Trends 2011: Der wichtigste aller Trends
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 20. Dezember 2010, 16:00 Uhr
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ich hoffe, Sie hatten ein angenehmes Wochenende.
Zum Abschluss der kleinen Artikelreihe "Trends 2011" der letzten Woche möchte ich Ihnen nun noch den aus meiner Sicht größten und momentan wichtigsten Trend vorstellen, in dem wir uns befinden. Eigentlich müsste man hier korrekterweise von einem Zyklus sprechen, der bereits seit mehr als 2000 Jahren beständig immer wieder läuft.
Was Ihnen eine gute Kenntnis der Geschichte des Geldes bringt
Die wenigsten Menschen wissen heutzutage etwas über das aktuelle, moralisch nicht nur meines Erachtens äußerst verwerfliche Geldsystem oder die Geschichte des Geldes. Wäre dies der Fall, gäbe es wohl direkt weltweite Aufstände und Revolutionen und der ein oder andere Verantwortliche dürfte gar vom Mob an einem Laternenpfahl aufgehängt enden.
Nicht umsonst sagte schon Henry Ford vor einigen Jahrzehnten:
Es ist gut, dass die Menschen des Landes das Bankensystem und das Geldsystem nicht verstehen. Wenn sie dies täten, so glaube ich gäbe es eine Revolution vor morgen früh.
Schon oft habe ich hier bei Investoren Wissen den ein oder anderen Aspekt dieses riesigen Plünder- und Diebstahlsystems angeschnitten, doch auf einen Punkt kam ich bisher nicht zu sprechen. Die Rede ist von einem der wohl wichtigsten Investment-Zyklen, der sich durch mehr als 2400 Jahren der menschlichen Geschichte zieht.
Hierfür möchte ich zunächst eine begriffliche Unterscheidung einführen und zwar trenne ich Geld und Währung als Konzepte voneinander (vieles von dem, was ich Ihnen heute schreibe, findet sich übrigens auch in einem wirklich sehr guten, englischsprachigen Buch "Guide to Investing in Gold & Siver" von Michael Maloney, falls Sie das Thema etwas vertiefen möchten - kann ich Ihnen nur empfehlen!).
Währung vs. Geld
Die meisten Menschen halten die Begriffe Währung und Geld für austauschbar, doch das sind sie eigentlich nicht:
Als Währung sei hier ein Austauschmittel bezeichnet, was an sich keinen bzw. kaum einen Wert hat, jedoch dafür benutzt werden kann, um Vermögensgegenstände, also Dinge mit tatsächlichem inneren Wert, zu erwerben.
Geld wiederum ist auch eine Währung, unterscheidet sich jedoch vom oben genannten Konzept dadurch, dass es auch über einen inneren Wert bereits von sich aus verfügt. Unter einer Fiat-Währung hingegen versteht man eine Währung, welche erst durch ein Regierungsdekret oder den Beschluss einer bestimmten Gruppe einen Wert zugewiesen bekommt.
Diese zwei Definitionen mögen vielleicht anfangs etwas seltsam anmuten, doch helfen sie, einige Punkte in den folgenden Abschnitten etwas klarer zu machen.
Noch eine weitere Definition: Unter Inflation verstehe ich nicht die moderne Vernebelung des Begriffs in "steigende Preise eines Warenkorbs", sondern das, was sie eigentlich ist, eine Weitung der Geldmenge. Steigende Preise sind in der Regel erst eine Folge hiervon. Zur begrifflichen Abgrenzung bezeichne ich dies als Preisinflation.
Der ewige Kampf zwischen Edelmetallen und Politikern
Seit 4500 Jahren sind Gold und Silber nun schon die stärksten Währungen, doch zu Geld wurden sie erst 680 v. Chr. in Lydien, als man begann, diese in Münzen gleichen Gewichtes zu schmelzen, um den Handel einfacher und reibungsloser zu machen. Der wirkliche Durchbruch wurde jedoch erst in Athen, der ersten Demokratie der Welt erzielt. Athen florierte lange Zeit unter seinem System des freien Marktes und seiner Geldordnung, jedoch dann kamen zunehmend länger und teurer als erwartete Kriege und man begann erstmals, um den Krieg weiter laufen lassen zu können, die eigene Währung abzuwerten. Dies geschah, indem man den Gold- und Silbermünzen weitere Metalle wie z.B. 50% Kupfer beimischte. Und wie durch ein Wunder ließen sich aus 100 per Steuer eingesammelten Goldmünzen 200 Münzen machen. Das "deficit spending" war geboren, ein Prozess, der auch heute noch wunderbar von den diversen Regierungen wie z.B. in der EU oder den USA und zahlreichen weiteren Ländern praktiziert wird.
Auf diese Weise entstand das erste Mal ein Preis für Gold und Silber außerhalb des bisherigen Systems. Gab man bisher die Preise in Goldgewicht und Silbergewicht an, konnte man nun mit "Regierungsgeld" echtes Gold und Silber kaufen. Und wie zu erwarten war, folgte auf den ursprünglichen "Sündenfall" eine immer weitere Abwertung, so dass von dem ursprünglichen Geld Athens nicht viel mehr als eine Währung übrig blieb (vgl. obige Definitionen).
