Todsicher: Der "Ampelcheck" für Ihre Geldanlage
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 25. März 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
eigentlich wollte ich zum heutigen Thema bewusst nichts schreiben. Nachdem ich jedoch einige Fragen Ihrerseits hierzu erhielt, was ich von dieser Ampel halte, ist nun doch ein Artikel daraus geworden...
Alexander Hahn
kennen Sie dies? Der Staat verlangt aufgrund leerer Rentenkassen, dass Sie Ihre eigene Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen, jedoch sind Sie nicht sicher, wie Sie das machen sollen. Lebensversicherungen? Anleihen? Oder vielleicht doch diesen tollen "Absolute Returnum-dingsda-Fonds", der angeblich immer gewinnt?
Als Anleger haben Sie die Qual der Wahl. Deshalb freut sich der Deutsche Michel über allerlei Hilfe höchst kompetenter „Experten“ des sog. "Instituts für Vermögensaufbau", die dem Michel das abnehmen, was dieser im Zeitalter der massenmedialen Volksverdummung zum Großteil sowieso nicht mehr gerne macht: das Denken.
Meine Damen und Herren, darf ich um einen schwungvollen Trommelwirbel bitten für die einzige, absolut einzigartige und speziell für Ihre Altersvorsorge entwickelte, famose...
Endlich genügt ein einziger Blick, um Ihre private Altersvorsorge mit Sicherheit auf die Titanic, äh... in "sichere" Bahnen zu lenken. Und das alles ohne lästiges Nachdenken. Klasse, oder?
Unter diesem Link sehen Sie den „Rat der Experten“.
Picken wir uns doch einmal ein paar dieser wunderbaren Beispiele heraus...
Eignung für die Altervorsorge:
JA:
Aktienfonds weltweit eignen sich mit einem langfristigen Anlagehorizont immer - klar grün. Denn wie wir ja alle wissen, steigen Aktien langfristig ohne wenn und aber... Oder?
Abb.: Monatschart des japanischen Leitindex Nikkei
Dachten sich das auch die Anleger in Japan, als diese 1990 bei einem Stand von 40.000 Punkten in den japanischen Leitindex Nikkei investierten?
Nun ja, kein Problem. Es heißt ja immerhin "weltweit". Da sind dann mit Sicherheit auch deutsche börsennotierte Unternehmen enthalten.
Und dass der DAX ja eine wahre Fließbandfabrik für Aktien-Multimillionäre ist, wissen wir, seitdem Manfred Krug Werbung für die „Volksaktie“ Deutsche Telekom gemacht hat.
Abb.: Monatschart des DAX
Hätten Sie 1998 in den Dax investiert und diese Anteile bis heute gehalten, wäre Ihnen ein blendender Gewinn von 1,73% sicher. Nominal wohlgemerkt. In realen Größen hätten Sie zwischen 30% bis 50% (je nachdem welche Inflationsberechnung Sie berücksichtigen) Ihrer Kaufkraft verloren. Macht ja nichts, denn das kann der Michel ja bombig mit seinen Gehaltssteigerungen locker ausgleichen. Aktienfonds gehören damit ohne wenn und aber in jedes Portfolio. Los geht's also an die Finanztankstelle: "Einmal vollmachen, bitte!"
JA (mit Einschränkung):
- Deutsche Staatsanleihen
- Kapitallebensversicherungen
Ich will diese Themen nicht noch einmal durchkauen, denn wenn ich mich hierüber nochmals auslasse, reichen Kopfschmerztabletten in haushaltsüblichen Mengen sicher nicht mehr aus, um die dadurch auftretenden Symptome bei mir zu behandeln... Ich verweise daher auf meine IW-Artikel Serie „Zinsen und Anleihen“ sowie „Droht ein Crash der Lebensversicherungen?“
- Anleihen: Kurze Einführung (15.01.10 - Basics)
- Wie lange bleiben die Leitzinsen noch niedrig? (22.01.10 - Basics)
- Droht ein Crash der Lebensversicherungen? (Teil 1) (02.02.10)
- Droht ein Crash der Lebensversicherungen? (Teil 2) (05.02.10)
- Droht ein Crash der Lebensversicherungen? (Teil 3) (17.02.10)
Spätestens nach dieser Lektüre sollten Sie sich zweimal überlegen, ob Sie Ihre Altersvorsorge auf Treibsand wie Staatsanleihen oder Lebensversicherungen aufbauen.
Und vor welchen Anlageklassen warnen die "Experten"?
Unter anderem eigenen sich weder Hedge- noch Rohstofffonds für die kurz- mittel- und langfristige Geldanlage. Sicherlich besonders nicht in Zeiten von steigenden Geldmengen und realen Inflationsgefahren. Pfui! Bloß in kein Portfolio mit dem Gift!
Auch sind sie da natürlich wieder, diese bösen, bösen Hedgefonds, die ja ganze Staaten, die ja vorher in perfekter Haushaltsdisziplin gewissenhaft wirtschafteten, bis an den Rand des Ruins treiben. Also schön politisch korrekt dreimal rot machen, bitte. Schon dieser Name... Wie das klingt... "Hedgefonds". Sofort auf den Verbotsindex mit dem Teufelszeug! Keine Widerrede!
