Trailing Stopps im Test
Von Dr. Steve Sjuggerud in Investoren Wissen
vom 14. April 2005 16:00 Uhr
ENL5454
Funktionieren Trailing Stopps überhaupt?
Gefühlsmäßig, ja ... Denn wenn wir ein System haben, dass uns zwingt, unsere Verlierer aus dem Depot zu werfen und unsere Gewinner laufen zu lassen, sind wir in der Lage immer auf der Siegerseite zu sein. Aber wie sieht es mit der Statistik aus? Kann man es auch mathematisch beweisen?
Unser Leser Richard Smith ging dieser Frage auf den Grund. Er ist auch hoch qualifiziert dafür. Denn er ist Doktor der Mathematik und ein Absolvent der angesehenen Berkeley Universität. Außerdem ist er noch ein belesener Trader und Computerspezialist.
In unserem Test wollten wir herausfinden, ob ein einfacher Trailing Stopp ein Handelssystem verbessern kann (bei einem Trailing Stopp wird der Stopp mit steigenden Aktienkursen erhöht und bleibt dabei immer in einem von vorneherein festgelegten Abstand zum aktuellen Kurs). In unserem Versuch brachte der Stopp tatsächlich einen höheren Gewinn als das System. Das Risiko war niedriger, der Zeithorizont kürzer.
Wir untersuchten den S&P 500 zwischen 1927 und Ende 2004 aufgrund wöchentlicher Zahlen. Unser einfaches System verwendete gleitende Durchschnitte von 45 Wochen.
Das System funktionierte ganz einfach:
Kaufen, wenn der S&P 500 in einer Woche über seinem 45 Wochen Durchschnitt schließt.
Verkaufen, wenn der Markt unter dem gleitenden Durchschnitt schließt.
Das ist alles.
Die meisten Theoretiker wollen nicht bestätigen, dass man mit einer Strategie mit gleitenden Durchschnitten das Risiko senken und die Gewinne steigern kann. Jeremy Siegel von der Yale-Universität untersuchte es in einem Buch und folgerte:
"Der größte Gewinn dieser Strategie liegt in der Senkung des Risikos. Wenn man weniger als zwei Drittel der Zeit investiert ist, sinkt die Standardabweichung der Gewinne um ein Viertel."
Siegel sagte, das selbst im schlechtesten Fall "die Strategie der gleitenden Durchschnitte über 200 Tage selbst mit Transaktionskosten vor größeren Verlusten schützt und trotzdem den Gesamtgewinn nur geringfügig reduziert".
Hier ist das Ergebnis, wenn Sie einen Trailing Stopp zu diesem System der gleitenden Durchschnitte hinzufügen:
Wer den S&P 500 nach der Strategie "Kaufen und liegen lassen" 1927 gekauft hat, machte im Durchschnitt einen Gewinn im Jahr von 5,94 %. Können Sie das glauben, dass es nur so wenige ist? Der S&P 500 ist allerdings ein Kursindex, der die Dividenden nicht mit einbezieht. Außerdem gab es in dem Zeitraum am Anfang den Crash von 1929 und die Internetblase am Ende. Deshalb ist der jährliche Kursgewinn so niedrig.
Wenn man Siegels Strategie der gleitenden Durchschnitte mit 45 Wochen verwendet, lag der auf das Jahr hochgerechnete Gewinn bei 8,38 %. Dabei war man nur 32,2 % der Zeit investiert.
Mit einem Trailing Stopp von 10 % verbesserte sich der aufs Jahr hochgerechnete Gewinn auf 8,94 %. Und man war sogar nur 30,2 % der Zeit investiert.
In beiden Fällen waren Sie also mehr als zwei Drittel der Zeit gar nicht investiert. Deshalb gab es in dieser Zeit auch kein Risiko.
Weil man nur so kurze Zeit investiert war, war die "Kaufen und liegen lassen" Strategie insgesamt beim Gesamtertrag besser. Wie auch immer, wenn Sie die an der "kaufen und liegen lassen" Strategie festgehalten haben, hatten Sie ein sehr hohes zusätzliches Risiko für einen nicht sonderlich hohen zusätzlichen Ertrag.
Wenn Sie dazurechnen, dass Sie mit dem Geld in der Zeit, wo Sie nicht investiert waren 3 % Zinsen im Jahr bekommen hätten, dann hätten Sie mit "kaufen und liegen lassen" zwar immer noch mehr Geld verdient, aber mit einem viel höheren Risiko.
Das Handelssystem mit dem Trailing Stopp lag also nur auf dem zweiten Platz beim Gesamtgewinn. Und das System der gleitenden Durchschnitte ohne Stopp lag ganz am Ende. Diese beiden lagen hinter der Strategie des "Kaufen und liegen lassen" aber nur ein klein wenig mehr als 1 % im Jahr. Dabei war man allerdings weniger als ein Drittel der Zeit investiert.
Siegel's Folgerungen aus dem System der gleitenden Durchschnitte sind genau richtig. Und wenn man den Trailing Stopp bei den gleitenden Durchschnitten anwendet, verbessern sich die Ergebnisse weil man wesentlich kürzer investiert ist und einen vergleichsweise höheren Gewinn macht.
Siegel sagte es einfach treffend: "Der größte Gewinn dieser Strategie liegt in der Senkung des Risikos. Wenn man weniger als zwei Drittel der Zeit investiert ist, sinkt die Standardabweichung der Gewinne um ein Viertel."
Und der 10 prozentige Trailing Stopp bringt noch bessere Ergebnisse.
Selbst im schlechtesten Fall: "Es ist keine Frage dass die Strategie der gleitenden Durchschnitte selbst mit Transaktionskosten größere Verluste vermeidet und den Gesamtgewinn trotzdem nur gering reduziert."
Unser Ziel war aber nicht das System von Siegel zu testen, sondern zu testen, ob ein einfacher Trailing Stopp ein System verbessern kann. Wir nutzten Siegels System nur als Beispiel. Im ersten Test mit dem 10 prozentigen Trailing Stopp, schafften wir einen höheren Gesamtgewinn als mit dem getesteten System – mit weniger Risiko und einer geringeren Investitionszeit. Großartig!
Richard und ich testen weiter und lernen mehr. Aber dieses erste Ergebnis ist vielversprechend.
P.S. Warum 10 % Trailing Stopp fragen Sie sich vielleicht? Da wir den Gesamtmarkt testeten und nicht eine Einzelaktie, brauchten wir einen engeren Stopp als den gewöhnlichen 25prozentigen Trailing Stopp, den ich normalerweise bei Einzelaktien empfehle. Und mit einer Strategie der gleitenden Durchschnitte ist es sehr unwahrscheinlich, dass Sie einen 25prozentigen Trailing Stopp jemals auslösen.
Aber warum 10 % und nicht zum Beispiel 11 % oder 9 %? Wir wissen es im Moment auch nicht. Wir behaupten nicht, dass es eine ideale Größe ist. Es ist einfach nur ein guter Ausgangspunkt. Er ist groß genug für eine gewisse Volatilität des Marktes und eng genug damit der Stopp auch ausgelöst wird. Wir fanden niemanden, der zur Zeit Stopps testet und seine Ergebnisse veröffentlicht. Nur William O'Neil verwendet in einem Buch einen Stopp von 7 bzw. 8 %. Er sagt aber auch nicht warum er genau diesen Wert nimmt.