Die, welche an echtem Gold und Silber festgehalten hatten, also an Geld, konnten zusehen, wie ihre Kaufkraft immer weiter stieg, da die Massen Richtung Gold und Silber stürmten. Die Einwohner, welche auf Regierungsgeld, also auf die reine Währung setzten, verloren dramatisch an Kaufkraft.
Die Geschichte der Menschheit ist vollgestopft mit derartigen Beispielen
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es sich bei dem oben genannten Beispiel nicht um einen Einzelfall handelt. Im Gegenteil:
Sei es im alten Rom unter Diokletian, John Law in Frankreich, der Weimarer Republik oder zahlreichen anderen Fällen...
Kurz gesagt, es findet sich ein Zyklus, der sich meist wie folgt wiederholt:
Eine Gesellschaft startet mit einer soliden Währung, die durch Edelmetalle oder einem anderen, nicht beliebig vermehrbaren Element bzw. realem Wert, ausgestattet ist. Die Gesellschaft bzw. das jeweilige Land/Imperium gewinnt an Einfluss und beginnt, immer mehr finanzielle Verpflichtungen aufzuhäufen (Kriege, "freie" Programme für die Massen wie etwa Essen, Soziales, etc.). Damit lebt es jedoch früher oder später über seine Verhältnisse und beginnt als Reaktion mittels Abwertung der eigenen Währung bzw. Entfernung des bremsenden Elements der Vervielfachung der Währung letztlich eine Fiat-Währung einzuführen. Gerade am Anfang der Fiat-Währung gibt es meist einen kräftigen wirtschaftlichen Schub. Dann gehen die Dinge meist eine Zeit gut, jedoch früher oder später wird durch die beständige und zu starke Ausweitung der Geldmenge ein Prozess bei der Masse in Gang gesetzt, der sie dazu bringt, letztlich in Gold- und Silber zu flüchten, wenn sie erkennt, wie sehr ihr durch den Staat bzw. die Finanzhydra die Kaufkraft durch die stets an Wert verlierende Fiat-Währung geraubt wurde.
An diesen geschichtlichen Punkten "erwachen" Gold und Silber in der Regel und beginnen ihren Aufstieg und führen eine Preisanpassung durch bzgl. der inzwischen kreierten und massiv geweiteten Geldmenge.
Bisher hat in der Geschichte keine Fiat-Währung jemals dauerhaft überlebt. Bezeichnend war dabei für jeden Zyklus, dass es stets "Experten" und "Starökonomen" gab, die der Meinung waren, dass es diesmal doch dank ihrer wunderbaren Theorien mit der Fiat-Währung klappen müsse und man nun endlich Wohlstand von der Druckerpresse erzeugen kann. Wer jedoch über den Tellerrand in die Geschichte sah, konnte relativ gut erkennen, worauf das sprichwörtliche wirtschaftliche Boot zusteuerte.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von RS HH (20.12. 2010 17:34 Uhr):
Tolle Erklärung im Kurzformat! "Wer jedoch über den Tellerrand in die Geschichte sah, konnte relativ gut erkennen, worauf das sprichwörtliche wirtschaftliche Boot zusteuerte." Eigentlich reicht ja der gesunde Menschenverstand, um zu wissen, dass es ein Perpetuum Mobile auch bei Finanzen nicht gibt. RS
Antworten - Kommentar von Erich Gysel (20.12. 2010 17:42 Uhr):
Entweder habe ich ihre Definition von Geld nicht verstanden, oder sie ist falsch. Da Geld in einer Notenbankbilanz auf der Passivseite steht, ist Geld primär = Schulden. Und Banknoten sind demzufolge umlauffähig gemachte Schuldscheine. E. Gysel
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (20.12. 2010 20:10 Uhr):
Ich definiere Geld als eine Währung mit von sich aus innerem Wert. Das ist sicher nicht das, was man im Lehrbuch liest, doch ging es mir hier mehr darum, eine Abgrenzung zu Währung, also dem Tauschmittelaspekt ohne eigenen Wert zu schaffen. Das Zeug, was Sie heute in den Notenbankbilanzen finden, ist Fiatwährung und nach meiner Definition kein Geld, da es nicht von sich aus einen eigenen Wert hat sondern erst per Dekret. Vielleicht macht das meinen Gedanken etwas klarer? Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von RS (21.12. 2010 00:36 Uhr):
Sorry, Erich Gysel. Leider sind Passivseite und Banknotenumlauf nicht zwingend identisch. Die Notenbank kann sich im Prinzip einbuchen, was sie will. RS
- Antwort von Erich Gysel (21.12. 2010 14:47 Uhr):
Das habe ich auch nicht behauptet. Der Banknotenumlauf ist natürlich nur ein Teil der Passivseite. Natürlich gibt es dort auch die Girogelder und weitere Passivposten. E. Gysel
- Antwort von Alexander Hahn (20.12. 2010 20:10 Uhr):
- Kommentar von Wolfgang Theuss (21.12. 2010 13:17 Uhr):
zur Illustration Ihres Vortrags eine Anlage aus den 50er Jahren (per separater Mail), sicher nicht ganz Ihre Zeit! beste Grüße W.T.
Antworten - Kommentar von Michael Scheingraber (22.12. 2010 17:51 Uhr):
Vielen Dank, das war in wieder einmal in der notwendigen Kürze auf den Punkt gebracht !
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