Trends erkennen und handeln
Tom Firley in Investors Daily
vom 1. Dezember 2009, 18:00 Uhr
ENL5454
nach meiner gestrigen Darstellung "Orientierungstechniken an der Börse" fragte mich ein Leser, was denn Ende 2004 im Dax passiert wäre und wies mich darauf hin, dass in dem langfristigen Chart, die Einstiegspunkte kaum zu erkennen wären.
Da die gestern dargestellte Orientierungsstrategie sicherlich auch viele weitere Leser interessiert, schauen wir uns heute einmal „nur" den Bereich zwischen Sommer 2003 und Ende 2004 an. Sie wissen:
Insbesondere 2004 war für Börsianer und Trader kein leichtes Jahr. In einem langfristigen Chart habe ich den weiter unten behandelten Bereich mit einem schwarzen Rechteck markiert.
Chart Dax langfristig
Rekapitulieren wir noch einmal die gestern vorgestellte Strategie. Es gelten folgende, ganz einfache Kriterien:
- Kaufsignale werden nur dann befolgt, wenn der Dax-Kurs über dem 256-Tage-GD liegt.
- Als Beispiel nehmen wir als Signalgeber einen 20-Tage-GD.
- NEU: Der 20-Tage-GD zeigt ebenso den Ausstieg aus einer Kaufposition an
Vorab: Auch wenn die Strategie plausibel und gut erscheinen mag - ich empfehle Ihnen nicht, ausschließlich nach dieser GD-Überlegung zu handeln. Nutzen Sie diese (vielleicht) einfach als Grundlage für Ihre weiterführenden Ideen.
Chart Dax 2003 / 2004
Sie sehen im Chart jene Zeiträume, in denen die Strategie erfolgreich „im Markt" (also auf Kauf oder „long") war, als grüne Rechtecke markiert.
Die kleinen schwarzen und roten Punkte zeigen die Zeiträume, in denen die Strategie so gut wie nichts verdient hatte oder leicht im Minus lag. Sie erkennen aber an der Größe der Punkte, dass diese Ergebnisse fast zu vernachlässigen sind (oder sich im Ergebnis gegenseitig aufheben).
Fangen wir von vorne bzw. ganz links unten im Chart an:
Im Juni 2003 wurde der (rote) 256-Tage-GD nach oben durchbrochen (schwarzer Kreis). Kurz danach generierte der 20-Tage-GD das erste Kauf-Signal bei 3.199 Punkten (am 2. Juli 2004). Etwa einen Monat später (am 6. August) signalisiert der 20-Tage-GG bei einem Stand von 3.376 Punkten einen Ausstieg aus der Position. Unterm Strich wurde also ein Gewinn von 177 Punkten oder 5,5% erzielt.
Jetzt hören sich 5,5% Gewinn nicht bahnbrechend an. Andererseits wurde dieser Gewinn innerhalb eines Monats erzielt... was einer Jahresrendite von ca. 90% entspräche.
Summa summarum
Zählen wir alle Ergebnisse der grünen Rechtecke zusammen, kommen wir auf ein Ergebnis von insgesamt 1527 Punkten. Der Dax selbst ist in diesem Zeitraum von 3.199 auf 4.251 Punkte gestiegen, also 1.052 Punkte. So gesehen hätte diese Strategie also den Index outperformt (für einen CFD-Trader zum Beispiel wäre dies übrigens ein unglaubliches Ergebnis). ABER (großes ABER):
Der erfahrene Trader wird sicherlich bemerkt haben, dass diese Strategie einen Haken hat. Große Tagesschwankungen können nämlich hier die Suppe gehörig versalzen (da das System aus Schlusskursbasis fußt). Es müssten also noch einige weitere Kriterien beachtet werden, um das System zu optimieren. Daneben mag das System für einen Index ganz gut aussehen, für einzelne Aktien favorisiere ich eine andere Vorgehensweise (aber dies ist ein anderes Thema). Bitte beachten Sie:
Es gibt eben einfach auch kein System, dass langfristig immer funktioniert. Ich möchte Ihnen diese Strategie auch nicht „verkaufen" (sonst hätte ich einen anderen, einfacheren Zeitraum gewählt...). Schauen Sie ggf. noch einmal auf den Chart. Wenn Sie nur das Jahr 2004 betrachten, hätten Sie als Trader mit den zahlreichen Ein- Ausstiegen schon eine „Engelsgeduld" haben müssen.
Aber ich denke, ich habe Sie nun für den Denkansatz „Kaufe im Aufwärts-Trend" bzw. „Verkaufe im Abwärtstrend" sensibilisiert.
Überlegen Sie sich einfach selbst einmal eine Strategie. Wenn Sie nicht allzu „abgedreht" ist, senden Sie sie mir (ggf. werde ich diese dann hier „neutral" vorstellen). Wenn die Strategie Sinn macht, dann können Sie eigentlich nur noch daran scheitern, an dem auch die meisten anderen Trader scheitern... daran, die eigene Strategie auch diszipliniert umzusetzen.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
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