Und diese Performance erst... Oh je! Absolut nicht geeignet für Michel. Lieber die "Standardfonds" von der Resterampe der Hausbank mit schön hohem Ausgabeaufschlag oder die "heißen Eisen" der zwielichtigen Fondsklitsche um die Ecke ins Portfolio. Da weiß Michel wenigstens, was er hat.
Und Rohstofffonds? Um Gottes Willen, wie können Sie überhaupt diese Frage stellen? ... Wer braucht denn schon Rohstoffe? Als ob es dafür eine weltweite Nachfrage gäbe. Investmentlegenden wie Jim Rogers liegen mit Sicherheit (und wie immer) völlig falsch mit ihren Einschätzungen, dass sich Rohstoffe in einem langjährigen Bullenmarkt befinden. Wer Aktien- und deutsche Staatsanleihen im Depot hat, sollte sich vor Rohstoffen TUNLICHST hüten! Am Ende diversifiziert man sein Depot doch glatt noch sinnvoll. Undenkbar... Der absolute Super-GAU. Soweit dürften Sie es keinesfalls kommen lassen!
Auch bin ich sehr froh, dass die "Experten" die beiden hochgefährlichen Edelmetalle Gold und Silber gar nicht erst erwähnt haben. Ob es daran liegt, dass die "Experten" in neuen Studien festgestellt haben, dass diese Metalle vielleicht radioaktiv wären? Wer weiß... Der Grund der hier genannt wird, ist jedenfalls auch nicht von schlechtern Eltern und extrem "pfiffig". Na, haben Sie schon eine Idee? Nein? Dann gebe ich Ihnen einen Geheimtip: Aber nicht weitersagen... Gold und Silber... bringen nämlich ... keine ZINSEN!!!
Doch auch wenn Sie es kaum glauben wollen: Die Edelmetalle können nur Ihre Kaufkraft über sehr lange Zeiträume (5000 Jahre+) erhalten. Mehr nicht. Aber wer braucht schon Kaufkrafterhaltung, wenn man auf Aktien, Anleihen und Lebensversicherungen setzt. Kaufkraft ist out... Wissen wir doch alle.
Und außerdem muss man etwa auf physisches Gold aktuell keine Abgeltungssteuer zahlen und kann gar sein Vermögen vor dem Finanzamt anonymisieren. Und dabei wissen wir doch alle, dass Herr Schäuble unser Geld doch so dringend für die Rettung Griechenlands braucht. Deshalb finde ich es sehr lobenswert, dass Edelmetalle auf der Liste gar nicht auftauchen. Der Edelmetallmarkt in der BRD sollte sowieso glatt trockengelegt werden und alle Verkäufer dieser hochgiftigen Metalle in den Bau wandern. Lebenslänglich. Das wäre konsequent!
Und falls Sie noch etwas dieses glänzenden (und bestimmt in Zukunft bald auch noch radioaktiven) Metalls daheim herumliegen haben... Auf dem deutschen "Informationskanal" RTL II laufen Werbesendungen von gar völlig bekloppten Zeitgenossen, die Ihnen gerne das giftige und völlig nutzlose Metall gegen wertvolle Euros eintauschen (denen ist bestimmt die giftige Goldstrahlung nicht bekommen...?).
Ich möchte mich deshalb beim "Institut für Vermögensaufbau" für diese seriöse und intensiv recherchierte Börsenampel bedanken! Sie machen der Webseite "Finanztest" ernsthafte Konkurrenz.
Ein dreifaches "Weiter so!" und beste Grüße...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Karlheinz Lohret (25.03. 2010 19:43 Uhr):
Köstlich und doch leider so wahr! Leider spricht sich diese Erkenntnis nicht so leicht rum. Lieber Herr Hahn, Sie sollten mal über einen Börsendienst für mittelfristige bis langfristige Anlagen nachdenken. Der von Ihnen frisch aufgelegte Dienst für kurzfristiges Traden beansprucht serh viel Zeit, die die wenigsten haben und schon deshalb aussteigen müssen. Im langfristigen Bereich wäre doch ein mindestens ebenos gutes Betätigungsfeld für Sie.
Antworten - Kommentar von Ralf Schulz (26.03. 2010 08:43 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, wenn ich Ihre Artikel lese, spüre ich förmlich das Blubbern Ihrer Magensäure und möchte Ihnen die Klinikpackung Marax zuwerfen, bevor Ihre Schleimhäute sich in Wohlgefallen auflösen. Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Anregungen. Wenn Ihr Börsendienst nicht mit amerikanischen Optionen handeln würde, wäre ich sofort Ihr Kunde. Hochachtungsvoll!
Antworten - Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (27.03. 2010 16:49 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn! Also Ihr Beitrag war einfach herrlich! Wie immer! Es ist für mich immer eine große Freude Ihre Beiträge zu lesen, und freue mich immer darauf die neue Ausgabe von Investoren Wissen in meinem E-Mail Box zu finden. Nun Kopfschmerztablette habe ich zwar nicht benötigt, aber vom vielen Lachen habe ich schreckliche Bauchkrämfe bekommen. Aber das war es Wert! Nur schade, dass Ihre Beiträge - hauptsächlich dieser Beitrag - nicht im Spiegel, oder in einem anderen renommierten Zeitschrift erscheint. Denn dann würden vielleicht auch die Verantwortlichen mal über die offiziellen Empfehlungen nachdenken. Und wie sinnlos diese sind. Mit freundlichen Grüßen:
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