Thema der Woche: Milliardengrab Hypo Real Estate
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 22. September 2010, 14:30 Uhr
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Es ist wohl der "Aufreger der Woche" für viele Medienvertreter. Die "WirtschaftsWoche" betitelt sie als "Fass ohne Boden" und meint damit die Hypo Real Estate. 142 Mrd. Euro an Staatsgarantien hat unsere Bundesregierung und damit indirekt auch wir Steuerzahler bislang für die Münchener Immobilienbank übernommen, nachdem diese in Folge der weltweiten Finanzkrise in Schieflage geraten war. Die Pleitebank ist damit inzwischen längst verstaatlicht.
Die letzten 40 Mrd. gab es sogar erst vergangene Woche. Da mutet eine Meldung wie die vom vergangenen Wochenende doch recht befremdend an: Trotz eines Verlustes von rund 2,2 Mrd. Euro im vergangenen Jahr sollen die Manager der Hypo Real Estate (zusätzlich zu ihren begrenzten Vorstandsgehältern von 500.000 Euro) nach einem Bericht des Magazins "Spiegel" Boni in der Gesamthöhe von 25 Mio. Euro erhalten haben. Mitarbeiter der Skandalbank hätten auf alte Zusagen gepocht und mit Klagen gedroht, wie das Nachrichtenmagazin berichtet. Einige hätten so mehr als eine Million Euro kassiert.
Die Empörung hielt sich entsprechend NICHT in Grenzen. Oberaufreger war jedoch die Tatsache, dass das Bundesfinanzministerium diese Bonus-Zahlungen auch noch als "gerecht" verteidigte. Der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble, Michael Offer, gab zu bedenken, dass diese einmaligen Ausgleichszahlungen "nicht unangemessen" und vor allem notwendig seien, um erfahrene Spezialisten im Unternehmen zu halten. Alles klar?
Der Bund der Steuerzahler sprach von einem Skandal. Weder habe die Bank es geschafft, auf eigenen Füßen zu stehen, noch sei sie in der Situation, diese Zahlungen eigenständig finanzieren zu können, sagte Verbandsvizepräsident Reiner Holznagel dem "Handelsblatt". Das Wirtschaftsblatt ist es auch, welche aus Branchenkreisen berichtet, dass ursprünglich sogar Bonuszahlungen in Höhe von 35 Mio. Euro im Gespräch gewesen seien. Dem hätten sich aber der Bund und der Bankenrettungsfonds Soffin entgegengestellt. Hin wie her, die Bundesregierung kann sich damit nicht im Nachgang zum Helden machen lassen. Denn es bleibt der Fakt: Wenn ein Unternehmen nur dank staatlicher Garantien überhaupt noch existiert, auf Verlusten im Milliardenbereich sitzt, dann kann man Bonis einfach nicht zahlen, selbst wenn diese Manager sich vielleicht den A... aufgerissen haben. Wo nichts ist, kann es auch nicht EXTRA geben. Oder?
Was meinen Sie dazu? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ihre Meinung zu diesem Thema zukommen lassen würden!
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Stemmerling (22.09. 2010 14:52 Uhr):
Sie haben vollkommen Recht. Es ist ja wohl total unsinning das hier gutes Geld der Steuerzahler dem schlechten Geld noch hinterher geworfen wird. Außerdem bezweifel ich das diese Menager, die ja auch die Mrd. Verluste verursacht haben, so GUT sind das man ihnen noch einen Bonus zahlen muß damit sie bleiben und weitere Mrd. in den Sand setzen. Es ist unverantwortlich wie hier von der Regierung mit dem Geld der Steuerzahler umgegangen wird. Hier müssen wieder einmal viele ( Steuerzahler ) bluten damit wenige ( Miß-Manager) davon profitieren. Das ist wieder einmal ein gutes Beispiel das in Deutschland die Lobbbyisten und nicht die Politier die Politik bestimmen. In Italien würde man das Mafia nennen. Wie kann man das eigentlich bei uns bezeichnen?
Antworten - Kommentar von kai becker (22.09. 2010 14:58 Uhr):
"Erfahrene Spezialisten"? Man weiss nicht, ob man lachen oder kotzen soll. Geld verbrennen kann jeder Vollidiot - nur dass er in der Realwirtschaft schlicht pleite ginge. Soll der Bund doch die Bruchbude schliessen und die Schulden gleich selbst uebernehmen; dann sparte man wenigstens die Gehaelter (und die Boni...). Aber die politische Klasse ist nicht nur korrupt, sondern auch noch atemberaubend dreist, wenn sie so etwas zulaesst. Ein Steuerstreik waere jetzt das Angebrachte.
Antworten - Kommentar von Hans Hofer (22.09. 2010 16:01 Uhr):
Wenn es die besten und teuersten Spezialisten waren, die die Banken so an die Wand gefahren haben, möchte ich es jetzt eigentlich mal mit den zweitbesten versuchen... vielleicht nicht so teuer und vielleicht auch weniger erfolgreich im "an die Wand fahren"...
Antworten - Kommentar von Kellershohn (22.09. 2010 22:13 Uhr):
die Bänker handeln nach den gültigen Arbeitsverträgen. Hier stellt sich die Frage, wo waren die hoch bezahlten Politiker und Staatssekretäre, die es versäumt haben nach der Pleite die Änderungskündigungen einzuleiten. Wenn unsere BAFIN und andere Spezialisten zu blööööde sind das Arbeitsrecht anzuwenden, haben die Leute doch recht sich zu bedienen. Kellershohn
Antworten - Kommentar von Erich Hungenberg (22.09. 2010 23:23 Uhr):
Unter diesen Voraussetzungen bin ich gerne bereit, der HRE meine langjährige kaufmännische Erfahrung zur Bewältigung der Probleme zur Verfügung zu stellen.. Im Ernst: Den Vertretern der öffentlichen Hand ist dringend zu empfehlen, vor der wieteren Hergabe öffentlicher Gelder - auch wenn es zunächst nur Bürgschaften sind - das 1x1 verantwortlichen Handelns zu erlernen. Wahrscheinlich sind wir immer noch zu geduldig mit solchen Versagern, ob bei der HRE oder in der Politik!
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- Kommentar von E Grzanna (23.09. 2010 13:55 Uhr):
Sehr geehrte Frau Bach, als ehem. Kaufmann, der als Industriekaufmann begann und als Leitender Angestellter aus einem Pharmamulti in Rente ging und dem ein Händedruck mehr bedeutete als jeglicher Papierkram, ist es absolut unverständlich, wie Manager, die nachweislich total versagt haben, vom Steuerzahler letztlich Boni erhielten und das nur aufgrund Ihrer Warnung, die Boni eventuell einklagen zu wollen. Ich kenne nicht die Verträge der Bank und auch sind mir Boni nur für erzielte Erfolge und nicht als Festgehalt bekannt, hätte die Manager klagen lassen. Zumindest wäre dann in aller Öffentlichkeit das Missverhältnis zwischen Leistung und Vergütung diskutiert und damit bekannt geworden. Mfg Erdmmann Grzanna
Antworten - Kommentar von Mickey (23.09. 2010 15:30 Uhr):
Auf den ersten und oberflächlichen Blick ist die Zahlung sicher ein Aufreger, aber ohne die Hintergründe zu kennen sollte man keine polemische Pauschalverurteilung per Megafon verbreiten. Was hier immer wieder als "Boni für Zocker" bezeichnet wird, ist ein vertraglich zugesicherter, variabler Gehaltsbestandteil. Diesen erhält jeder Mitarbeiter(in) - von der Putzfrau über die Sekretärin und Sachbearbeiter bis zum Manager - in Abhängigkeit der eigenen erbrachten Leistung. Dieser variable Gehaltsbestandteil liegt in der Regel zwischen einem halben und zwei Monatsgehältern und sicher nicht im sechsstelligen Bereich. All diese hart arbeitenden Mitarbeiter (eine Bankbelegschaft besteht nicht nur aus Topmanagern), die versuchen eine Krise zu bewältigen an der sie nicht die geringste Schuld tragen als "Zocker" zu verunglimpfen, ist in meinen Augen nicht minder schamlos. In 2009 haben die Mitarbeiter bereits auf die Zahlung des variablen Gehaltsanteils verzichtet! Nochmal: wir reden nicht von einem "on-top-Bonus". Das im Industrievergleich ganz normale Gehalt ist lediglich in einen festen Anteil und einen variablen Anteil gesplittet, dessen Höhe geringfügig über die Qualität der e-i-g-e-n-e-n Leistung beeinflusst werden kann.
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