Trading Know How: CFD-Trading
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema CFDs und CFD-Handel
vom 28. Dezember 2006 12:00 Uhr
ENL5462
CFD-Trading – was ist das überhaupt?
Vorab: Ich selbst bin kein CFD-Trader, da dies mit meinen Lieblings-Basiswerten im Rohstoff-Bereich (bis auf einige Ausnahmen wie Silber) gar nicht möglich ist. Aber da CFD-Trading stark zunimmt, möchte ich heute einmal darauf eingehen.
Also, um was geht es? CFD steht für „Contract For Difference“. Zu Deutsch “Differenzkontrakte” (leider haben wir es hier allerdings wieder einmal mit dem Phänomen zu tun, dass deutsche Anleger Fachbegriffe in ihrer eigenen Muttersprache “uncool” finden und deshalb nicht verwenden. Ich alleine kann mich nicht dagegen stemmen, weshalb auch ich den Begriff CFD verwende.)
Mit CFDs spekulieren Sie mit Kursdifferenzen. Anstatt das abstrakt zu erklären, nehme ich mal ein konkretes Beispiel:
Wenn Sie auf die Deutsche Bank-Aktie setzen, und zwar mit einem CFD, dann müssen Sie nicht den Kaufpreis für eine Aktie zahlen, sondern lediglich eine Sicherheitsleistung. Diese heißt im Börsenjargon Margin und ist je nach Basiswert unterschiedlich hoch, ist aber auf jeden Fall erheblich geringer als der Kurswert des Basiswertes. Sie liegt z.B. bei 5%. Wenn der Kurs der Deutschen Bank z.B. bei 100,00 Euro steht, dann müssten Sie für den Kauf einer Aktie eben 100,00 Euro aufwenden. Für einen CFD aber nur 3,00 Euro.
Wenn der Kurs der Deutschen Bank am nächsten Tag bei 102,50 Euro und Sie verkaufen, dann hätten Sie mit der Aktie einen Gewinn von 2,50 Euro gemacht, das wären 2,5%. Mit dem CFD erhalten Sie die Differenz zwischen dem Aktienkurs zum Verkaufszeitpunkt und dem Aktienkurs zum Zeitpunkt des CFD-Kaufs. Das wären: 102,50 Euro minus 100,00 Euro = 2,00 Euro.
Sie würden also mit dem CFD dann genau 2,50 Euro erhalten, zuzüglich der Sicherheitsleistung in Höhe von 5,00 Euro, welche Sie zurückerhalten. Bezogen auf den Einsatz von 5,00 Euro (Margin) wäre das ein Gewinn von genau 50%. (Transaktionskosten lasse ich mal unberücksichtigt.)
Verglichen mit den 2,5%, die Sie beim Kauf der Aktie gemacht hätten, ergibt dies einen Hebel von genau 20!
Diese Hebelwirkung kommt natürlich dadurch zustande, dass der Kapitaleinsatz erheblich geringer ist, und Sie mit einem CFD dennoch vollständig an der Kursveränderung partizipieren.
Ja, soweit, so gut. Nur wirkt dieser Hebel eben auch in die andere Richtung. Im gerade genannten Beispiel müsste die Deutsche Bank Aktie nur um 5% fallen, dann wäre die Margin völlig aufgebraucht. Die Position würde zwangsweise glattgestellt, mit Totalverlust. Also: 5% Minus beim Basiswert bedeuten für den CFD einen Totalverlust!
Wenn es zu einer schnellen Kursbewegung kommt, kann es sogar sein, dass die Margin nicht ausreicht und Sie noch zusätzlich Geld auf den Tisch legen müssen (im Fachjargon „Nachschusspflicht“ genannt…oh, ein deutsches Wort!).
Sie sehen: CFDs bieten eine hohe Hebelwirkung, aber eben auch sehr hohe Risiken. Im Prinzip sind sie von ihren Kennzahlen und auch der Konstruktion her vergleichbar mit einem Turbo-Zertifikat mit Knock-Out-Barriere.
Noch ein wichtiger Punkt: CFDs können nicht an der Euwax oder sonst einer Börse getradet werden. Gehandelt wird direkt über einen Broker.
So etwas behagt mir eigentlich nicht…denn bei Kursstellungen von Emittenten habe ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Allerdings sollten hier die Kursstellungen wirklich nachvollziehbar sein, es geht ja nur um Differenzen, andere Faktoren wie Volatilität bleiben außen vor.
Das war es im Prinzip. (Es gibt noch einige andere Punkte, wie den, dass Sie beim Halten von CFDs über Nacht Zinsen zahlen müssen,…aber das ist nicht entscheidend.) Jetzt wissen Sie, was es grundsätzlich mit CFD-Trading auf sich hat.
Und sind CFDs nun „gut“ oder „schlecht“? Kann ich so pauschal nicht beantworten!
Was ich aber kann: Den Anfängern und auch moderat Fortgeschrittenen unter Ihnen dringend davon abraten. Wie oben dargelegt wirkt der hohe Hebel in beide Richtungen, und ein Totalverlust kann sehr, sehr schnell eintreten. Wenn Sie kein Daytrader sind und konsequentes Money-Management betreiben (enge Stopps), dann lassen Sie die Finger davon. Wirklich!
Beste Grüße,
Michael Vaupel
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