Transparenz im Geldsystem
Hon. Ron Paul in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. März 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Eine Darlegung für ein Hearing vor dem House Financial Services Committee: “Geldpolitik und die Lage der Wirtschaft.“
Transparenz in der Geldpolitik ist ein Ziel, dass wir alle unterstützen sollten. Ich frage mich oft, warum der Kongress so bereitwillig sein Vorrecht über die Geldpolitik aufgegeben hat. Erstaunlicherweise hat der Kongress im Grunde genommen vollständig die Kontrolle über den Wert unseres Geldes der verschwiegenen Zentralbank überlassen.
Der Kongress hat die Federal Reserve ins Leben gerufen, hatte jedoch keine verfassungsrechtlich zugesicherte Autorität, genau das zu tun. Wir vergessen, dass die Macht, die dem Kongress nicht ausdrücklich durch die Verfassung zugestanden wird, dem Kongress im Grunde genommen versagt ist – und damit war auch die Autorität, eine Zentralbank zu gründen, niemals gegeben. Natürlich haben schon Jefferson und Hamilton früh darüber diskutiert, aber die Debatte schien 1913 abgeschlossen zu sein.
Transparenz und Aufsicht sind jedoch zwei verschiedene Dinge, und sie müssen bedacht werden. Der Kongress hat, wenn auch nicht auf der Basis des Gesetzes, im Prinzip alle seine Aufsichtspflichten über die Federal Reserve aufgegeben. Es gibt keine wirklichen Buchprüfungen, der Kongress weiß nichts über die Unterhaltungen, Pläne und Aktionen, die jedes Jahr in Übereinstimmung mit anderen Zentralbanken getroffen werden. Wir bekommen Jahr für Jahr weniger Information über die Geldmenge, ganz besonders heute, wo die Zahlen der Geldmenge M3 nicht länger veröffentlicht werden.
Die Rolle, die die Fed in der verschwiegenen „Working Group on Financial Markets“ spielt, bleibt von den Mitgliedern des Kongresses unbemerkt. Die Federal Reserve zeigt keine Bereitschaft, den Kongress freiwillig darüber zu informieren, wie oft sich die Working Group trifft, welche Aktionen, die die Finanzmärkte betreffen, von ihr veranlasst werden oder warum diese Aktionen veranlasst werden.
Doch diese Aktionen, geleitet von der Federal Reserve, verändern die Kaufkraft unseres Geldes. Und diese Kaufkraft wird immer geringer. Der Dollar ist heute, verglichen mit dem Dollar von 1913, als die Federal Reserve gegründet wurde, nur noch vier Cent wert. Das hat einschneidende Konsequenzen für unsere Wirtschaft und politische Stabilität. Alle Papierwährungen können von Zusammenbrüchen betroffen sein und in der Geschichte gibt es zahlreiche Beispiele großen Leids, welches durch diese Zusammenbrüche verursacht wurde, ganz besonders in der Mittel- und Unterschicht der Nationen. Das führt zu politischen Unruhen.
Doch schon ehe ein Währungseinbruch auftritt, ist der Schaden, der durch ein ungedecktes Geldsystem verursacht wird, bedeutend. Unser Geldsystem überträgt Wohlstand heimtückisch von der Unter- und Mittelschicht auf die privilegierten Reichen. Die Löhne halten nie mit den Profiten der Wall Street und der Banken mit und säen so die Saat der Unzufriedenheit ganzer Klassen. Wenn wirtschaftliche Probleme zuschlagen, dann werden dafür oft der freie Markt und der freie Handel verantwortlich gemacht, während die schädlichen Einflüsse eines ungedeckten Geldsystems ignoriert bleiben. Wir betrügen uns selbst, wenn wir denken, alles sei gut in der Wirtschaft und wenn wir die grundlegenden Mängel ignorieren, die die Quelle der wachsenden Unzufriedenheit unter denen sind, die an dem Überfluss der letzten Jahre keinen Anteil hatten.
Nur wenige begreifen, dass unser gegenwärtiger Konsum und scheinbarer Wohlstand von dem Leistungsbilanzdefizit von 800 Milliarden Dollar im Jahr abhängen. Dieses Defizit zeigt, ein wie großer Teil unseres Wohlstandes auf Krediten basiert und nicht auf einem wahren Anstieg in der Produktion. Statistiken beweisen Jahr für Jahr, dass Arbeitsplätze in der Produktion auch weiterhin ins Ausland abwandern. Dieses Phänomen wird nicht als Folge des internationalen ungedeckten Geldsystems aufgefasst, bei dem die amerikanische Regierung als Herausgeber der Reservewährung der Welt profitiert.
Regierungsvertreter behaupten geschlossen, dass die Inflation bei knapp 2% unter Kontrolle sei, aber Amerikas Mittelklasse weiß, dass ihre Kaufkraft – ganz besonders dann, wenn es um Wohnkosten, Energie, medizinische Versorgung und Ausbildungskosten geht – schneller als um 2% im Jahr fällt.
