Tiefe Kluft zwischen amtlicher und gefühlter Inflation
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 25. Januar 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Neben der amtlichen Inflationsrate, welche in Deutschland ja vom statistischen Bundesamt zu Wiesbaden ermittelt wird, berechnet das Schweizer Forschungszentrum für Wirtschaftsstatistik in Fribourg auch die sog. gefühlte Inflationsrate".
Gewichtung nach der Kaufhäufigkeit
Der entscheidende Unterschied zwischen dem offiziellen Verbraucherpreisindex und der gefühlten Teuerungsrate liegt darin, dass dem Fribourger Professor Hans Wolfgang Brachinger zufolge einzelne Waren anders als in der offiziellen Statistik gewichtet werden. Die Uni Fribourg gewichtet dabei die Waren nach der Kaufhäufigkeit. Das bedeutet bspw., dass Grundnahrungsmittel eine höhere Gewichtung erhalten als selten erworbene Elektronikartikel.
Gefühlte Inflationsrate im Dezember bei 5,2 Prozent
Die von den Schweizer Experten nun für Deutschland berechnete gefühlte Inflationsrate im Dezember 2010 lag nun also bei sage und schreibe 5,2 Prozent. Sprich, mehr als drei mal so hoch wie die amtliche Teuerungsrate in Höhe von 1,7 Prozent. "Dieses Niveau konnten wir bisher nur in den Monaten um die Euro-Einführung und in der Hochinflationsphase 2007/08 beobachten", so der Fribourger Statistikprofessor Hans Wolfgang Brachinger gegenüber Reuters.
Dämpfer für die Kaufbereitschaft
Falls die "gefühlte Inflation" nun deutlich über der amtlichen Inflation (so etwa wie kurz nach Einführung des Euros - Stichwort "Teuro") liegt, geht Brachinger zufolge die Kaufbereitschaft insgesamt zurück. Diese Tendenz könnte sich in den kommenden Monaten verstärken und dazu führen, dass die Kaufbereitschaft der Verbraucher erheblich nachlässt. Deshalb stehe laut Brachinger die Einschätzung, dass die Konjunktur zunehmend vom privaten Konsum getragen sein wird, auf wackeligen Beinen.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, in unserer schönen Neuen Welt wird die Kluft zwischen amtlicher und realer Inflation immer größer. Es wird sehr, sehr spannend, wie hoch die gefühlte Inflationsrate in Deutschland in den kommenden Monaten ausfallen wird, wenn selbst der Präsident des Bundesverbands für Groß- und Außenhandel, Anton Börner, die Gefahr zweistelliger offizieller Teuerungsraten sieht.
Zum Thema Inflation" darf ich Ihnen heut zum Schluss die weisen Ausführungen Roland Baaders aus seinem aktuellen Werk Geldsozialismus" (Seite 51f) präsentieren:
Inflation ist ein betrügerischer Vorgang. Der Betrug beginnt bereits mit der Installierung eines fiat money-Systems selber, weil es sich dabei um Falschgeld handelt. Wenn in Zeiten der Gold- und Silberwährung Geldfälscher ihr Vermögen auf Kosten anderer vermehren wollten, mischten sie den Gold- und Silbermünzen weniger edle Metalle bei. Das war Geldfälschung und Betrug.
Wenn Regierungen fiat money einführen, das beliebig vermehrt werden kann, um damit auf Stimmenfang zu gehen und den Staatsapparat auszudehnen, dann steigert das - wie beim Metallfälscher - den Reichtum der Fälscher und vermindert den Wert des Geldes aller anderen Bezieher und Eigentümer von Geld. Räuberische Gewinner hier - und schuldlose Verlierer dort. Und das ist genau dasselbe wie im ersten Fall, nämlich Geldfälschung und Betrug.
Die dem ungedeckten Papiergeld systemimmanente Inflation und Teuerung bewirkt auch eine Vergrößerung der Schere zwischen Arm und Reich. Die zur Geldvermehrung betriebene Niedrigzinspolitik verbilligt den Kapitaleinsatz gegenüber dem Faktor Arbeit und lässt die Vermögensgüterpreise steigen, während Geringverdiener und Rentner sich dem Kaufkraftverlust weniger entziehen können."
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rejhons (25.01. 2011 08:42 Uhr):
Man kann diesen Aussagen nur zustimmen. Denn Tatsache ist, dass die „gefühlte“ Inflation gegenüber der amtlichen Inflation, der absoluten Realität entspricht. Man sollte nur die einzelnen Hausfrauen befragen, die den täglichen / wöchentlichen Einkauf machen. Was habe ich um x € 2008 bekommen, was bekomme ich um die gleichen € heute. Das heißt – um wie viel mehr muss ich für das gleiche Produkt, den gleichen Warenkorb eines Haushaltes heute ausgeben und was vor 2 Jahren. Stellt man dann das Einkommen gegenüber, ist für Jedermann der Unterschied mehr als nur sichtbar.
Antworten - Kommentar von Manfred (25.01. 2011 09:59 Uhr):
Ich wundere mich nur, dass offenbar auch Mr. N.N. die Begriffe Preissteigerungsrate und Inflation synonym verwendet. Für mich ist das ein Unterschied. Im übrigen lese ich seine Artikel besonders gern.
Antworten - Kommentar von Diagonaldenker (25.01. 2011 12:01 Uhr):
Darf das denn wahr sein, dass wir all die Jahrzehnte der Vergangenheit derart betrogen wurden, indem nicht die Kauf- Häufigkeit, also der echte Absatz gemessen wurde sondern nur eine Einzel- oder Kleinmenge in die Berechnung der Teuerungsrate eingeflossen ist? Hat die Politik oder das statistische Bundesamt den Bürger derart hinters Licht geführt? Sicherlich merkt jeder Käufer, der auf sein Geld achtet, dass eine Riesenkluft besteht zwischen der amtlichen Inflationsrate und der wahren Inflation, die jährlich bei 8 bis 10% liegt. Aber die Statistik derart zu fälschen, dass nicht der echte Verbrauch, also die Kaufhäufigkeit berücksichtigt wird, das schlägt doch dem Fass den Boden aus!! Dazu braucht man kein teures Bundesamt in Wiesbaden, es sei denn, es ist extra wegen des Betruges eingeführt worden, um die Bevölkerung hinters Licht zu führen. Hier sollte jeder Betrogene, also Alle, aktiv werden, seinen zuständigen Bundestagsabgeordneten aufzufordern, hier die richtigen Maßstäbe einzuführen und diesen Betrug zu beenden.
Antworten - Kommentar von Bernhard (01.02. 2011 18:16 Uhr):
Wie wird die amtliche Inflation ermittelt? Es gibt einen Warenkorb mit ca. 760 Artikeln des täglichen Lebens eingeteilt in verschiedene Personengruppen. Der Warenkorb ändert seinen Inhalt mit dem Verbraucherverhalten. Da bei den Personengruppen meist alles Geld am Monatsende ausgegeben ist, heißt das, dass die statistische Inflation nicht höher sein kann als die Nettolohnerhöhung. Die Frage der Inflation stellt sich also gar nicht wirklich, sondern was kann ich mir gegenüber dem Vorjahr nicht mehr leisten?
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