"Trick or treat"!
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 02. November 2004 12:00 Uhr
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Wie jedes Jahr am 1. November ziehen drei halbgekochte Halloween-Kürbis-Laternen vor dem Domizil der Amberger-Familie Ameisen an: Eine ist eine leuchtende "Hello Kitty", eine ist dekoriert mit "Spy vs. Spy" aus dem "Mad"-Heft und eine rohe Reißzeine im weit offenen Kürbis-Mund.
Halloween ist gekommen und gegangen. Die Kinder ziehen hier Halloween von Haus zu Haus und erhalten Süßigkeiten ("trick or treat"). Ich bin dieses Jahr mit einer Ketchup-Flasche und – inspiriert von den Schlagzeilen vom Wochenende – einem "Osama for Kerry"-Schild losgezogen: Mein ältester Sohn ist jetzt zum richtigen 6. Klasse Politiker geworden, und aktuell genießt er die Minderheitsrolle eines unerschrockenen Republikaners in einem richtigen Sumpf des Mittelschule-Liberalismus.
Die Reaktionen der Leute waren beeindruckend: Es gab ältere Damen, die das "Osama for Kerry"-Schild düster anstarrten ... ein junger Chirurg klopfte meinem Sohn auf die Schulter ... alleinstehende Mütter warfen giftige Blicke ... und ein Mann wieherte wie ein Pferd auf Lachgas.
Allerdings wurde kein einziger wirklich feindlich. Was entweder bedeutet, dass der demokratische Geist der Toleranz und des Verständnisses in unserer Nachbarschaft immer noch lebt und gedeiht – oder dass diejenigen, deren Gefühle angegriffen wurden, es schwer fanden, diesem Statement zu widersprechen.
Und wie könnten sie auch? Das Middle East Media Research Institute hat inzwischen eine komplette und genaue Übersetzung der auf Video aufgenommenen Tirade von Osama geliefert. Der bärtige Psychopath meint dort, dass die blauen "Pro-Kerry"-Staaten der Union als "im Frieden" mit al Qaeda befindlich betrachtet werden.
Das ist doch wirklich unglaublich großzügig, oder nicht?
*** Der Zuwachs der Ölpreise – seit Jahresbeginn 62 % – trifft das europäische Wirtschaftswachstum erheblich stärker als das amerikanische.
Die Produktion in der Eurozone ist so langsam wie noch nie seit 10 Monaten gewachsen (Quelle: NTC Research Ltd, für Reuters). Der entsprechende Index fiel im Oktober auf 52,4 Punkte gegenüber 53,1 im Dezember – den niedrigsten Wert seit Dezember 2003. Der Sub-Index für Auftragseingänge fiel im Oktober auf 52,6, nach 54,1 im Vormonat. Das war der niedrigste Wert seit September 2003. Und das Maß für die Beschäftigung im produzierenden Gewerbe zeigte einen Indexstand von nur 49,0 – was der niedrigste Wert seit Mai ist, und auf eine Kontraktion hinweist!
Die europäische Binnennachfrage ist durch die himmelhohe Arbeitslosigkeit und die wirtschaftliche Unsicherheit in Bedrängnis geraten – und dank der Euro-Blase hat die ausländische Nachfrage stagniert.
*** Ich hatte letzte Woche ja eine Analyse von Adam Lass (von WaveStrength) zum Dow Jones angekündigt. Diese Analyse hat nun seine Mitarbeiterin Ann Sosnowski übernommen:
"Und wir sind nervös?"
"Wenn Sie denken, dass Sie sich in einer nervösen Erwartungshaltung befinden, dann denken Sie nur einmal an die beiden Präsidentschaftskandidaten."
"Und dann denken Sie an das neue Gerede rund um das jüngste Videoband von bin Laden, und seinen Versuch, die Zahl der 'roten' Bundesstaaten (pro Bush) zu verringern. Obwohl es verständlich ist, warum wir die Botschaft von bin Laden so rechtzeitig erhalten haben, hat das die Leute nicht weniger nervös gemacht. Ich glaube, viele werden sich ziemlich bald vor Nervosität die Fingernägel beißen."
"Was noch schlimmer als diese Wahl-Unsicherheit ist: Es könnte noch nicht Morgen entschieden sein!"
"Und dann diese Unsicherheit in Bezug auf das aktuelle wirtschaftliche und politische Umfeld, in den USA und weltweit. So etwas gab es praktisch noch nie. Vor 4 Jahren fiel der Dow Jones um 1,7 %, nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der USA zur Präsidentschaftswahl. Das Verbrauchervertrauen ist in den USA in den letzten Monaten deutlich zurückgekommen, obwohl diese Werte in der Weihnachtszeit wieder steigen könnten. Ganz zu schweigen davon, dass der Dollar jede Woche gegenüber dem Euro auf ein neues Tief fällt. Und es könnte noch schlimmer werden."
"Die Wall Street erwartet eine 'Erleichterungsrally' – diese Rally könnte ausbleiben, wenn die Erleichterung wochenlang auf sich warten lassen würde. Und wenn die Wall Street den kommenden Präsidenten wirklich nicht mag, dann könnten wir damit rechnen, dass ein Abwärtstrend sein hässliches Haupt erheben wird."
"Was meiner Ansicht nach passieren wird?"
"Ich erwarte so oder so einen Kursrückgang. Meiner Einschätzung befindet sich der Aktienmarkt derzeit auf Höhen, die weniger stabil sind, als es die meisten gerne hätten. Die größeren Indikatoren befinden sich bei ihren Ellipse-Hochs. Beim Dow Jones tendiert sich das Momentum nach unten, und der MACD steht immer noch im unter-neutralen Bereich."
"Was für einen Kursrückgang ich prognostiziere? Für den Dow Jones rechne ich bis Wochenende mit einem deutlichen Kursrückgang auf 9.800 Zähler. Wenn Sie mir nicht glauben: Sehen Sie sich beim Tageschart des Dow einfach das Momentum der letzten Tage an. Und auch der Stochastik-Indikator turnt unter dem erwarteten und früheren Niveau herum."
"Leute, wir haben eine Parade von immer niedriger ausfallenden Topps hinter uns, und vor uns ist nichts als Luft."
"Egal, wer gewinnt – ein Dow Jones von 9.585 Punkten scheint für Anfang 2005 eine wahrscheinliche Möglichkeit zu sein."
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
J. Christoph Amberger,
Executive Publisher, The Taipan Group