Trägt eine Gesetzeslücke die Schuld am hohen Ölpreis?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 9. Juni 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
CFTC ermittelt
Neben der US-Dollar-Abwertung die ja bekanntlich einen massiven Einfluss auf den Anstieg der Ölpreise hat und von niemandem weggeleugnet werden kann, gibt es also diesen dubiosen spekulativen Faktor der inzwischen in aller Munde ist, den aber niemand immer so ganz nachvollziehen kann. Wie jetzt zum Beispiel: denn trotz des horrenden Preissprungs in der letzten Woche zeigen die CFTC-Daten eher ein Abnehmen der Netto-Long-Postionen der Spekulanten.
Was hat das zu bedeuten? Nun möglicherweise liegt es daran, dass die Terminmarktaufsichtsbehörde CFTC nun damit begonnen hat im Ölmarkt zu ermitteln. Dies kann schon Einige dazu gebracht haben ihre Positionen glatt zu stellen und einfach mal aus dem Ölmarkt zu verschwinden.
Tatsächlich ermittelt die CFTC nun wegen Insider-Handels. Das ist aber im Rohstoffmarkt gar nicht so einfach, denn anders als beim Aktienhandel gar nicht strafbar. Denn im Rohstoffmarkt darf man ruhig sein Insiderwissen nutzen, allerdings darf man keine unwahren Gerüchte streuen um andere Marktteilnehmer irre zu führen. Und nun beweisen Sie das mal...
Das ist so ähnlich wie wenn man zu Goldman Sachs oder Morgan Stanley gehen würde - deren Analysten ja in der jüngsten Vergangenheit mehr als einmal den Ölpreis auf 150 - 200 USD rauf gepredigt haben, wobei jeweils nach Veröffentlichung des Berichts ein starker Preisanstieg zu beobachten war - und ihnen vorwerfen würde den Ölpreis zu manipulieren, da sie selbst ja investiert sind.
Nun was ich damit sagen will, ist ganz einfach nur, dass es die CFTC nicht ganz so leicht haben wird bei ihren Bemühungen. Doch richtig schwer wird es aufgrund einer ganz anderen Geschichte: aufgrund einer Gesetzeslücke nämlich.
Eine Gesetzeslücke die bis auf Enron zurückgeht
Sie erinnern sich bestimmt noch an Enron, den Energiekonzern der 2001 zusammenbrach. Vor dem Zusammenbruch gelang es dem Konzern aber noch eine Gesetzeslücke zu schaffen, die jetzt dazu führt, dass überhaupt nur ein Bruchteil des Ölhandels von den Behörden überhaupt überwacht werden kann.
Ja, denn der Handel mit Kontrakten die nicht an einer Börse gelistet sind wird schlicht und ergreifend gar nicht von der CFTC überwacht.
Michael Greenberger, Professor an der University of Maryland geht davon aus, dass sich aber hier der Großteil der Spekulanten tummelt. Er schätzt, dass auf diese Weise über 70 % des Handelsvolumens auf dem gesamten Ölmarkt von Spekulanten generiert wird.
Tja, liebe Leser, ob das die Antwort auf alle Fragen ist, vermag ich Ihnen auch nicht zu sagen. Aber eines kann ich Ihnen mit Gewissheit sagen: wie ich schon einmal auf eine Leseranfrage Ende Dezember im Daily antwortete, wird meiner Meinung nach der Ölmarkt zunehmend nicht mehr nur durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern durch eine wie ich es damals ausdrückte imaginäre Nachfrage.
Was ich damit sagen will? Investitionen in Rohstoff-Indizes erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Seit 2003 ist das Volumen von 13 auf 260 Milliarden US-Dollar gestiegen.
Und hier kommen nun wieder die Besonderheiten der Terminmarktstrukturen ins Spiel. Denn grundsätzlich kauft man am Terminmarkt um sich eine Ware später anliefern zu lassen. Wer aber in Rohstoffe nur investieren will, der will nicht 100 Fässer Öl geliefert bekommen. So entsteht eben eine imaginäre Nachfrage, denn es kommt ganz einfach nie zur Erfüllung der Kontrakte. Stattdessen wird die Position nur immer weiter in den nächsten Kontraktmonat gerollt.
Laut Michael Masters einem Wall-Street-Mann der vor Kurzem vor dem US-Kongress aussagte, sind in den vergangenen 5 Jahren die Rohölkontraktkäufe durch Rohstoff-Indizes um 848 Millionen Barrel gestiegen. Das ist fast so viel wie der reale physische Nachfrageanstieg durch China im gleichen Zeitraum - der beträgt nämlich 920 Millionen Barrel.
So long liebe Leser....also bleibt einem nur noch im Namen der Weltwirtschaft darauf zu hoffen, dass doch in Bälde der horrend hohe Ölpreis wieder fallen möge...hoffen wohl gemerkt; gehen Sie um Himmels Willen jetzt noch nicht short (natürlich auch nicht long :-) ,sage ich als Ölbär)...denn wie die letzten Wochen und Monate gelehrt haben ist eines gewiss: der Ölpreis macht vorläufig noch was er will....damit verbleibe ich bis morgen
Ihre Miriam Kraus