Totgesagte leben länger – Die Ergebnisüberraschung Air Berlin
Cindy Bach in Insider Daily
vom 28. November 2008, 10:00 Uhr
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es ist heute Morgen DAS Thema in allen Wirtschafts- und Finanzmedien: Air Berlin meldet sich mit überraschenden Quartalszahlen aus dem Tal der Totgesagten" zurück. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hat das dritte Quartal glimpflich hinter sich gebracht. Trotz Finanz- und Wirtschaftkrise wuchsen Umsatz und Gewinn. Für das kommende Jahr bleibt Air Berlin jedoch zunächst vorsichtig und gibt keine konkrete Prognose ab. Das war die schlechte Nachricht.
Die Gute: Die Fluggesellschaft mit Sitz in der Hauptstadt hat im dritten Quartal bei den Kerngeschäftszahlen die Prognosen der Beobachter leicht bis deutlich übertroffen hat. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 8,6 Prozent auf 1,06 Mrd. Euro und lag 30 Mio. Euro über der Analystenerwartung. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern verbesserte sich um 57 Prozent auf 89,1 Mio. Euro. Hier lag die Prognose bei 73 Mio. Euro.
Die Börse feierte das Ergebnis gestern mit einem frenetischen Kurplus. Die Aktie, die sich innerhalb eines Jahres von 12 auf 3 Euro gevierteilt hat, stieg gestern zwischenzeitlich um mehr als 20 Prozent. Und auch Konzernchef Joachim Hunold ließ es sich nicht nehmen, sich angesichts der vergleichsweise guten Zahlen anerkennend auf die eigene Schulter zu klopfen. "Trotz des für die Branche schwierigen Marktumfeldes haben wir ein sehr gutes Ergebnis erzielt", sagte er. 2008 sollte Air Berlin daher mit einem operativen Gewinn abschließen.
Natürlich ist es mit den Zahlen auch immer eine Sache der Interpretation. Je nachdem wie man das Ergebnis und die Prognosen auslegen will, kann man es mal schön reden oder auch gänzlich vernichtend betrachten bzw. eher skeptisch bewerten. Ich will Ihnen dazu mal je ein sehr anschauliches Beispiel in Bezug auf das Quartalsergebnis von Air Berlin geben.
Der Fall: Zurückhaltend bis skeptisch
Die Experten von der Frankfurter Allgemeine Zeitung gehören in diesem Fall zu der Fraktion der Skeptiker. Lesen Sie dazu einen Auszug aus der aktuellen Einschätzung der FAZ-Redaktion: "Wer glaubt, dass Zahlen aus einer Erfolgsrechnung unbestechlich seien, der irrt. Denn sie haben immer Spielraum und das mitunter mit gutem Recht. Denn es ist immer die Frage, wie ein Zahlenwerk zu gestalten ist, dass es die Wirklichkeit möglichst getreu abbildet. Das zeigt sich selten deutlich am Ergebnisausweis von Air Berlin zum dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres. Je nachdem, ob man die Pro-forma-Zahlen einschließlich des neu zum Konzern gehörenden Charter-Fliegers LTU und der Schweizer Fluggesellschaft Belair zugrunde legt oder nicht, ergibt sich ein anderes Bild.
Auf Pro-forma-Basis verzeichnet Air Berlin ein Rekordergebnis. Im dritten Quartal stieg das Betriebsergebnis um 57 Prozent auf 89,1 Mio. Euro und der Reingewinn um 43,2 Prozent auf 45,6 Mio. Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Umsatz verbesserte sich um 8,6 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro. (...) In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 6,7 Prozent auf 2,59 Milliarden Euro, das EBITDAR um 15,5 Prozent auf 383,1 Mio. Euro. Der Betriebsgewinn betrug 35,1 Mio. Euro. Ein Jahr zuvor hatte Air Berlin noch einen Verlust von 9,5 Mio. Euro verbuchen müssen.
Anders lesen sich dagegen die Nicht-Pro-forma-Zahlen. Demnach wäre der Umsatz zwar deutlicher und das EBITDAR ebenfalls etwas mehr gestiegen, der Anstieg des Betriebsgewinns aber niedriger ausgefallen und der Reingewinn sogar um 25 Prozent auf 45,6 Mio. Euro gefallen.
Für die Anleger sind in dem in dieser Woche schon als enthusiastisch zu bezeichnenden Börsenumfeld die Ergebnisse eindeutig gute Ergebnisse, und so klettert der Aktienkurs am Donnerstag um mehr als 29 Prozent auf 3,88 Euro. Analysten zeigen sich eher zurückhaltend. In der Gesamtbetrachtung seien die Zahlen auf vergleichbarer Basis höher, wie berichtet jedoch geringer ausgefallen als im Vorjahr, so die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Darüber hinaus spiegelten diese nur zum geringen Teil die inzwischen eingebrochene Weltkonjunktur wider. (...) Angesichts des schwierigen Umfelds und der hohen Nettoverschuldung von 624 Mio. Euro halten die Analysten jedoch die Aktie nach wie vor für sehr riskant.