Selbst wenn die Preise unter Kontrolle blieben, trotz unserer Geldinflation, dann lenkt die Konzentration auf den Verbraucherpreisindex vom wahren Problem ab. Wir müssen uns um die wichtigen Konsequenzen der Manipulierung durch die Fed auf die Zinssätze kümmern. Wenn die Zinssätze künstlich gering, d.h. unter Marktniveau, gehalten werden, dann führen heimtückische Fehlinvestitionen und übermäßige Verschuldung unvermeidlich zu dem wirtschaftlichen Rückgang, den alle befürchten.
Wir sehen uns die Zahlen des Bruttoinlandsproduktes an, um uns zu versichern, dass alles gut läuft, doch eine wachsende Zahl von Amerikanern kommt nicht mehr in den Genuss des höheren Lebensstandards, den die Geldinflation einigen wenigen Privilegierten verschafft. Diese wenigen haben zuerst Zugang zu dem neu in Umlauf gebrachten Geld, ehe der Wert verwässert wird.
So lag z.B. vor dem Zusammenbruch des Bretton Wood Systems das Einkommen eines Geschäftsführers ungefähr bei dem 30fachen eines einfachen Arbeiters. Heute liegt es eher in der Nähe des 500fachen. Es ist schwer, das allein über die Kräfte des Marktes und steigende Produktivität zu erklären. Eine Firma der Wallstreet hat im vergangenen Jahr Prämien von insgesamt 16,5 Milliarden ausgezahlt. Es gibt wenig Hinweise darauf, dass das den Kapitalismus des freien Marktes repräsentiert.
Gemessen an den Dollar von 2006 lag der Mindestlohn vor dem Zusammenbruch von Bretton Woods 1971 bei 9,50 Dollar. Heute ist dieser Dollar 5,15 Dollar wert. Der Kongress bejubelt sich selbst, weil er die Mindestlöhne über Mandat erhöht hat, doch die Wahrheit ist, dass man die Mindestlöhne reduziert hat, als man der Fed erlaubte, den Dollar zu entwerten. Wir müssen darüber nachdenken, wie die wachsenden Ungleichgewichte, die durch unser Geldsystem entstehen, zu sozialem Unfrieden führen werden.
Das Bruttoinlandsprodukt wächst heute angeblich mit 3,5% und jeder ist zufrieden damit. Doch was wir dabei nicht erfassen, ist, in wie weit Regierungsausgaben für Berechtigte zu diesem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes beitragen. Wenn eine Infrastruktur wieder aufgebaut wird, nachdem sie von einem Hurrikan zerstört wurde, was uns lediglich wieder auf Null bringt, dann hält man das für einen Teil des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts. Die Profite an der Wall Street, die durch den Anstieg der Geldmenge durch die Fed in die Höhe getrieben werden, tragen auch zum statistischen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes bei. Wenn man einfach nur militärische Waffen kauft, die keinen Beitrag zum Wohlbefinden unserer Bürger leisten und so Geld zum Fenster herauswirft, dann trägt auch das zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes bei. Keiner dieser Faktoren stellt wirkliches Wachstum des wirtschaftlichen Outputs in irgendeiner Art dar. Also sollten wir nicht sorglos einfach nur die irreführenden Zahlen des Bruttoinlandsproduktes zitieren, welche nicht wirklich das wiederspiegeln, was in der Wirtschaft vor sich geht. Trügerische GDP Zahlen erklären teilweise, warum sich so viele Leute in die Enge getrieben fühlen, trotz unserer angeblich boomenden Wirtschaft.
Aber da unser ungedecktes Dollarsystem so bald nicht verschwunden sein wird, würde es dem Kongress und dem amerikanischen Volk gut tun, etwas mehr Transparenz dahinter zu bringen, wie und warum die Geldpolitik der Fed wirkt.
Um einen Anfang zu machen, sollte die Federal Reserve:
Anfangen, die M3 Statistiken wieder zu veröffentlichen. Lasst uns die Zahlen sehen, die am deutlichsten enthüllen, wie viel neues Geld die Fed in die Weltwirtschaft pumpt.
Berichtet genau, was die President's Working Group on Financial Markets tut und warum.
Erklärt, wie die Zinssätze festgelegt werden. Die Konservativen bekennen sich dazu, den freien Markt zu unterstützen, ohne Lohn- und Preiskontrollen. Doch der wichtigste Preis von allen, der Preis des Geldes, so wie er durch die Zinssätze bestimmt wird, wird auf undurchsichtige Weise im Geheimen von der Fed und nicht von den Märkten festgesetzt. Warum lässt sich an dieser Politik nicht rütteln? Warum gibt es hier nicht wenigstens eine Eingabe durch den Kongress?
Ändert die rechtlich heiklen Gesetze, damit das verfassungsgemäß legale Gebot (das Warengeld) im Inland wieder mit dem Dollar in Wettbewerb treten kann.
Wie kann eine Politik der stetigen Entwertung unsere Währung moralisch verteidigt werden, wenn man weiß, welchen Schaden sie denjenigen zufügt, die immer noch an das Sparen glauben und daran, Verantwortung für sich selbst und ihre Rentenjahre zu übernehmen? Ist es noch ein Wunder, dass wir eine Nation der Schuldner sind und keine Nation der Sparer?
Wir brauchen mehr Transparenz darüber, wie die Federal Reserve ihre Geldpolitik ausführt und wir brauchen diese Transparenz sehr bald.