Tief verunsicherte Verbraucher ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 02. August 2004 18:00 Uhr
ENL5454
In der letzten Juli-Woche des Jahres 2004 konnten die deutschen Aktien zulegen. Der Dax ging am Freitag knapp unter der Marke von 3900 Punkten aus dem Handel. Nichtsdestotrotz, das Wochenplus von gut 2,5 % bei den deutschen Standardwerten ist angesichts der realwirtschaftlichen Lage beachtlich.
Gewiss, bisweilen wiesen einige Wirtschaftsdaten, wie zum Beispiel der ifo-Index, auf eine Stabilisierung hin.Dennoch fehlt es nach wie vor an der Zuversicht der Bürger, oder schlicht an der Hoffnung auf bessere Zeiten. Angesichts einer verheerend hohen Arbeitslosigkeit, welche jüngsten Schätzungen zufolge mehr als 8,5 Mio. Menschen betrifft, auch nicht wirklich verwunderlich.
Insofern ist es auch keine große Überraschung, dass das Konsumklima, die Verbraucherstimmung selbst im Hochsommer fröstelt. Die Konsumenten gehen einfach nicht mehr davon aus, dass eine wirklich nachhaltig-robuste konjunkturelle Wende hin zum Besseren, vor allem am Arbeitsmarkt, bevorsteht. In diesem Kontext fällt dann auch die Einschätzung hinsichtlich der künftigen persönlichen Einkommensentwicklung eher schlecht aus. Die Deutschen sind tendenziell immer weniger geneigt, mit steigenden persönlichen Einnahmen zu kalkulieren.
Vor diesem Hintergrund ist es dann auch wahrlich nicht überraschend, dass die persönliche Anschaffungsneigung weiter von einer starken Zurückhaltung geprägt ist. Der Mut, langlebige Konsumgüter anzuschaffen, schwindet. So schwindet wohl auch die Hoffnung, dass die lahmende deutsche Binnennachfrage wieder Fahrt aufnehmen kann. Damit wird es für die Bullen sicherlich nicht einfacher, die aktuellen Notierungen der deutschen Aktien weiter zu halten bzw. nach oben zu treiben.
Auch jenseits des Atlantiks gibt es vermehrt Anzeichen, die auf eine deutliche Verlangsamung der Wirtschaftsaktivitäten hinweisen. So betrug das "offiziell ermittelte" Wirtschaftswachstum für das zweite Quartal diesen Jahres lediglich 3 %. Der Bip-Preisdeflator wurde mit 3,2 % ausgewiesen. Besonders auffällig ist, dass die Zuwachsraten bei den Löhnen/Gehältern die geringsten seit 1982 waren und mit der inflationären Entwicklung nicht mehr mithalten konnten. Folglich ist es auch nicht verwunderlich, dass der persönliche Verbrauch nurmehr mit 1 %, verglichen mit noch 4 % im ersten Quartal zulegen konnte.
Weiter flacht auch in den USA die Nachfrage nach langlebigen Wirtschafsgütern merklich ab.
Ergo braucht man wohl kein Prophet zu sein, dass die Dynamik bei den Unternehmensgewinnen wohl auch den Zenit erreicht bzw. bereits schon überschritten haben dürfte.
Es dürfte also für den US-Aktienmark ebenfalls sehr, sehr schwer werden, das gegenwärtig hohe Bewertungsniveau zu halten. Ebenfalls interessant war, dass in der vergangenen Woche der Ölpreis sich wieder auf ein 14-Jahres-Hoch aufmachte. In diesem Kontext gilt es nach wie vor, ein besonderes Augenmerk auf die Situation im Nahen bzw. Mittleren Osten, speziell in Saudi Arabien, zu richten. Sollte sich dort die Lage zuspitzen, kann von weiter stark anziehenden Ölnotierungen ausgegangen werden.
Der Preis für das gelbe Edelmetall verharrte auch in den vergangenen Tagen innerhalb der Seitwärts-Range zwischen 370–430 US-Dollar. Momentan kostet die Feinunze Gold gut 390 US-Dollar oder 325 Euro, was in der mittel- bis langfristigen Perspektive ein nach wie vor äußerst attraktives Kaufniveau ist.