(...) Derzeit ist der Kaufdruck immens. Das Umsatzvolumen in der Aktie ist am Donnerstag so hoch wie seit Anfang August nicht mehr. Angesichts dessen ist eine zumindest kurzfristige Rally nicht unwahrscheinlich. Wie weit diese tragen wird und ob diese damit nicht bei möglichen rezessionsbedingt schwächeren Ergebnissen im vierten Quartal oder dem ersten Quartal des kommenden Jahres bereits den nächsten Absturz vorbereitet, ist derzeit noch nicht zu beantworten. Insofern erscheint es durchaus riskant, sich mit in den aktuellen Kaufrausch zu begeben."
Der Fall: Optimistisch bis euphorisch
Schon die Überschrift zu den aktuellen Air-Berlin-Zahlen in Der Aktionär klingt da weitaus optimistischer. "Air Berlin-Aktie hebt ab" titelt der Autor Michael Schröder in seiner Analyse. Auch der Rest klingt so ganz anders als bei den Experten der FAZ. Aber lesen Sie selbst: "Die Fluggesellschaft Air Berlin hat ihren Gewinn im dritten Quartal deutlich gesteigert. Das im Sommer aufgelegte Effizienzprogramm hat somit seine Wirkung nicht verfehlt. Vorstandschef Joachim Hunold bleibt zuversichtlich, auch im Gesamtjahr ein positives operatives Ergebnis erzielen zu können. "Das ist das beste Quartalsergebnis in unserer Firmengeschichte", kommentiert Air Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold die Zahlen für den Zeitraum Juli bis September.
(...) Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und unseren Aktionären die Zahlen geliefert, die wir versprochen haben". Das im Frühjahr beschlossene Effizienzsteigerungsprogramm trägt somit Früchte. Durch die Streichung unrentabler Strecken verringerte sich zwar die Passagierzahl im dritten Quartal von 8,8 auf 8,6 Millionen, doch der Erlös pro Passagierkilometer erhöhte sich um 15,3 Prozent auf 7,66 Cent.
(...) Auch kumuliert für die ersten neun Monate des Jahres wird die positive Ergebnisentwicklung bei Air Berlin deutlich. Während das EBIT am Ende des dritten Quartals 2007 noch minus 9,5 Millionen Euro betrug, wurden jetzt kumuliert 35,1 Millionen Euro erreicht. (...) Für das Gesamtjahr erwartet Hunold weiter ein positives operatives Ergebnis. Beim Ausblick hält sich die Fluggesellschaft dagegen noch zurück. Angesichts der Rezession, vor der die Weltwirtschaft stehe, sei es verfrüht, bereits jetzt eine Prognose für das Jahr 2009 abzugeben, heißt es aus der Firmenzentrale.
Die Bilanz von Air Berlin sieht unverändert schwach aus. Analysten fordern, dass sich die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft von Vermögenswerten trennen soll. Der sinkende Ölpreis wirkt stimulierend. Die künftige Öl- und Kerosinpreisentwicklung kann aber nur schlecht vorausgesagt werden. (...) Risikobewusste Anleger gehen mit einer Trading-Position dennoch an Bord. (...)"
Mit diesen Beispielen wollte ich Ihnen zeigen, wie unterschiedlich Konzernergebnisse und Prognosen von börsennotierten Unternehmen von Analysten in den breiten Massenmedien bewertet werden können. Jede Einschätzung ist schließlich "nur" eine subjektive Bewertung des Zahlenwerkes. Wenn Sie also nicht die Zeit und Möglichkeit haben, die Zahlen selbst auszuwerten, kann es nie schaden, sich verschiedene Börsenmeinungen anzuschauen und sich daraus sein eigenes Bild zu stricken. Am Besten aber, Sie vertrauen auf die Auswertungen exklusiver Börsendienste.
Ich wünsche Ihnen allen ein erholsames Börsenwochenende.
Ihre
Cindy Bach
P.S.: Heute lesen Sie im Insider Daily einen spannenden Marktkommentar von meinem geschätzten Kollegen Marcus Neugebauer vom überaus erfolgreichen Börsenbrief TURNAROUND-BRIEF. Hier erfahren Sie, wie er die aktuelle Lage am Aktienmarkt einordnet und welche Investment-Taktik Sie in der aktuellen Lage fahren sollten, um sich für die letzten Wochen des Börsenjahre 2008 optimal zu positionieren.
Das Hauptaugenmerk des TURNAROUND-BRIEFES ist es dabei, die wahren Perlen" unter den vielen derzeit am Markt günstig erscheinenden Werten herauszufinden. Welchen Werten traut der erfahrene Börsenexperte Marcus Neugebauer aktuell die größten Turnaroundchancen zu, welche besitzen das auffälligste Aufholpotenzial?
Marcus Neugebauer hat mit seinen aktuellen Favoriten im TURNAROUND-Depot schon ausgesprochen gute Performances erzielt. Allein mit dem Kunststoffspezialisten Centrotec konnte er innerhalb weniger Tage ein Kurplus von 35 Prozent generieren.
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