Trader Wissen: Wie schlecht geht es dem Markt wirklich?
Von D.R. Barton Jr. in Investoren Wissen
vom 30. Mai 2006 16:00 Uhr
ENL5454
Dieser Markt ist kein Vergnügen für Leute, die voll investiert sind. Nicht nur Techaktien leiden, sondern auch die Blue Chips, Rohstoffaktien, Edelmetalle, Biotech und und und…Die Liste ist lang.
Die einzigen Leute, die in den letzten zwei Wochen jede Menge Spaß hatten, sind die Day Trader, die sich über die höheren Kursschwankungen freuen. Die Volatilität ist beispielsweise um 44 Prozent höher, als am 9. Mai.
Wie steht es wirklich um den Markt?
Ehrlich gesagt – ich denke, wir wurden von den Kursgewinnen am US-Markt und den Emerging Markets in den letzten drei Jahren ordentlich verwöhnt. Die Kurse stiegen ohne größere Korrekturen.
Bis jetzt hatten wir es einfach. Dieser zweiwöchige Kursrückgang sieht schlimmer aus, als er ist. Wir waren die Korrektur einfach nicht mehr gewöhnt. Sehen wir uns einmal an, wie sich die wichtigen Indizes in jüngster Zeit entwickelt haben:
Performance der verschiedenen Indizes
Die schwächsten Indizes sind der Russell 2000 und der Nasdaq. Das habe ich auch erwartet. Überraschend ist allerdings, dass der S&P 500 nur fünf Prozent verloren hat.
Es gibt zwei Gründe, weshalb die aktuelle Korrektur so schlimm aussieht. Zum einen ging es ziemlich schnell nach unten. Es gab während des Einbruchs nur wenige Tage mit steigenden Kursen. Und dann das Ausmaß: In zwei Wochen verloren die Indizes den gesamten Gewinn, den sie seit Anfang des Jahres gemacht hatten. Viele Marktbeobachter sagen, die Märkte fallen schneller, als sie steigen. Das gilt sicherlich im aktuellen Fall.
Erinnern Sie sich: Einen Tag bevor der Dow Jones auf sein Jahreshoch gestiegen ist, warnte ich Sie an dieser Stelle vor einem möglichen Kursrückgang. Überkaufte Märkte fallen normalerweise beim ersten Ausbruchsversuch über starke Widerstände nach unten. Auch das Sentiment lies nichts Gutes ahnen. Auf CNBC wurde schon der Champagner gekühlt um ein neues Allzeit-Hoch zu feiern. Das ist ein klares Zeichen für eine Trendwende.
Während wir aber an den US-Börsen nur einen kurzen Rückschlag hatten, gab es an den Emerging Markets ein regelrechtes Gemetzel. Die russische Börse fiel alleine an einem einzigen Tag um 12 Prozent. Brasilien ging 25 Prozent seit seinem Hoch in den Keller.
Bei Kanonendonner kaufen, bei Harfenklängen verkaufen
Was sollen Sie in der jetztigen Situation machen? Zuerst einmal: Prüfen Sie Ihre Stopp-Kurse. Es kann weiter nach unten gehen. Aber es besteht kein Grund zur Panik! Wie gesagt, prüfen Sie Ihre Stopp-Marken und steigen Sie beim Erreichen dieser Kurse aus. Wenn die Stopps, die Sie zu Beginn des Investments gezogen haben, nicht erreicht werden, dann bleiben Sie investiert.
Wenn Sie zur Zeit nicht oder nur in geringem Umfang investiert sind, bieten sich für Sie jetzt ideale Einstiegsgelegenheiten. Trotzdem gibt es zur Zeit an den Börsen einige grundlegende Risikofaktoren. Es ist also grundsätzlich nicht schlecht, auf eine Bestätigung des Turnarounds zu warten anstatt einfach nur zu versuchen die Tiefskurse zu erwischen.
Wenn Sie denken, der aktuelle Kursrückschlag ist nur der Anfang einer größeren Bewegung, dann stehen Sie in einer langen Reihe mit technischen und fundamentalen Analysten. Sie können nur Kasse halten oder sich defensive Aktien ins Depot legen. Bei Korrekturen laufen beispielsweise Konsumaktien vergleichsweise gut, oder Versorger oder der Gesundheitssektor.
Zum Schluss rate ich Ihnen: Bleiben Sie ruhig und ziehen Sie Ihren Plan durch. Sehen Sie sich günstige Einstiegskurse genau an und achten Sie dabei darauf, dass die technischen Indikatoren einen Turnaround signalisieren.
Chart der Woche
Empfehlungseffekt des Barron´s Magazin: Yahoo! ist die aktuelle Titelstory des Magazins. Während der breite Markt weiter nach unten ging, gab es bei Yahoo einen Kursschub. Achten Sie auf eine Fortsetzung der Stärke in der überverkauften Aktie.