Trading Know How: Rohstoff-Futures als Basiswert
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 06. November 2006 12:00 Uhr
ENL5454
So, zu Wochenbeginn etwas „Trading Know How“. Also:
Rohstoff-Zertifikate haben einen bestimmten Rohstoff-Future als Basiswert, ihre Kursentwicklung ist von der Entwicklung des Basiswertes abhängig.
Welcher Rohstoff-Future das genau ist, hängt vom konkreten Rohstoff ab. Beispiel: Im Fall von Mais beziehen sich die an der Euwax gehandelten Mais-Zertifikate generell auf einen an der Börse Chicago (CBOT) gehandelten Mais-Future.
Rein theoretisch könnte es auch Mais-Zertifikate auf andere Mais-Futures geben, denn Mais wird auch an anderen Börsen gehandelt:
- an der an der brasilianischen BM&F (Bolsa de Mercadorias & Futuros)
- der ungarischen Rohstoffbörse in Budapest
- der französischen Warenterminbörse MATIF (Marche a Termen International de France)
- in Argentinien, an der Mercado a Termino de Buenos Aires
- an der südkoreanischen KCE (Kanmon Commodity Exchange)
- der Tokioter Getreidebörse TGE (Tokio Grain Exchange)
Die CBOT ist allerdings die am weiten wichtigste Rohstoffbörse für Mais, und deshalb die Leitbörse. Dort ist der Handel am liquidesten, die CBOT gibt die Richtung vor. Kein Wunder, dass sich die in Deutschland handelbaren Zertifikate deshalb auf einen an der CBOT gehandelten Mais-Future beziehen.
Sie können sich selbst sehr leicht einen Überblick über die an der CBOT gehandelten Futures verschaffen: Gehen Sie dazu einfach auf die Internetseite der CBOT, www.cbot.com. Dort finden Sie direkt auf der Startseite rechts eine Übersicht über die Basiswerte. Klicken Sie dort auf Corn (=Mais). Sie erhalten dann einen Überblick über die aktuellen Notierungen der Mais-Futures.
Im Fall von Mais gibt es sechs Fälligkeitsmonate und damit grundsätzlich sechs unterschiedliche Mais-Futures. Kurz vor Fälligkeit eines Futures gibt es dann sieben unterschiedliche Mais-Futures: Der kurz vor Fälligkeit stehende wird noch gehandelt, gleichzeitig ist ein neuer Future mit demselben Fälligkeitsmonat - aber ein Jahr später – eingeführt worden.
Welchen dieser Mais-Futures nehmen die Emittenten nun als Basiswert für ein Mais-Zertifikat? In der Regel den Future mit der nächsten Fälligkeit. Ausnahme: Es sind nur noch wenige Handelstage bis Fälligkeit dieses Futures. Denn der nächst fällige Future ist normalerweise der am meisten gehandelte und deshalb liquideste Futures.
Der Punkt der Liquidität ist sehr wichtig für den Emittenten eines Rohstoff-Zertifikats, denn er muss sich abhedgen (=absichern). Das bedeutet, dass der Emittent für seine verkauften Rohstoff-Zertifikate entsprechende Gegenpositionen eingeht, so dass er risikoneutral positioniert ist. Ihm ist es dann egal, ob der entsprechende Rohstoffpreis steigt oder fällt, denn er ist für jedes von ihm verkaufte Rohstoff-Zertifikat an der CBOT (bzw. der Börse, an der der Basiswert gehandelt wird) eine Gegenposition eingegangen.
Der Emittent verdient deshalb auch nicht daran, wenn die von ihm verkauften Rohstoff-Zertifikate im Kurs fallen. (Ausnahme: Die "magische Anziehungskraft der Knock-Out-Barriere", habe darauf schon mehrfach hier im Trader´s Daily hingewiesen).
Seinen Verdienst erzielt er stattdessen durch den Spread (Spanne zwischen An- und Verkaufskurs des Zertifikats). Dieses „Hedgen“ = Eingehen von Gegenpositionen ist bei liquidem Markt selbstverständlich einfacher und kostengünstiger möglich, weshalb der Basiswert in der Regel der nächst fällige Future ist.
Sie haben vielleicht schon erkannt, welches Problem sich dabei stellt: Denn der Basiswert Rohstoff-Future läuft irgendwann aus, wird fällig – was geschieht dann aber mit dem Rohstoff-Zertifikat, das sich auf diesen Future bezieht?
Dann kommt es zum „Rollen“ – und was dabei problematisch sein kann, hatte ich hier im Trader´s Daily ja bereits mehrfach besprochen (Stichwort „Contango“).
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Michael Vaupel