Zeit zu. Ich werde diese Tage nutzen, um ein wenig auszuspannen (ja, tatsächlich ausspannen, nicht durchfeiern). Morgen schon werde ich nicht mehr auf die Konjunkturdaten eingehen können und ab Freitag bis einschließlich Montag hören Sie dann gar nichts mehr von mir. Sie werden aber natürlich wie gewohnt mit Artikeln von meinen Kollegen versorgt.
DaimlerChrysler bricht dynamisch das letzte Hoch
Zurück zum Markt. Das meinte ich, als ich schrieb: Wenn die Aktien, die kurz vor dem Hoch stehen, ausbrechen, wird es dynamisch. ThyssenKrupp ist über die 37 Euro Marke gehüpft und legt 5,6 % zu, aber auch Daimler Chrysler hat heute mal eben 5,4 % zugelegt:
Natürlich war hierfür auch die Nachricht verantwortlich, dass DaimlerChrysler eventuell Chrysler verkaufen will – ich bin gespannt, ob Daimler tatsächlich Chrysler abstoßen wird und wer der Käufer sein soll. Wer kauft denn Chrysler? Trotzdem ist es typisch, ein neues Hoch, und ab geht die Post. Es ist im Moment sowieso die Automobilbranche, aus der einige Aktien vor neuen entscheidenden Hochs stehen.
Autobranche bricht aus
Nach Daimler fehlt nun nur noch BMW. BMW hatten es kurz geschafft, über die 46,53er Marke zu schauen, sind aber dann doch wieder zurück gekommen. Schauen wir mal, ob die Aktie es im zweiten Anlauf schafft. Oder Continental, die heute auch über 2 % zulegen können und nun, nach fast einem Jahr Konsolidierung, wieder an der wichtigen 98er Marke stehen. Wenn Conti es schafft, rechne ich auch hier mit einem heftigen Move. Aber auch andere Werte aus der weiteren Umgebung der Autobranche stehen an entscheidenden Hochs. Lediglich VW führt ein Eigenleben und ist schon lange vorher ausgebrochen.
Und es sind natürlich DaimlerChrysler und Thyssen, welche den Dax heute nach oben pushen. Das meinte ich damit, als ich schrieb, dass diese neuen Hochs den Dax wie ein Nagel Schlag für Schlag nach oben treiben können.
Auf der anderen Seite kann man nun auch verschwörerisch vermuten, dass hier neue Hochs durch Nachrichten erzeugt werden, um Menschen in Aktien zu treiben, denen man dann die eigenen Papiere verkaufen kann. Wie Sie das sehen dürfte ganz an Ihrer eigenen Einstellung zu dem aktuellen Geschehen liegen. Aber diese Sichtweise passt auf jeden Fall zu der allgemeinen Marktstimmung zurzeit.
Seltsame Marktstimmung
Wissen Sie, was mir nicht gefällt ? Alle reden mittlerweile davon, dass es in diesem Jahr einen scharfen Einbruch geben wird. Als ich davon anfing, waren die meisten noch damit beschäftigt, den Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft durch die Mehrwertsteuererhöhung zu dramatisieren. Doch jetzt bin ich auf einmal mit dieser Einstellung (Anstieg bis Mitte 2007 und dann starker Einbruch) zum Mainstream geworden. Die Analysten haben mich sozusagen links und rechts eingeholt.
Ich mag es aber gar nicht, im Mainstream zu sein. Eben weil Mainstream, also das, was alle glauben, nur sehr selten das ist, was dann auch eintrifft. Noch habe ich keine Lösung für dieses Problem, aber ich arbeite daran.
Der bekannte Dax Chart
Der Dax-Chart lässt viele Interpretationen zu:
Sie sehen auf der einen Seite, dass der Dax aus dem engeren Aufwärtstrend nach oben ausgebrochen ist. Das ist bullish, könnte aber auch das letzte Aufbäumen vor dem Einbruch an die untere Linie werden, zumal noch diese obere Linie vorhanden ist. Nimmt man die Elliot Waves hinzu, dann müsste die letzte Bewegung genauso groß sein, wie die erste Aufwärtsbewegung ab 2003 (graue Kästen). Das ergäbe ein Kursziel von 7200 Punkten. Sie wissen, das ist das Kursziel im Dax, welches ich seit Herbst letzten Jahres anvisiert habe.
Allerdings ist da oben bei 8136 Punkten natürlich auch das Allzeithoch im Dax. Wer weiß, ob das nicht den Dax anziehen wird? Eigentlich natürlich erst dann, wenn es der Dax über die 7500er Marke geschafft hat. Trotzdem, zurzeit ist alles möglich.
Also, alle sind unsicher, kommt der Einbruch oder nicht? Ich bin wirklich gespannt, wie sich das auflösen wird, bin allerdings so frei, nachdem ich Ihnen seit Jahren diesen Aufwärtstrend zeige und immer nahezu uneingeschränkt bullish geblieben bin, egal was auch kam, jetzt einfach mal zu sagen: Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jot gejange. Kölle Alaaf! Zumindest bis Mittwoch.


