Toyota: Einer bricht eine Lanze und einer bekennt Fehler
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 25. Februar 2010, 14:30 Uhr
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ich erhielt kürzlich einen Kommentar von einem meiner Leser zu den Problemen bei Toyota. Dieser Kommentar war eine glühende Reaktion auf meinen Beitrag "Nichts ist unmöglich - Der Leidensweg von Toyota". Ich habe Ihnen nachfolgend die wichtigsten Passagen herausgefiltert, um Ihnen zunächst die Sichtweise meines Lesers näher zu bringen:
"Sehr geehrte Frau Bach! Ich habe Ihren Kommentar bezüglich des Toyota Rückrufes gelesen und möchte anmerken, dass es mittlerweile unerträglich geworden ist, wie derzeit auf Toyota eingeprügelt wird. Derzeit sieht man eine beispiellose Kampagne gegen den japanischen Hersteller, die seines gleichen Sucht - Ihr Kommentar ist hier leider keine Ausnahme!
Hätte man jedoch nur ein wenig Kenntnis in der Automobilbranche, würde man auf diesen Zug nicht aufspringen. Dass all dies politisch motiviert (USA) seinen Ausgang nimmt, liegt auf der Hand - und alle, natürlich auch Medien aus Ländern, wo europäische Marken beheimatet sind, steigen hier voll mit ein.
Es ist natürlich ein Faktum, dass hier seitens Toyota Fehler in der Produktion und auch im Umgang mit der ganzen Situation passiert sind. Jedoch muss man wissen, dass Toyota in Sachen Qualität und Haltbarkeit immer ganz vorne zu finden ist und war. Zudem zählt Toyota zu den ethnisch korrektesten Unternehmen überhaupt (soziale Kompetenzen werden hier hoch gehalten - man möge dazu nur einige Zeilen des TOYOTA WAY lesen).
Wenn der Musterschüler patzt, gibts große Schelte
Der Grund warum zuletzt die Qualität etwas gelitten hat. Nämlich wird seit geraumer Zeit die Produktion in den jeweiligen Markt verlegt. Das bedeutet auch, dass Zulieferer mehr aus den jeweiligen Märkten stammen, und seitens Toyota enorme Anstrengungen unternommen werden müssen, um das gewohnte Qualitätslevel zu erreichen.
Auch in Sachen Umwelt hat Toyota schon vor über 20 Jahren begonnen Visionen umzusetzen (Hybrid). Jetzt nach Jahrzehnten springen alle Hersteller auf den grünen Zug auf und positionieren sich als die grüne Marke. Dass der Hybridantrieb im Gegensatz zum besten Diesel Motor nahezu keine Stickoxide erzeugt, wird im Vergleich gerne weggelassen und somit der Hybridantrieb verteufelt - warum frage ich nur setzten dann alle Hersteller ebenfalls in Zukunft auf die Hybridtechnik.
Anzumerken ist auch, dass der verkündete Rückruf nun freiwillig passiert, und aus sicherheitstechnischer Sicht nicht notwendig ist. Man will vermeiden, dass die Hetzkampagne auf Grund dessen weitergeführt wird. Wenn der Musterschüler mal patzt, dann freuen sich natürlich alle. Aber dass die schlechten Schüler weiterhin Nichtgenügend abliefern wird derzeit in der Öffentlichkeit völlig ignoriert. (...) Sehen Sie alleine die Anzahl der Rückrufe im VW-Konzern im letzten Jahr! Wenn Sie sich die Zeit nehmen, sind auch hier oft schwerwiegende Mängel zu finden. Bitte sehen sie mich als Fahrer eines deutschen Fahrzeuges nicht als Verteidiger von Toyota. (...) Mit freundlichen Grüßen Christian Waldhäusl"
Den Unmut meines Lesers kann ich gut nachvollziehen. Toyota war über Jahrzehnte hinweg einer der Vorreiter in Sachen innovativer Technik - immer einen Schritt voraus. Doch die Konkurrenz hat nicht geschlafen. Der Druck wurde größer.Und wenn einem die Anteilseigner im Nacken sitzen, dann will man glänzen. Schlechte Absatzzahlen und rückläufige Umsätze bedeuten fallende Börsenkurse. Allein die Innovation lässt die Kurse nicht klettern. Und dieser Druck wurde Toyota nun in großem Maße zum Verhängnis.
Offizielle Reue vor der großen Pannen-Untersuchung
Tatsache ist und bleibt, dass der Autobauer Quantität den Vorzug vor Qualität gegeben hat, um auf dem schwer umkämpften US-Automarkt an der Spitze „mitfahren" zu dürfen. Und dieser Fehler kostet das Unternehmen nun nicht nur Millionen, sondern vor allem seinen bisher so glänzenden Ruf. Denn man muss auch den Unmut derer verstehen, die durch einen Unfall infolge von klemmenden Bremsen ihres Toyotas, eine nahestehende Person verloren haben. Dieses Verständnis tut nun auch der Konzernchef selbst kund.
Akio Toyoda hat sich nämlich heute bei einer Anhörung vor dem US-Kongress offiziell für die Produktionspannen seines Unternehmens entschuldigt. Bei der Anhörung äußerte der 53-Jährige sein "tiefes Bedauern für jeden Unfall, den Toyota-Fahrer erlitten haben". Weiterhin räumte er ein, dass sich Toyota zu sehr auf die Steigerung seines Absatzes in den USA konzentriert habe. Darunter hätten die Ausgaben für Qualität und Sicherheit gelitten.
Probleme mit Gaspedalen, Fußmatten und Bremsen hatten zum Rückruf von 8,5 Mio. Toyotas weltweit geführt. Von dem Rückruf am schlimmsten betroffen sind die USA. Hier sollen sich auch schwere Unfälle wegen der Pedal-Probleme ereignet haben. Der US-Kongress will mit der Befragung des Unternehmenschefs den Ursachen der Pannenserie bei Toyota auf die Spur kommen. Und das muss man auch. Denn nur so kann Toyota wieder zurück zu alter Stärke finden - indem man die Fehler sucht, beseitigt und an ihnen wächst.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Peter Schulz (26.02. 2010 07:28 Uhr):
Liebe Frau Bach, sowohl Ihr Leser, als auch Sie, tragen in der Diskussion nachvollziehbare Standpunkte vor, wo ich nicht noch einen oben drauf setzen moechte. Hier nur meine Lebenserfahrung: Bei meinem franzoesischen Auto ist mir vor Jahren zweimal der Gaszug in Vollgasstellung haengen geblieben; bei einem amerikanischen Ford (V8) schaltete sich mehrfach der Tempomat durch Betaetigung des Bremspedals nicht aus; bei einem deutschen Nobelfahrzeug ist mir einmal der Gaszug in Vollgasstellung abgerissen. Alle diese Situationen haetten fuer mich toetlich ausgehen koennen. In allen Faellen handelte es sich eindeutig um Konstruktionsfehler, welche die deutsche Firma offenbar anerkannt hat, denn sie hatte nach meinem Fall und Problembeschreibung die Konstruktion geaendert. Wie ein kuerzlich veroeffentlichtes Video eines verunglueckten Polizisten zeigt, sind viele der Verunglueckten nicht in der Lage, ein Auto in kritischen Situationen zu beherrschen. Man kann in einer \"Toyota-Situation\" immer auskupplen oder bei Automatik auf N schalten und bremsen, oder auch die Zuendung ausschalten. Der Herr sei mit den Verunglueckten!
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