Trading-Tipp: Wie Sie den "Drang nach Action" vermeiden
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 23. Juli 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
viele Anleger, die ich kenne, haben sich schon mit dem schnellen Traden versucht - und sind gescheitert.
Das heißt natürlich keinesfalls, dass es durch Daytrading bzw. andere kurzfristige Strategien nicht möglich ist, Geld zu verdienen. Im Gegenteil, einige Leute verdienen sich damit geradezu dumm und dämlich. Doch haben die meisten Anleger, die sich hieran versuchen, ein Problem. Viele wissen es nicht einmal.
Ich sage ganz offen, dass ich auch mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen hatte. Es ist schon gut ein paar Jahre her, aber ich erinnere mich noch sehr deutlich daran: Damals hatte ich gerade einige neue Dinge über die Börse, die technische Analyse und über Optionen gelernt und beschlossen, unbedingt mir möglichst schnell die Taschen füllen zu wollen. Ich wollte mein Geld ständig in Bewegung halten, keinen Tag "ungenutzt" verstreichen lassen.
Oberflächig betrachtet könnte man meinen, es war nur eine Frage der Übermotivation. Schließlich hatte ich etwas neues gelernt und wollte es unbedingt einsetzen. Das wahre Problem war aber ein anderes: Vor ein paar Jahren war ich mit meiner finanziellen Situation sehr unzufrieden. Ich war nicht arm und hatte, objektiv betrachtet, eigentlich gar keinen Grund zu klagen; doch ich wollte mehr.
Dieser Drang sprichwörtlich nach vorne schreiten zu wollen, entlud sich im Trading. Obwohl ich die Techniken, die ich gelernt hatte, richtig einsetzte, verschandelte ich mir nicht selten eine ganze Reihe an Trades. Mal stieg ich zu früh aus, mal zu früh ein. Ein andermal beachtete ich nicht alle Kriterien, um das Geld "in Bewegung zu halten".
Zum Glück dauerte es nicht lange, bis ich begriff, dass etwas nicht stimmte. Erst dann begann ich, wirklich gute und weitgehend kontinuierliche Gewinne zu erwirtschaften.
Wie kaum ein anderes Handwerk ist Trading eine Kunst, die Ihnen immer wieder Ihren eigenen Charakter und emotionalen Zustand aufzeigt. Nicht jeder kommt hiermit wirklich zurecht. Nur die wenigen Trader, die es schaffen, sich selbst nicht im Weg zu stehen, haben letztlich auch langfristigen Erfolg.
Die Situation, etwas unbewusst durch überaktives Trading kompensieren zu wollen, gibt es übrigens relativ oft. Nehmen Sie z.B. einen Anleger, der viel Geld verloren hat, und es schnell wieder gewinnen will. Auch er wird scheitern, wenn er versucht, die Dinge über das sprichwörtliche Knie zu brechen.
Was ich damit sagen will (und damit kommen wir zum heutigen Tipp):
Wenn Sie merken, dass Sie einen überstarken Drang nach Trading haben (oftmals äußert sich das darin, dass Sie das Gefühl haben, die Gewinne kommen einfach nicht schnell genug bzw. sind einfach nicht hoch genug oder Sie dürften keinen Tag "ungenutzt" lassen), dann halten Sie an und gehen Sie in sich. Fragen Sie sich, was diesen Drang verursacht. Oft sind es gespürte Defizite in anderen Bereichen, die sich unbewusst im eigenen Tradingverhalten entladen und so das eigene Kapital dezimieren können. So dahergeredet es vielleicht auf den ersten Blick aussehen mag, aber seien Sie mit sich selbst im Reinen, bevor Sie an den Finanzmärkten folgeschwere Entscheidungen für sich treffen. Ihr dauerhafter Erfolg hängt hiervon stärker ab, als Sie vielleicht glauben.
Beste Grüße
Alexander Hahn