Trading Know How: Maximal möglicher Spread
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 25. Juli 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Wenn Sie ein Zertifikat kaufen - und den Bruchteil einer Sekunde (falls das möglich wäre) wieder verkaufen möchten, dann haben Sie einen Verlust gemacht.
Denn für den gleichen Schein zahlt der Emittent weniger, als er verlangt. Der Ankaufskurs liegt unter dem Verkaufkurs.
Klar, kennt man ja: Macht ja jeder Händler so. Wenn Sie z.B. einen Wagen an einen Händler verkaufen, würden sie mehr zahlen müssen, wenn Sie direkt danach zurückkaufen möchten. (Theoretisch; denn kein Mitglied der Trader´s Daily-Gemeinde wird sich so verhalten, da bin ich mir sicher.)
Bei Zertifikaten heißt diese Spanne zwischen An- und Verkaufskurs „Spread". Zu diesem Thema eine Email von Trader´s Daily-Leser Dimitri M.:
„Seit ein paar Wochen habe ich einen Put-Optionsschein auf Hang Seng gekauft. Die Differenz zwischen den Brief- und Geldkursen lag damals bei 2 Cents (0,11/0,13), was ich als akzeptabel empfand. Bei der Beobachtung des Kurses in einiger Zeit stellte ich fest, dass die Geld/Brief -Spanne vom Emittenten (Deutsche Bank) drastisch erhöht wurde. Heute beträgt sie 0,10 Euro (0,06/0,16). (...) Wie soll ich in dem Fall vorgehen? Ist das überhaupt zulässig, dass ein Emittent so drastisch den Spread erhöht? Vielen herzlichen Dank! Liebe Grüße an Sie und die ganze Trader`s Daily Gemeinde!"
Meine Antwort:
Da lässt sich nichts machen - wenn der Emittent den Spread (=Abstand zwischen An- und Verkaufskurs) erhöht, sind wir dem wehrlos ausgeliefert! Und zwar solange, wie diese Spread-Erhöhung in gewissen Grenzen bleibt.
Wie hoch diese „gewissen Grenzen" sind, können Sie leicht selbst überprüfen: Gehen Sie auf die Seite www.boerse-stuttgart.de und geben Sie dort die WKN des betreffenden Scheins ein.
Dann erscheint rechts eine Liste mit diversen Kennzahlen. Wichtig für das heutige Thema sind die Punkte „Bezugsverhältnis" und „max. homog. Spread in Euro".
Das „max. homog. Spread in Euro" steht für: "Maximaler homogenisierter Spread in Euro."
Bedeutet verständlich: So groß darf der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs maximal sein. Bezogen auf ein Bezugsverhältnis von 1:1, das ist wichtig! (Das bedeutet in diesem Zusammenhang "homogenisiert": Umgerechnet auf ein Bezugsverhältnis 1:1.)
Und hier kommt das Bezugsverhältnis ins Spiel: Wenn es nicht bei 1:1 liegt, sondern bei 100:1, dann muss der angegebene „max. homog. Spread in Euro" durch 100 geteilt werden. Bei einem Bezugsverhältnis von 1000:1 durch 1000, bei 10:1 durch 10 usw.
In diesem Fall wird ein „max. homog. Spread in Euro" von 40,00 Euro genannt, und ein Bezugsverhältnis von 100:1.
Bedeutet in diesem Fall für den maximalen Spread: Dieser darf bei 0,40 Euro liegen (40,00 Euro geteilt durch 100).
Also: Der aktuelle Spread von 0,10 Euro liegt unterhalb der erlaubten Grenze, da lässt sich überhaupt nichts machen.
Und Sie können sicher sein: Der Emittent wird bei der Größe „max. homog. Spread in Euro" einen möglichst hohen Wert angeben.
Hilfe dageben? Auch hier gilt wieder: Betroffen sind in erster Linie Optionsscheine, die „aus dem Geld notieren", d.h. keinen inneren Wert haben. Und Basiswerte, zu denen vielleicht nur ein Emittent einen Schein herausgebracht hat. Denn auch hier gilt: Konkurrenz belebt das Geschäft, d.h. führt zu tendenziell niedrigeren Spreads. Auf jeden Fall sollten Sie vor dem Kauf eines Scheins mal schauen, was der Emittent als maximal möglichen Spread angegeben hat.
Übrigens: Der genannte Fall ist wirklich eine Ausnahme...einen prozentual so hohen Spread habe ich noch bei keinem der von mir empfohlenen Scheine gesehen!
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende,
Ihr
Michael Vaupel