Trading Know How: Einfluss von Dividenden auf Turbos
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 7. August 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Trader´s Daily-Leser André K. fragt:
"Ich lese seit Langem den Trader's Daily mit großem Interesse. (So soll es sein.) Jetzt habe ich auch eine Frage, die Sie vielleicht im Trader's Daily veröffentlichen könnten: Ich verstehe die unterschiedlichen Preise für Knockout-Zertifikate bei fast gleichen Schwellen. Vielleicht können Sie dies anhand von diesen 4 Scheinen erklären: TB1SCM, BN213K, AA03WD, CB56FJ. Es sind alles Knockout-Calls auf Air Berlin mit einem Basispreis von ca. 2,71€ und einer Knockout-Schwelle von ca. 2,99 €. Die Preisstellungen und Hebel sind meines Erachtens nicht durch die geringfügigen Abweichungen der Schwellen erklärbar. Herzlichen Dank für Ihre Erklärung (sofern dies möglich ist)."
Meine Antwort:
Da gibt es nichts zu „verstehen" im Sinne verborgener Kennzahlen - denn die genannten Scheine werden vom jeweiligen Emittenten in der Tat einfach anders „gepreist".
Trotz sehr, sehr ähnlicher Kennzahlen ist der eine Schein beim einen Emittenten teurer als beim anderen. Ist eben wie auf anderen Märkten auch, z.B. auf dem Wochenmarkt, wo der eine seine Mohrrüben teurer als der andere verkauft (obwohl sie sich „sehr, sehr ähnlich" sind).
Was die Emittenten dazu bewegt - wer weiß das schon. Der eine sieht wohl höhere Kosten für Absicherungsgeschäfte, beim anderen ist vielleicht das Emittentenrisiko (Ausfallrisiko für den Schein) minimal höher...
Fakt ist: Vergleichen hilft! Und hier ist es auch sehr sinnvoll. Kaufen Sie einfach den Schein, welcher bei vergleichbaren Kennzahlen am günstigsten ist (sofern Sie mit dem Emittenten grundsätzlich zufrieden sind).
*** Wo wir gerade bei Knock-Out-Zertifikaten sind (grandiose Überleitung):
Da möchte ich Sie noch darauf hinweisen, welchen Einfluss Dividenden auf die Kursentwicklung haben.
Also: Bei Endlos-Zertifikaten wird von den Emittenten bei einer Dividendenausschüttung der Basispreis so angepasst, dass diese keine (oder eine nur geringe) Auswirkung hat.
Beispiel Long-Zertifikat: Wenn eine Aktie 1 Euro Dividende ausschüttet, dann wird der Basispreis um 1 Euro gesenkt. Netto-Auswirkung der Dividende: Null!
Bei Short-Zertifikaten wird der Basispreis entsprechend erhöht, um die Auswirkung „rauszurechnen".
Dies ist auch sinnvoll so: Denn sonst könnte man unmittelbar vor einer hohen Dividendenzahlung ein Short-Zertifikat auf besagte Aktie kaufen und einen nahezu risikolosen Gewinn einstreichen. (Und so leicht ist es bekanntlich an der Börse nicht, wie Mitglieder der Trader´s Daily-Gemeinde wissen.)
Übrigens: Es gibt von Emittent zu Emittent kleine Unterschiede...so berücksichtigt die Société Générale bei Short-Zertifikaten nicht 100%, sondern 90% der Dividende, bei Long-Zertifikaten hingegen 100%. Ich kann (bzw. will) hier nicht alle Emittenten durchgehen, für die Feinheiten müssten Sie sich im konkreten Einzelfall im Verkaufsprospekt informieren. (Ja, da hineinschauen ist nicht verkehrt!)
Grundsätzlich kann ich aber vereinfachend sagen: Bei Knock-Out-Zertifikaten hat die Dividenden-Zahlung keinen bzw. nur einen sehr geringen Einfluss auf den Kurs des Scheins.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
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