Trading Know How: Homogenisierter Spread
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 24. Juni 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Heute etwas „Trading Know How" (neudeutsch) - gerichtet an Trader von Optionsscheinen und Zertifikaten. Trader´s Daily-Leser Manfred G. schrieb mir dazu:
"Als eifriger Leser Ihres 'Traders Daily' (so soll es sein!) habe ich nun eine Frage an Sie, welche den Spread betrifft. Wie sie dies sehr gut bei Zertifikaten erklärt haben, was offenbar auch ein Spezialgebiet von Ihnen ist, würde ich gerne wissen, ob
a) die gleiche Mimik auch bei Optionsscheinen zutrifft
b) ob dieser Max. homogenis. Spread vom Emitenten bei der Ausgabe beliebig hoch festgelegt werden kann. Hintergrund meiner Frage sind Situationen, bei denen ich z. B. OS kaufen wollte - z.B. von ING - CM1TSY - als diese im März auf 2,50 EUR abgestürzt war. Nachdem ich gesehen hatte, dass der Briefkurs zehnfach höher als der Geldkurs war, habe ich natürlich davon Abstand genommen, was vom Emittenten so auch beabsichtigt war. Genauso war es bei VW-Puts, als die nach oben geschossen waren. Ich hoffe, dass Sie auch hier mein Wissen verbessern können."
Meine Antwort:
zu a) Ist dasselbe wie bei Zertifikaten!
zu b) Der „maximale homogenisierte Spread" kann von Emittenten im Grunde beliebig hoch gesetzt werden. Wenn er aber einmal (zu Beginn) auf einen bestimmten Wert gesetzt worden ist, dann ist der Emittent daran gebunden.
Hier gilt - wie überhaupt: Konkurrenz belebt das Geschäft! Gerade bei Scheinen auf bekanntere Basiswerte gibt es verschiedene Emittenten, welche vergleichbare Scheine anbieten. Und professionelle Trader achten natürlich darauf, welcher Emittent einen höheren maximalen homogenisierten Spread hat als ein anderer. Der mit dem höheren Spread wird dann eben gemieden.
Noch ein paar Takte zu dem Schein, den der Leser genannt hat:
Das ist ein übler Optionsschein, der „weit aus dem Geld" ist. Von solchen Scheinen rate ich Ihnen dringend ab!
Der Schein hat einen Basispreis von 12,00 Euro. Das bedeutet: Bei Laufzeitende (September 2009) gibt es nur dann überhaupt eine Auszahlung, wenn der Basiswert = ING Aktie über 12,00 Euro notiert.
Aktuell steht die Aktie bei rund 6,70 Euro. Wahrscheinlichkeit für eine Auszahlung also „ziemlich gering."
Solche Scheine haben einen hohen Zeitwertverlust. Das hat man bei diesem Schein in den letzten Wochen bemerkt:
Seit März ist die ING Aktie explodiert, von 2,50 Euro im Tief auf aktuell eben 6,70 Euro. Da hatte der Leser auf jeden Fall den richtigen Riecher!
Aber der Schein, den er anvisiert hatte, war eben falsch. Denn dieser hier (CM1TSY) ist eben „weit aus dem Geld". Während die ING Aktie um 168% gestiegen ist, hat dieser Schein per saldo fast nichts gemacht. Und zwar deshalb, weil der Zeitwertverlust so groß ist. Da hätte selbst ein Schein mit niedrigem Hebel von 1,5 erheblich mehr gebracht, nämlich einen Gewinn von deutlich über 200%.
Solche Scheine wie der "üble" haben dann oft auch noch einen sehr großen Spread - so auch hier: Spanne zwischen An- und Verkaufskurs im Bereich 50%. 50% Spanne! Wahnsinn. So ein Schein kommt alleine deshalb nicht in Frage.
Fazit: Bei der Auswahl eines Scheins vergleichen...welcher Emittent bietet für diesen Basiswert den „niedrigsten homogenisierten Spread"?
Und Optionsscheine nur dann kaufen, wenn die Volatilität historisch niedrig ist. Ansonsten lieber ein „Hebel-Zertifikat", wird ja auch „Knock Out" oder Turbo genannt, Sie wissen was ich meine.
Und wenn Optionsscheine, dann keineswegs solche, die „weit aus dem Geld" notieren, d.h. bei denen der Basispreis weit über dem aktuellen Kurs des Basiswertes liegt (bei einem Call).
Und wenn Sie sich damit nicht auskennen: Finger weg. Ganz einfach.
Sie informieren sich doch auch beim Autokauf, bevor Sie Geld ausgeben. Sollte hier genauso sein. Ansonsten zumindest auf den Rat eines Freundes oder/und (edelste Kombination!) eines Trader´s Daily-Gemeindemitglieds hören.
Mit gehebeltem Gruß,
Michael Vaupel
ähnliche Beiträge:
- Zertifikate: So hoch darf der Spread maximal sein
- Spreads bieten im Futures-Handel zusätzliche Trading-Chancen
- Nachtrag zum gestrigen Spread-Artikel: Optionen
- Hoher Spread? So viel ist erlaubt!
- So hoch darf bei Zertifikaten der Spread maximal sein
- Optionsstrategien: Bear Put Spread in der Ausübung
- Optionsstrategien: Wann ein Bear Call Spread angewendet wird
- Optionsstrategien: Bear Put Spread