Trading Know How: Theta
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 07. Januar 2008 12:00 Uhr
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Zu Wochenbeginn – Warnung vorab – ein trockenes Thema. Mit erhobenem Zeigefinger verkünde ich: Thema der heutigen Stunde aus dem Fach „Trading Know How“ ist das „Theta“.
Wichtig für diejenigen unter Ihnen, welche mit Optionsscheinen traden! Alle anderen sowie natürlich die Profis unter Ihnen sind in der glücklichen Lage, nun eine Freistunde zu haben bzw. diesen Beitrag überspringen zu können.
Also, zum Theta
Das „Theta“ ist eine Kennzahl, die bei einem Optionsschein angibt, wie hoch der Zeitwertverlust dieses Scheins ist.
Es gibt ein Tages- oder ein Wochen-Theta. Ein Wochen-Theta von z.B. -0,05 (wie beim genannten Schein) bedeutet dann, dass dieser Schein 0,05 Euro = 5 Cents verliert, wenn eine Woche lang überhaupt nichts passiert ist (sich also weder Kurs des Basiswertes noch Volatilität noch Zinsniveau verändert haben – also gar nichts, außer der Laufzeit, welche kürzer geworden ist).
Es gibt sehr spekulative Optionsscheine, bei denen das Wochen-Theta mehr als 10% des aktuellen Kurses entspricht. So einen Schein würde ich niemals kaufen bzw. zum Kauf empfehlen: Denn dieses hohe Wochen-Theta bedeutet nichts anderes, als dass der Kurs des Scheins in einer Woche mehr als 10% verloren haben wird, wenn sich bis dahin per saldo beim Basiswert überhaupt nichts getan hat.
Sie sehen: Man kann mit Optionsscheinen sehr viel Geld verlieren, auch wenn der Basiswert überhaupt nichts macht. Deshalb ist es so wichtig, die Kennzahlen zu kennen.
(Kleiner Einschub: Es geht auch anders…es gibt nämlich z.B. auch Zertifikate, die keinen ZeitwertVERLUST generieren, sondern einen ZeitwertGEWINN….und keine Frage, dass ich solche Scheine bevorzuge!)
Die Kennzahlen eines Optionsscheins können Sie sich bequem im Internet näher ansehen, z.B. bei www.onvista.de – dort einfach die WKN oder ISIN des Scheins eingeben, das ist für Sie sicherlich nichts Neues.
Hat sich dahinten eine Hand gehoben? Ja, bitte? Wie sich dieses Theta verändert?
Hierzu kann ich sagen, dass die Emittenten das Theta nicht „anpassen“….sondern es wird fortlaufend auf Grund einer Formel berechnet. Das ist die sogenannte Black-Scholes-Formel, über die ich schon mit meinem damaligen Mathelehrer diskutiert habe.
Ich tue Ihnen und mir keinen Gefallen, wenn ich jetzt auf diese Formel zu sprechen komme. Ich möchte es dennoch kurz, für die Mathematiker unter Ihnen – diese können das Theta so berechnen:
Alles klar?
(Na, was glauben Sie, wie froh ich bin, solche Berechnungen nicht anstellen zu müssen…dafür gibt es zum Glück Programme!)
Halten wir fest: Die Höhe des Theta hängt also von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, ich kann deshalb hier keine einfache Antwort auf die Frage nach der Entwicklung des Theta geben. Was ich aber geben kann, ist eine Daumenregel:
- Je näher das Laufzeitende rückt, desto höher das Theta!
- Und das Theta ist dann besonders hoch, wenn der betreffende Optionsschein aus dem Geld liegt (d.h. der Kurs des Basiswertes bei einem Call über dem Basispreis liegt).
Das Theta ist nichts anderes als der „Zeitwertverlust“, und gerade bei Scheinen mit kurzer Restlaufzeit und ohne inneren Wert ist das Theta hoch. Wenn sich da der Basiswert nicht sehr schnell in die gewünschte Richtung bewegt, dann geht es mit dem Kurs dieses Scheins sehr schnell bergab.
Mein Rat für Sie, was solche Optionsscheine mit drastisch hohem Theta betrifft: Meiden, wie der Teufel das Weihwasser!
Ende des Unterrichts.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche,
Ihr
Michael Vaupel
