Tornado-Warnung in Deutschland
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 04. Juli 2005 18:00 Uhr
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Da denkt man, hier in Deutschland sei man vor diesen Wetterkapriolen verhältnismäßig sicher, schon kommt eine "Tornado-Warnung" über die Ticker. Kaum gelesen, verdunkelte sich plötzlich hier in Köln die Sonne, und stärkere Windböen kamen auf. Wenn man gerade so eine Nachricht gelesen hat, kann einem dabei schon ganz schön mulmig werden. Tornados habe ich jedoch zum Glück keine gesehen. Zur Begründung heißt es bei www.wetter.de: "Eine intensive Kaltfront aus Westen erreicht ab 13 Uhr den Westen. Extreme Temperaturunterschiede führen zu Gewittern und Orkanen. Sogar Tornados sind möglich."
Independence Day in den USA lähmt Handel in Europa
Während das Wetter im Westen Deutschlands Kapriolen schlägt, schlafen die Börsen in Europa ein. In den USA wird der "Independent Day" gefeiert, die dortigen Börsen haben geschlossen – kurzum, nichts los.
Edelmetalle im Focus
Das einzig Interessante kam von der Edelmetallfront. Durch den weiteren Anstieg des Dollars kam es in den letzten Tagen besonders bei Gold und Silber zu starken Verkäufen. Ich kann nur sagen: Wahrscheinlich das übliche Spiel. Die Sorge ging um, dass vor und während des langen Wochenendes der Dollar deutlich zulegen könnte. Da wollten einige lieber ihre Positionen sichern.
Gerade beim Einbruch des Silberpreises kam noch eine weitere Komponente hinzu: Viele Stop Loss, die um die 7 Dollar platziert wurden, wurden ausgelöst, so die Meldung. Hmmmm ...
Silberproduktionskoten liegen bei 7 Dollar je Unze
Gerüchteweise kostet die Produktion von Silber mehr als 7 Dollar je Unze, alles unter 7 Dollar wäre damit deutlich unterbewertet, so die Theorie.
Was ich mich dabei frage, wer legt bitteschön seinen Stop auf 7 Dollar, wenn man weiß, dass die Produktionskosten bei 7 Dollar liegen (sollen)? Nun gut, vielleicht weiß das nicht jeder. Aber selbst wenn man sich den Chart anschaut, dann entspricht die 7 Dollar Marke in etwa der Mitte des Kursverlaufs der letzten Monate. An solchen Marken sollte man nie einen Stop legen. Aber vielleicht waren wieder ein paar hilflose Charttechniker unterwegs. Dort verlief nämlich auch eine Aufwärtstrendlinie. Manchmal sollte man einfach auch ein wenig über den Tellerrand der Charttechnik hinaussehen. Gut, sicher sein kann man nie, vielleicht steigt der Dollar weiter und Silber fällt weiter, dann waren die Stops im Nachhinein doch besser. Allerdings kann man unter 7 Dollar bei Silber meines Erachtens langfristig nicht viel falsch machen – langfristig!!
Alles nur manipuliert?
Ich bin also gespannt, was passiert, wenn in den USA wieder gehandelt wird. Sollte der Kurs wieder deutlich zulegen, dann gehörte dieser Kursrutsch in die Kategorie: Ausnutzen von umsatzarmen Feier- und Vorfeiertagshandelstagen, um noch einige Leute aus dem Basiswert zu treiben. Steigt es nicht, dann muss man wohl mit tieferen Kursen rechnen, die allerdings dann zum Einstieg genutzt werden können.
Leseranfragen zur Neuwahl
Ansonsten kommen immer mehr Anfragen von Ihnen, was denn passiert, wenn 1. die Neuwahlen nicht statt finden, 2. bei Wahlen die linken Parteien gewinnen, 3. die neue Links-Partei zu viele Stimmen erhält.
Die Börsen reagieren gerne kurzfristig auf politische Ereignisse, langfristig gibt es selten Auswirkungen, es sei denn, es kommt zu massiven politischen Veränderungen. Schauen Sie sich den Dax-Verlauf seit 2003 an. Hier könnte man wohl spätestens den Beginn der aktuellen politischen Krise in Deutschland ansiedeln. Am Dax scheint dieses Entwicklung hingegen völlig vorbeigegangen zu sein. Politik spielt in gewissem Rahmen eine nur untergeordnete Rolle für die Börsen.
Es ist natürlich kaum vorhersehbar, wie es sich auswirken würde, wenn die linken Parteien bei dieser Wahl wieder Erwarten gewinnen. Normalerweise hat es relativ wenig Auswirkungen. Das Problem dieses Mal: Die erforderliche Mehrheit im Bundesrat wäre immer noch nicht gegeben. In diesem Fall müssen Sie also damit rechnen, dass in- und ausländisches Kapital kurz- bis sogar mittelfristig aus dem Markt abgezogen würde.
Wenn die Neuwahlen hingegen gekippt werden, dann sollte es nur zu einem sehr kurzen Einbruch kommen. Schließlich setzen Börsen auf Erwartungen und die Erwartung eines Regierungswechsels wäre dann nach wie vor gegeben, nur etwas zeitverzögert.
Wird hingegen eine konservative Regierung gewählt, dann dürfte das nur einen kurzen Schub geben, überwiegend ist dieses Szenario nämlich schon eingepreist, lediglich der Wegfall der Unsicherheit kann dann kurz kursbewegend sein. Sehr langfristig wird dann im weiteren Verlauf interessant werden, welche Richtung die Regierung einschlägt, um die demographischen Probleme in den Griff zu kriegen.
Welche Auswirkungen spezielle Ergebnisse einzelner Parteien haben werden, kann man kaum beurteilen. Meistens weniger als man denkt. Aber auch das wird mehr davon abhängen, wie sich solche Parteien anschließend verhalten.
Insgesamt sollten Sie immer im Hinterkopf die alte Börsenweisheit haben: Politische Börsen haben kurze Beine.
Nix los im Dax
Ansonsten ist kaum etwas los an den Börsen, die Signale bleiben unklar und widersprechen sich: die amerikanischen Börsen immer noch schwach, der Dax vergleichsweise stark. Der Ölpreis hat zur erwarteten Gegenreaktion angesetzt. Alles latent bullish, trotzdem kann sich der Dax noch nicht so recht von der wichtigen 4600er Marke ablösen. So müssen Sie gespannt abwarten, was die Amis morgen machen.