Trader Wissen: Setzen Sie nicht alles auf ein Land!
Investoren Wissen
vom 21. Februar 2006 16:00 Uhr
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Zur Zeit laufen die olympischen Winterspiele in Turin. Auch diesmal ist es wie bei allen Spielen vorher: Die Patrioten zeigen jede Menge Nationalstolz für ihr Heimatland.
Beim Sport ist dieser Patriotismus verständlich und in Ordnung. Nicht aber beim Investieren. Viele Anleger unterliegen nämlich auch bei der Zusammensetzung ihres Depots dem Patriotismus – sie verschenken dabei aber oft die Chancen, die andere Märkte bieten.
Der Blick über den Tellerrand
US-Anleger haben meist nur US-Aktien im Depot. Anleger in Deutschland setzen entsprechend nur auf deutsche Werte. Das ist eigentlich verständlich. Denn die Unternehmen im Heimatland sind für uns transparenter. Allerdings übersehen wir dabei den Rest der Welt und streuen das Portfolio zu wenig.
Die US Börsen sind in vielerlei Hinsicht super: Die größten, das höchste Handelsvolumen, die größte Transparenz. Bei der Performance dagegen sieht es anders aus. US Aktien laufen vergleichsweise schlecht.
Entwicklung internationaler Börsenplätze
In den letzten 12 Monaten stieg der S&P 500 um 6 %. In China ging es nach dem starken Wachstum im Jahr 2003 sogar nur 3 % nach oben.
Aber während die Aktien in China und den Staaten nur bescheiden zulegen konnten, gab es einen Boom in anderen Ländern. Die Aktien in Deutschland, Japan und Kanada liegen beispielsweise zwischen 23 und 38 % im Plus. In Brasilien und Indien ging es sogar 87 bzw. 90 % nach oben.
Besonders erstaunlich: 3 der gezeigten Länder konnten inzwischen sogar ihre Höchststände des Boomjahres 2000 übertreffen, nämlich Kanada, Indien und Brasilien.
Die Chancen, die sich jedes Jahr aufs neue in einigen ausländischen Märkten bieten, könnte Sie jetzt verleiten, Ihr ganzes Geld in Auslandsaktien zu stecken. Beachten Sie aber: Diese Märkte sind oft sehr volatil. Die Aktien dort können ebenso schnell wieder fallen, wie sie vorher gestiegen sind.
Hier einige Beispiele: In den ersten 5 Monaten 2004 ging es in China rund 50 % nach unten. In 13 Monaten zwischen 2001 und 2002 verlor der Aktienmarkt in Kanada 60 % an Wert. Zwischen März 2000 und Oktober 2003 verlor der deutsche Aktienmarkt 73 %.
Fast jedes Portfolio kann von der geographischen Streuung der Aktien profitieren. Aber wenn Sie in manche Länder zu viel investieren kann das mehr Volatilität bringen, als Ihnen lieb ist.
Diversifikation – 2 bewährte Strategien
Sie sollten folgende 2 Strategien bei der Streuung Ihres Portfolios verwenden:
Teilen Sie das Risiko auf verschiedene Länder und Regionen auf. Investieren Sie nicht nur im asiatischen Raum, in Europa, in Südamerika oder in Nordamerika. Versuchen Sie, einige Aktien von allen wichtigen Wirtschaftsregionen ins Depot zu legen. Gut geeignet sind hier auch Fonds, die in mehrere Länder oder Regionen investieren.
Streuen Sie nach Ländern, in denen es einen starken Aufwärtstrend gibt und in solche, in denen es mehr werthaltige Aktien gibt. Indien und Brasilien legten über mehr als 2 Jahr stark zu. Aber wenn Sie nur auf Länder setzen, die einen langen Aufwärtstrend hatten, kann es passieren, dass Sie genau zum Hoch oder in der Nähe des Hochs einsteigen.
Das Momentum spielt eine wichtige Rolle bei der Risikostreuung. Aber es sollte durch Valueaspekte ergänzt werden. Beispielsweise gibt es in China nach dem starken Kursrückgang im vergangenen Jahr eine Reihe günstiger Aktien.
Egal welchem Land Sie bei den Olympischen Spielen die Daumen drücken: Achten Sie darauf, dass sie bei der regionalen Auswahl der Aktien in Ihrem Portfolio nicht nur auf ein einziges Pferd setzen.
Chart der Woche
Sears Holding kurz vor Ausbruch
Bei der Sears Holding (Nasdaq-Kürzel: SHLD) gingen Kursspanne, Volatilität und Handelsvolumen gleichzeitig immer mehr zurück. Werden die einzelnen Linien im Chart erreicht, könnte es einen deutlichen Kursausschlag geben, einen sogenannten "Volatility breakout".
Beachten Sie aber: Bei dieser Konstellation gibt es oft Fehlsignale – eine Bewegung in die eine Richtung hat eine heftige Gegenbewegung zur Folge.