Thema Rohstoffe
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 29. März 2005 12:00 Uhr
ENL5454
Thema Rohstoffe.
Eigentlich ist es ganz einfach, diesen Markt schnell zu beschreiben:
Es gibt zwei Seiten – Angebot und Nachfrage.
Was die Nachfrage betrifft:
Da dreht sich derzeit alles um China, dessen Nachfrage explodiert. Beispiel Hebei, eine mittelgroße Provinz mit 65 Millionen Einwohnern. In dieser Provinz wird Stahl produziert. Im Jahr 2000 waren es ca. 20 Millionen Tonnen jährlich. Die Produktion explodierte auf 50 Millionen Tonnen im Jahr 2003, letztes Jahr waren es schätzungsweise mindestens 60 Millionen Tonnen. Dafür ist Kohle und Eisenerz notwendig – und zwar mehr, als China selbst aus der Erde holt. Die Folge: Eine Nachfrageexplosion auf dem Weltmarkt. Das gilt auch für andere strategische Rohstoffe, darunter Öl. Nur noch die USA kaufen mehr Öl als China ein.
Wie lange kann dieses Wachstum noch so weitergehen? Wenn China weiter in diesem Tempo wachsen würde, dann würde in 10 Jahren die gesamte Rohstoffproduktion DER WELT nicht mehr ausreichen, den chinesischen Rohstoffhunger zu stillen. So weit wird es nicht kommen, denn das chinesische Wachstum wird sich verlangsamen, so wie sich in Deutschland nach den Wirtschaftswunderjahren der 1950er auch die Wachstumsraten beruhigten und es zu ersten Krisen kam. Meine Einschätzung: China ist derzeit vergleichbar mit Deutschland in den 1950ern. Natürlich sind die aktuell hohen Wachstumsraten nicht "auf Dauer" durchhaltbar – aber einige Jahre lang auf jeden Fall noch.
Und darum geht es! In den nächsten 10 bis 15 Jahren wollen rund 200 Millionen Chinesen vom Land in die Städte umsiedeln – und dort brauchen sie eine Wohnung und wollen ein Auto (Quelle: Wirtschaftsinstitut der Chinesischen Sozialakademie). Das wird die Nachfrage nach Rohstoffen weiter beflügeln. Und dann steht da ja auch noch Indien in den Startlöchern ...)
Zur Angebotsseite:
In den 1990ern waren die Preise für Rohstoffe und Rohwaren ziemlich im Keller, weshalb auch viele Minen oder Anbauflächen aufgegeben wurden. Jetzt, wo Rohstoff- und Rohwarenpreise wieder steigen, werden auch neue Minen erschlossen und neue Ackerflächen angelegt. Doch das dauert alles seine Zeit. Mit anderen Worten: Die explodierende Nachfrage trifft auf ein noch stagnierendes Angebot. Bei einzelnen Rohwaren wie z.B. Zucker liegt die Nachfrage schon über dem Angebot – und die Lagerbestände sinken. Die perfekte Kombination für steigende Preise, die sich mit entsprechenden Long-Zertifikaten ausreizen lassen!
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Michael Vaupel
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