Tote Menschen lügen nicht
Investors Daily
vom 20. April 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Tote Menschen lügen nicht. Die Lebenden allerdings schon.
Die große Lüge des frühen 21. Jahrhunderts war, dass die Leute über ihre Verhältnisse leben können – für immer. Die Leute würden es nicht zugeben, dass sie "fürs Nichtstun etwas erhalten wollen", aber kaum jemand erwartete weniger.
Und als die Korrektur der Jahre 2000–2002 diese Lüge unterminieren wollte, da wurden neue Lügen erfunden.
Alan Greenspan sagte den Leuten, dass sie sich wegen einer Korrektur keine Sorgen zu machen bräuchten. Zu viele Schulden? Keine Sorgen deshalb ... die Fed wird mehr leicht zu erhaltende Kredite bereitstellen!
Nicht genug Geld in der Tasche? Nun, dann werden wir die Steuern senken, sagte George W. Bush. Und wir werden auch die Staatsausgaben erhöhen!
Aber Lügen haben die Tendenz, einen einzuholen. George W. Bush muss seine Ausgaben irgendwie finanzieren. Und da die Amerikaner wenig Geld sparen, muss er sich darauf verlassen, dass die asiatischen Geldgeber seine Defizite finanzieren. Das bringt ihn in eine unkomfortable Position. Amerika mag die einzige Supermacht der Welt sein ... aber niemals zuvor war die US-Administration so von Ausländern abhängig. Wenn die Japaner und Chinesen Bush aus dem Amt jagen wollen ... dann müssen sie nur ihre riesigen Bestände an US-Anleihen verkaufen. Die Zinsen würden explodieren, und die "Scheinerholung" wäre vorbei.
In früheren Zeiten wäre ein Staatsmann, der seine Nation in eine so verletzbare Situation gebracht hätte, vom Mob zerrissen worden. Das war zum Beispiel im Jahr 976, zur Zeit der frühen Dogen, in Venedig der Fall: Der damalige Doge, ein gewisser Pietro Candiano, verärgerte seine Bürger so, dass sie ihn und seinen minderjährigen Sohn töteten und die halbe Stadt nieder brannten.
Das war die gute alte Zeit. Politiker dachten zweimal darüber nach, bevor sie eine Lüge aussprachen. Heute lügen sie zweimal ... und denken überhaupt nicht darüber nach.
Gleich mehr zu meinen Eindrücken von Italien – jetzt aber zunächst einmal zu Eric Fry mit mehr News: